Unilever kauft Rasierer-Start-up Unilevers messerscharf kalkulierte Milliarden-Wette

Haarlos glücklich: Unilever wittert im Digitalgeschäft mit Rasierern neue Möglichkeiten

Haarlos glücklich: Unilever wittert im Digitalgeschäft mit Rasierern neue Möglichkeiten

Foto: Imago

Es ist ein stolzer Preis und eine gewagte Wette, die Unilever den Weg in ein neues Milliardengeschäft ebenen könnte: Für angeblich eine Milliarde Dollar  kauft der britisch- niederländische Konsumgüterhersteller Unilever das Rasierer-Start-up Dollar Shave Club aus Kalifornien.

Dollar Shave Club vertreibt mit einem "no-frills"-Modell Rasierklingen und Pflegeprodukte im Abo. Das "Wall Street Journal" (WSJ),  berichtete als erstes Medium von der Übernahme und bezifferte dabei den Preis auf rund eine Milliarde Dollar. Laut WSJ peilt das 2012 gegründete Start-up in diesem Jahr einen Umsatz von gut 200 Millionen US-Dollar an. Es schreibt bislang aber noch rote Zahlen.

Bei seiner letzten Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr war das Start-up, das mit seinen günstigen Rasierer-Abos angeblich 3,2 Millionen Kunden akquiriert hat, mit 615 Millionen Dollar bewertet.

Für Unilever könnte die Übernahme der Zugang zu einem neuen, äußerst lukrativen Geschäftsfeld sein, in dem durch den Onlinehandel ordentlich Bewegung gekommen ist. Dominiert wird es durch den US-Konzern Procter & Gamble (P&G) mit seiner Marke Gillette. Doch dessen Stern ist - auch durch die Onlinekonkuurrenz - am sinken.

Laut den Marktforschern von Euromonitor sank der Marktanteil von P&G am US-Rasierergeschäft von 71 Prozent 2010 auf 59 Prozent 2015. Alleine auf Dollar Shave Club, das in den USA mit seiner unterhaltsamen Werbung für Furore sorgte, entfielen demnach 5 Prozent des Marktes.

Rasierer als Einfallstor zum Wachstumsmarkt Mann

Aber nicht nur der Einstieg ins lukrative Rasiergeschäft dürfte für Unilever den Ausschlag für die Milliarden-Übernahme gegeben haben. Vor allem der Ausblick, über das Onlineangebot besseren Einblick in die Bedürfnisse seiner Kunden zu bekommen und über die bereits auch Männerkosmetik vertreibende Plattform seine Produkte verkaufen zu können, dürfte dafür gesorgt haben, dass Unilever eine ganze Milliarde für seine Digitalwette ausgibt.

Was den Direktvertrieb angeht, waren viele Konsumgüterhersteller lange vorsichtig, um ihr Verhältnis mit dem für sie so wichtigen Handel nicht zu strapazieren. Seit aber Größen wie Amazon teils mit Eigenmarken massiv ins Geschäft drängen, scheint sich diese Zurückhaltung zu legen.

Ähnlich wie Unilever hat auch Beiersdorf seine Fühler bereits ins Rasierer-Geschäft ausgestreckt, das für die Konzerne so etwas wie ein Einfallstor zum noch weitgehend unerschlossenen männlichen Klientel sein könnte. Schließlich sind Rasierer für viele Männer Produkte, um deren Kauf sie nicht herumkommen. Bislang beschränken sich die Hamburger jedoch noch auf Frauen-Rasierer.

Man habe offenbar nicht die richtige Konversation darüber geführt, "was uns zerstören" kann, hieß es bei Unilever. Ein Manko, dass der Konzern nun für eine Milliarde auszuräumen versucht.

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