Mittwoch, 21. August 2019

Chinesen kaufen 37 deutsche Firmen in 6 Monaten - Rekord Chinas Firmenkäufe in Deutschland laufen heiß

Einkaufsparadies Deutschland: Midea-Chairman Paul Fang hat mit der Kuka-Übernahme ein Beispiel gesetzt, ebenso wie Bejing Enterprises durch den Kauf der niedersächsischen Energiefirma EEW (Energy from Waste). Weitere Übernahmen in Deutschland werden folgen - Geld spielt keine Rolle, und Peking ermuntert zur Expansion

Kuka, EEW und noch viel mehr: Das beliebteste Ziel chinesischer Firmenjäger in Europa ist Deutschland. Ihr Tempo ist atemberaubend - im ersten Halbjahr haben die Käufer für 37 deutsche Firmen knapp 10 Milliarden Euro ausgegeben. Das ist mehr als in den vergangenen zehn Jahren zusammen. Weitere Deals sind geplant.

Chinas Konzerne sind im Übernahmefieber, und der für sie heißeste Markt in Europa ist Deutschland. Die Firmenjäger aus Fernost haben in den vergangenen 6 Monaten sowohl das Tempo als auch ihren Kapitaleinsatz dramatisch gesteigert: 9,7 Milliarden Euro ließen sich chinesische Konzerne die Akquisition von insgesamt 37 deutschen Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 kosten. Damit war Deutschland mit Abstand das beliebteste Ziel der chinesischen Investoren vor Frankreich (23 Firmenkäufe) und Großbritannien (20 Firmenkäufe). Dies ist das Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Prüfer erwarten bis Jahresende weitere spektakuläre Übernahmen in der Bundesrepublik.

Geld spielt derzeit im globalen Übernahme-Karussell keine Rolle. Die Summe, die 2016 in deutsche Firmen investiert wurde oder laut Plan noch investiert werden soll, hat sich mit knapp 10 Milliarden Euro bereits jetzt gegenüber dem Vorjahr fast verzwanzigfacht (475 Millionen Euro waren es im Gesamtjahr 2015, als insgesamt 39 Firmen übernommen wurden). Und das Jahr ist noch nicht zu Ende.

Hotspot Deutschland: Kuka und EEW sind 2 der 4 größten Übernahmen

Fast die Hälfte der Summe (4,2 Milliarden Euro) entfällt auf die geplante Übernahme des Maschinenbauers Kuka durch den chinesischen Konzern Midea. Der Deal ist in diesem Jahr der drittgrößte in Europa - nach der ebenfalls noch nicht abgeschlossenen 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme des schweizerischen Chemie-Unternehmens Syngenta durch Chemchina und dem 8,6 Milliarden Dollar schweren Geschäft mit dem finnischen Spiele-Entwickler Supercell.

Auf Platz vier in diesem Jahr liegt bislang der Verkauf der deutschen Entsorgungs- und Energiefirma EEW (Energy from Waste) an Bejing Enterprises Holding.

Zahlreiche Deals mit Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland

"Chinesische Unternehmen blicken auf ihrer Suche nach Akquisitionen bereits seit geraumer Zeit intensiv auf Europa und insbesondere auf Deutschland", beobachtet Alexander Kron, Partner bei EY und Leiter Transaction Advisory Services für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Derzeit kämen noch zwei Entwicklungen hinzu, die das Interesse und die Summen sprunghaft ansteigen ließen: "In Europa bzw. Deutschland wollen sich derzeit viele Private-Equity-Gesellschaften von Beteiligungen trennen und stoßen bei chinesischen Investoren auf großes Interesse. Denn die suchen wiederum verstärkt nach Übernahmezielen in anderen Ländern, da das Wachstum auf dem Heimatmarkt nachlässt."

Peking gibt den Takt vor

Hungrig: Chemchina-Chairman Ren Jianxin wartet auf die Genehmigung der Syngenta-Übernahme

"Mit dem verlangsamten Wachstum auf dem Heimatmarkt sehen sich die chinesischen Unternehmen gezwungen, neue Geschäftsfelder aufzubauen und sich von der Massenproduktion in Richtung Spezialisierung und Hochtechnologie zu bewegen", ergänzt Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz. "Der kürzeste Weg dahin besteht in Akquisitionen ausländischer Marktführer."

Auf der anderen Seite suchten derzeit viele chinesische, lokale Private-Equity-Gesellschaften für ihre Portfolio-Unternehmen passende Übernahmeziele und fokussieren dabei erfolgreiche und innovative Unternehmen in Europa - mit dem Ziel, eine überzeugende Equity Story für einen späteren Börsengang in Hongkong bieten zu können. Auch diese Entwicklung führe zu mehr erfolgreichen Abschlüssen in Europa.

Da die Führung in Peking die heimischen Unternehmen ausdrücklich zu einer Verbesserung der Wettbewerbsposition auch durch Übernahmen aufgefordert hat, vollziehen viele chinesische Unternehmen

jetzt die Vorgaben der Partei.

Die Folge: China steht im ersten Halbjahr 2016 auf Platz drei der größten Investoren in Deutschland hinter den USA (64 Akquisitionen) und der Schweiz (45 Akquisitionen).

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