Montag, 23. September 2019

Mitfahr-Startup Lyft Ubers größter Gegner trägt Schnurrbart

Markenzeichen: Um die Privatautos seiner Fahrer als Lyft-Fahrzeuge auszuweisen, nutzt das Unternehmen große, wuschig-pinke Schnurrbärte
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Markenzeichen: Um die Privatautos seiner Fahrer als Lyft-Fahrzeuge auszuweisen, nutzt das Unternehmen große, wuschig-pinke Schnurrbärte

Das Wall Street Journal nennt es die "erbittertste Schlacht der Tech-Industrie": Die Fahrdienste Uber und Lyft kämpfen um Kunden, Fahrer und die Vorherrschaft in Amerikas Städten. Lyft, mit Schnurrbart und "fist bump" groß geworden, beklagt schmutzige Tricks des Konkurrenten.

Hamburg - Der neueste Angriff kam per Telefon. Uber-Mitarbeiter, so berichtet CNN Money, sollen seit Oktober 2013 systematisch über 5.500 Fahrten beim Rivalen Lyft gebucht und kurzfristig wieder abgesagt haben. Wenn sie doch führen, wollten sie nur einmal um den Block - und machten dabei Werbung für Uber. Die falschen Fahrgäste beeinträchtigten die Verfügbarkeit von Lyft-Autos und könnten Kunden so dem eigenen Arbeitgeber in die Arme treiben, schreibt die Website. Uber dementierte einen orchestrierten Angriff, wies aber darauf hin, dass das Unternehmen hunderttausende Einzelunternehmer beschäftige.

Es wäre nicht der erste Angriff aus Ubers Reihen: Im Juli hatte das Unternehmen Lyft-Fahrer in New York per SMS darauf aufmerksam gemacht, dass es gesetzlich verboten sei, sowohl für Uber als auch für Lyft zu arbeiten. New Yorks Behörden bestritten dies später. Laut einem Bericht des Wall Street Journal soll Uber zudem eigenen Fahrern 250 Dollar zahlen, wenn sie einen neuen Fahrer für den App-Dienst rekrutieren - für die Konversion eines Lyft-Fahrers schreibe das Unternehmen hingegen 500 Dollar aus. Erfahrene "Mentoren" des Konkurrenten seien sogar 1000 Dollar wert.

Gleicher Zeitpunkt, gleiche Entscheidung

Auf den ersten Blick mag der aggressive Uber-Kurs erstaunen: Der auch in Deutschland tätige Fahrdienst wird nach einer jüngsten Finanzierungsrunde mit 17 Milliarden Dollar bewertet und damit wesentlich größer als der Konkurrent. Lyft hat in der Vergangenheit zwar auch stattliche Summen bei Investoren eingesammelt, ist nach jüngsten Schätzungen allerdings nur 700 Millionen Dollar wert.

Allerdings ähnelt kein anderes Unternehmen Uber strategisch so stark wie Lyft. Erst in der vergangenen Woche haben beide Unternehmen innerhalb weniger Stunden sehr ähnliche Modelle für Fahrgemeinschaften vorgestellt: Wollen Kunden nah beieinander gelegene Ziele erreichen, können sie die entstehenden Kosten teilen. Auch vorher hatten sich die Konkurrenten durch ähnliche strategische Entscheidungen immer weiter angeglichen.

Für die Investorin Lisa Gansky ergibt diese Strategie der gegenseitigen Anpassung durchaus Sinn: Dem Wall Street Journal sagte sie, neue Angebote würden im Fahrdienstmarkt sehr schnell sehr beliebt - wohl auch deshalb hat sich Uber-Chef Travis Kalanick rhetorisch auf den Rivalen eingeschossen. Im März vergangenen Jahres stritt er etwa auf Twitter mit Lyft-CEO John Zimmer, nachdem beide Unternehmen in der selben Woche bekanntgegeben hatten, künftig nicht nur die Passagierfahrten ihrer Taxis, sondern auch die Fahrten zwischen einzelnen Aufträgen zu versichern.

Angefangen hat Uber, 2009 in San Francisco gegründet, als Limousinen-Dienst. Seit 2012 vermittelt das Unternehmen auch nicht-professionelle Fahrer, die sich ein Zubrot verdienen wollen, an seine Kunden.

Lyfts Begrüßung: Faust auf Faust

Lyft existiert seit Juni 2012. Die Gründer John Zimmer und Logan Green hatten fünf Jahre zuvor bereits Zimride aus der Taufe gehoben, einen Dienst, der Mitfahrgelegenheiten für längere Strecken vermittelt. Der neue Uber-Konkurrent versteht sich allerdings weniger als schnöden Fahrdienst, sondern möchte bei seinen Kunden mit einem besonderen Fahrgefühl punkten. "Uber und Sidecar bringen das Gefühl von professionellen Fahrern mit", sagte Zimmer kurz nach dem Start von Lyft im Wirtschaftsblog "Business Insider", "unser Ansatz fühlt sich eher nach Gemeinschaft an."

Kunden sollten das Gefühl haben, bei "Freunden" mitzufahren. Das Unternehmen ermuntert Fahrer und Gefahrene deshalb etwa, sich mit einem "fist bump" zu begrüßen, der klassischen Geste amerikanischer Männerfreundschaften. Schon nach drei Monaten, berichtete Zimmer 2012, hätten sich angeblich viele Freundschaften nach gemeinsamen Lyft-Fahrten entwickelt. Eine Fahrgemeinschaft habe sogar eine Band gegründet.

Zur Wohlfühlatmosphäre sollen auch die pinken Plüschbärte beitragen, die Lyft vorne an den Autos seiner Fahrer befestigt. Bei einem dürfte diese Strategie allerdings nicht aufgehen - das Büro von Uber-Chef Kalanick liegt nur wenige Blocks vom Lyft-Firmensitz in San Francisco entfernt.

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