Dienstag, 2. Juni 2020

Dara Khosrowshahi sucht Ausweg zugleich in möglicher Übernahme Uber-Chef streicht binnen eines Monats ein Viertel der Jobs

"Wir werden jetzt wirklich harte Entscheidungen treffen": Uber-Chef Dara Khosrowshahi
Sajjad HUSSAIN/ AFP
"Wir werden jetzt wirklich harte Entscheidungen treffen": Uber-Chef Dara Khosrowshahi

Der US-Fahrdienstvermittler Uber muss gegen die Corona-Krise noch stärker ansparen als bislang befürchtet. Konzernchef Dara Khosrowshahi kündigte am Montag in einer E-Mail an die Mitarbeiter an, weitere 3000 Mitarbeiter zu entlassen, berichtet das "Wall Street Journal". Vor kaum zwei Wochen hatte das Unternehmen bereits den Abbau von 3700 Jobs angekündigt. Die Aktien von Uber stiegen an der Wall Street zunächst um bis zu 9 Prozent.

Innerhalb eines Monats setzt Uber damit rund ein Viertel seiner Angestellten vor die Tür. Fahrer zählen wohlgemerkt nicht zu den Festangestellten und tauchen in diesen Zahlen nicht auf. Das Unternehmen will die Fixkosten um mehr als 1 Milliarde Dollar senken. Das klassische Fahrgeschäft, das vor dem Ausbruch der Pandemie rund drei Viertel der Einnahmen des Unternehmens einspielte, brach im April um rund 80 Prozent ein.

Uber sehe nach Worten seines Vorstandschefs zwar "Anzeichen einer Erholung", doch fahre das Unternehmen aus einem tiefen Loch heraus und die weitere Entwicklung sei nur schwer abzuschätzen. Uber Eats, der Nahrungsmittellieferant des Unternehmens, war während der Krise ein Lichtblick, sorgte für erhebliche Umsätze, ist trotz starken Wachstums aber noch nicht profitabel.

Uber könne heute nicht annähernd seine Kosten decken, stellt Khosrowshahi in der Mail an die Angestellten klar, die CNBC im Wortlauft veröffentlicht. Dem Sender zufolge rechnet Uber in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht durch den Stellenabbau mit Belastungen von bis 220 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Die Kosten für die Standortschließungen sollen in dem Betrag enthalten sein.

Übernahmegespräche mit Essenslieferanten Grubhub

Parallel lotet der Vorstandschef Expansionsmöglichkeiten aus. Laut "Wall Street Journal" befinde sich Uber in Fusionsgesprächen mit dem Rivalen Grubhub, berichtete die Zeitung bereits am Wochenende unter Berufung auf Insider. Zusammen kämen die beiden auf einen Marktanteil von rund 55 Prozent. Grubhub verlange dem Bericht zufolge für seine Aktionäre bei einer Übernahme im Austausch 2,5 Uber-Titel für eine Grubhub-Aktie. Weder Uber noch Grubhub wollten sich zu dem Bericht äußern.

"Wir werden jetzt wirklich harte Entscheidungen treffen, damit wir so viel Klarheit wie möglich haben, vorankommen und wieder mit Zuversicht aufbauen können", heißt es in der Mail des Vorstandschefs. Im Zuge der Restrukturierung werde Uber seine Investitionen in nicht zum Kerngeschäft zählende Bereiche reduzieren und sich vermutlich auch von einzelnen dieser Bereiche trennen.

Khosrowshahi hatte die Kosten bereits vor dem Ausbruch der Pandemie gesenkt, um das Unternehmen bis zum Jahresende halbwegs in Richtung Rentabilität zu bringen. Kürzlich hatte er dieses Ziel auf das nächste Jahr verschoben.

Ziel der Profitabilität auf 2021 verschoben

Der Fahrdienstvermittler war im ersten Quartal wegen der Pandemie tief in die roten Zahlen gerutscht und hatte seinen Verlust im Jahresvergleich um 190 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar ausgeweitet. Die Erlöse kletterten dank Uber Eats gleichwohl um 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Der Essensbringdienst erfreute sich während des Lockdowns hoher Beliebtheit. Da sich die Pandemie erst zum Quartalsende richtig bemerkbar machte, dürfte Uber im laufenden Vierteljahr aber deutlich größere Belastungen zu verkraften haben.

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