Sonntag, 26. Mai 2019

Implosion der IT-Stars in USA #RIPTwitter? Endspiel für Twitter-Chef Jack Dorsey

Jack Dorsey: Für den Twitter-Chef geht es mit den heutigen Quartalszahlen ums Ganze

6. Teil: Jack Dorseys Endspiel - kann er Umsatz, Gewinn und Nutzerzahlen deutlich steigern?

Vielmehr scheint es, als müsse Jack Dorsey die Trendwende allein meistern - oder Twitter mit seinem Erfinder untergehen. Endzeitstimmung war im Silicon Valley zuletzt häufiger zu vernehmen. Twitters schwärzeste Stunde ist jetzt, titelte etwa das Techportal Mashable vor wenigen Wochen, als durch ein Leak die Demission von gleich vier Spitzenmanagern auf einen Schlag bekannt wurde und sich Dorsey nur noch nachträglich in der Rolle des Moderators wiederfand, der Duchhalteparolen beschwor.

"Dorsey hat keine Kontrolle mehr darüber, was auf der höchsten Ebene seines Unternehmens passiert", watschte Sarah Lacy den bloßgestellten CEO ab. "Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, warum inzwischen überhaupt noch jemand bei Twitter zur Arbeit kommt."

Auch das renommierte Nachrichtenmagazin The New Yorker stimmte Leser in einer jüngst veröffentlichten Berichterstattung auf "Das Ende von Twitter" ein, während sich das Techportal re/code fragte: "Was wäre eigentlich, wenn Twitter stirbt"?

Zuwachs der Erlöse: Quartalszahlen sollen Endzeitstimmung vertreiben

Mit aller Macht wird Dorsey heute bei Bilanzvorlage nach Handelsschluss versuchen, Endzeitfantasien zu vertreiben. Das gewichtigste Argument, dass der 140-Zeichen-Dienst noch in die Waagschale der Wall Street werfen kann, ist sein respektables Umsatzwachstum. Analysten erwarten, dass Twitters Erlöse im Weihnachtsquartal um 48 Prozent auf 710 Millionen Dollar angestiegen sind - keine schlechte Dynamik für einen Totgesagten.

Zum Knackpunkt dürfte indes einmal mehr das kritisch beäugte Nutzerwachstum werden, das mit 320 Millionen Mitgliedern praktisch stagnierte. Muss Dorsey gar einen leichten Rückgang verkünden, dürften die Totenglocken in der Techpresse schnell angestimmt werden - wie der Vergleich zu anderen gescheiterten Social Networks der Güteklasse MySpace.

Dass die Börse in diesen Tagen Null Toleranz für enttäuschte Erwartungen besitzt, bewiesen in den vergangenen Tagen eine Reihe anderer abgestürzter Highflyer. Auch der Elektroautobauer Tesla, lange Zeit ein Liebling der Wall Street, ist in eine Verkaufslawine geraten. Zumindest mit diesen Problemen ist Twitter also nicht allein.

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