Zweiter Fusionsversuch Tui will weltgrößter Tourismuskonzern werden

Es ist der zweite Anlauf, doch diesmal stehen die Chancen besser. Tui will seine Tochter Tui Travel komplett übernehmen. Es entstünde der weltgrößte Tourismuskonzern mit Börsennotierung in London.
Fusionspläne: Übernähme Tui seine Veranstaltungstochter Tui Travel komplett, entstünde ein Konzern mit 74.000 Mitarbeitern und rund 17 Milliarden Euro Jahresumsatz

Fusionspläne: Übernähme Tui seine Veranstaltungstochter Tui Travel komplett, entstünde ein Konzern mit 74.000 Mitarbeitern und rund 17 Milliarden Euro Jahresumsatz

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Anderthalb Jahre nach dem letzten Versuch wagt der Reisekonzern Tui einen neuen Anlauf zur Übernahme der britischen Tochter Tui Travel. Entstehen soll durch den Milliardendeal das größte Tourismusunternehmen der Welt.

Gelenkt werden soll der Koloss mit Zehntausenden Mitarbeitern aus Hannover, doch die Börsennotierung wandert nach London. Unter Dach und Fach ist der Deal noch nicht - die Aktionäre müssen noch zustimmen. "Es ist der Beginn einer Reise für uns", sagte Tui-Travel-Chef Peter Long.

Die milliardenschwere Übernahme solle ausschließlich über die Ausgabe von Aktien der Tui AG an die heutigen Minderheitsaktionäre der Tui Travel erfolgen, ohne Zahlung einer zusätzlichen Prämie, erklärte Tui. Tui Travel war vor Bekanntgabe der Pläne an der Börse rund 5,4 Milliarden Euro wert - die Konzernmutter Tui AG 3,25 Milliarden Euro.

"Die Aktionäre, die Kunden und die rund 74.000 Mitarbeiter in 130 Ländern profitieren von dem geplanten Zusammenschluss", warb Tui-Chef Fritz Joussen und zusammen mit Long für das Vorhaben. Gemeisam kommen die beiden Konzerne im Pauschalreisegeschäft auf einen Umsatz von 16,7 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (Ebitda) von 880 Millionen Euro.

Doppelspitze bis 2016 geplant, dann soll Tui-Chef übernehmen

Joussen, der seit Februar 2013 an der Tui-Spitze steht, soll den Konzern nach der Verschmelzung und einer Übergangszeit wieder alleine führen. Peter Long wird den Plänen zufolge zunächst gleichberechtigter Vorstandschef der Tui AG. Im Februar 2016 soll er in den Aufsichtsrat wechseln und dort wenig später den Posten des jetzigen Tui-Aufsichtsratschefs Klaus Mangold übernehmen. Dessen Amtszeit laufe noch im gleichen Monat aus, sagte ein Konzernsprecher.

Die Aufsichtsgremien der beiden Firmen unterstützen den Plan, und auch Alexej Mordashov, der gut ein Viertel der Tui-Aktien hält, signalisierte Zustimmung. Als nächster Schritt soll nun bis Herbst den Aktionären der Tui AG der Zusammenschluss formal vorgeschlagen werden. Tui-Travel-Eigner sollen für jede ihrer Aktien 0,399 neue Tui-AG-Papiere erhalten.

Anleger feierten das Vorhaben: Die Tui-Aktien gewannen am Freitag im Nebenwerteindex MDax bis Handelsschluss 5,5 Prozent auf 12,60 Euro, die Anteilsscheine von Tui Travel gingen in London mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 405 Pence aus dem Handel.

Footsie statt MDax, 45 Millionen Kostenersparnis pro Jahr geplant

Mit der Fusion will das Vorstandsduo eine teure Doppelstruktur auflösen. Das eigentliche Reise-Kerngeschäft mit mehr als 95 Prozent des Umsatzes wird nicht von Tui gelenkt, sondern ist seit 2007 bei der Tochter Tui Travel in Großbritannien angesiedelt. Die Hannoveraner halten noch 54 Prozent an Tui Travel.

Anfang 2013 war der letzte Anlauf für ein Zusammengehen gefloppt, da das geplante Aktientauschverhältnis für die Tui-Eigner nicht ausreichend war. Dieses Mal seien die Chancen aber ungleich größer, sagte Tui-Travel-Boss Long. Im Vergleich zum damaligen Versuch hätten nun nämlich die Aufsichtsgremien beider Firmen der Transaktion samt Bedingungen zugestimmt.

Der 51-jährige Joussen trimmt Tui derzeit auf mehr Gewinn und strafft das unübersichtliche Markenportfolio des Konzerns. Durch die Zusammenlegung der beiden Konzerne sollen im Jahr 45 Millionen Euro gespart werden. Drei Viertel der Aktionäre sowohl von Tui als auch von Tui Travel müssten aber nun noch ihr Okay geben. Die Fusion selbst solle dann im Frühjahr 2015 über die Bühne gehen.

Mit der Fusion soll die teure Doppelstruktur fallen

Nach der Verschmelzung soll die Aktie der Tui AG hauptsächlich in London gehandelt werden, Joussen peilt die Aufnahme in den dortigen Leitindex FTSE 100 an. "Wir werden aus dem MDax rausgehen, aber die Aktie wird in Deutschland handelbar sein." Den Konzernsitz Hannover will die Tui beibehalten, ebenso die deutsche Rechtsform mit getrenntem Vorstand und Aufsichtsrat.

Zu möglichen Stellenstreichungen im Zuge der Fusion wollte sich Joussen mit Blick auf das britische Übernahmerecht nicht äußern. Nach den 2013 verhängten Kürzungen in der Konzernzentrale seien die Hausaufgaben dort allerdings gemacht, ließ er durchblicken. Er würde sich um den Standort Hannover "nicht so viele Sorgen machen", betonte er.

Die komplizierte Konzernstruktur mit Tui Travel war 2007 aus dem Zusammenschluss des damaligen Tui-Veranstaltergeschäfts mit dem britischen Veranstalter First Choice entstanden. Seitdem hatte es immer wieder Spekulationen über eine Verschmelzung von Tui und Tui Travel gegeben. Ein offizieller Anlauf war noch unter dem damaligen Tui-Chef Michael Frenzel im Januar 2013 gescheitert.

rei/rtr/dpa