Montag, 25. Mai 2020

Nach Thomas-Cook-Pleite Tui lehnt strengere Haftung für Pauschalreisen ab

Ab in die Sonne: Strengere Haftungsregeln würden Pauschalreisen verteuern, warnt Tui. Dabei dürfte die Pauschalreise in der Gunst der Deutschen sogar weiter steigen, sagen Experten voraus.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat sich gegen strengere Haftungsregeln für Pauschalreisen ausgesprochen. Müssten sich die Reiseveranstalter besser gegen Insolvenzen absichern als bisher, würden die Preise für Pauschalreisen gegenüber individuell gebuchten Reisen ohne jegliche Absicherung steigen, sagte Tui-Deutschlandchef Marek Andryszak den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Kunden würden die höheren Preise dann wohl nicht mehr bezahlen wollen.

Nach der Insolvenz des Branchenriesen Thomas Cook wird über eine höhere Haftungsgrenze diskutiert. Die bisherige gesetzliche Sicherung für Pauschalurlaube ist in Deutschland auf 110 Millionen Euro pro Versicherer gedeckelt. Die Schadenssumme allein für deutsche Kunden liegt bei 287 Millionen Euro. Die Bundesregierung greift betroffenen Pauschalurlaubern nun mit Steuergeld finanziell unter die Arme.

Tui-Manager Andryszak sagte, wenn er sich die Struktur des verbleibenden Reisemarktes ohne Thomas Cook anschaue, erwarte er in den nächsten Jahren keinen weiteren Zwischenfall in dieser Größenordnung: "Die Tui ist ein kerngesundes Unternehmen und die bestehende Versicherung aus unserer Sicht ausreichend." Die Pleite des Wettbewerbers Thomas Cook sei ein "Spezialfall" und es gebe "wirklich kaum einen Kauf, der so gut abgesichert ist wie die Pauschalreise."

Prognose: Umsatz mit Pauschalreisen wird steigen

Nach einer Erhebung des Datenlieferanten und Statistikspezialisten "Statista" steigt der Umsatz mit Pauschalreisen in Deutschland kontinuierlich und dürfte auch im Jahr 2020 um etwa 2,4 Prozent auf rund 7,123 Milliarden Euro klettern.

Für 2023 sagen die Experten einen Anstieg auf mehr als 7,5 Milliarden Euro Umsatz voraus, das wären rund eine Milliarde Euro mehr als noch 2017. Zugleich dürfte sich die Zahl der Pauschalreisenden in Deutschland bis 2023 auf 11,1 Millionen und damit um rund 700.000 gegenüber 2017 erhöhen.

Tui selbst glaubt von der Pleite des Wettbewerbers, der Klarheit beim Thema Brexit und der konstant hohen Nachfrage nach Pauschalreisen profitieren zu können. Die Buchungen der Engländer hätten zugenommen und die Aufwertung des britischen Pfunds habe Tui "neues Geschäft in unserem wichtigsten Markt" erbracht, wie Konzernchef Fritz Joussen erst vor wenigen Tagen erklärte. Auch konzernweit lägen die Buchungen für das neue Jahr 2020 deutlich im Plus.

rei mit dpa

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