Sonntag, 21. April 2019

Reisekonzern Tui sieht verschärften Preiskampf "Die Kunden akzeptieren keine Preiserhöhungen"

Tui-Chef Fritz Joussen
picture alliance / Daniel Bockwoldt
Tui-Chef Fritz Joussen

Tui spürt offenbar zunehmend Preisdruck am Reisemarkt. Die Jahresprognose hat der Konzern bereits gesenkt. Im ersten Quartal hat sich der operative Verlust verdoppelt.

Ein harter Preiskampf bei Pauschalreisen bremst den Marktführer Tui in diesem Jahr aus. "Plötzlich haben wir mehr Angebot als Nachfrage", erklärte Tui-Chef Fritz Joussen am Dienstag kurz vor Beginn der Hauptversammlung in Hannover. Tourismus bleibe zwar ein Wachstumsmarkt. "Die Kunden reisen, aber sie akzeptieren keine Preiserhöhungen."

Tui hat deshalb bereits vergangene Woche seine Jahresprognose von mehr als zehn Prozent Gewinnwachstum gekippt. Für das Geschäftsjahr 2018/19 rechnet Joussen mit einem Betriebsergebnis (Ebita) auf dem Vorjahresniveau von 1,18 Milliarden Euro.

Der Marktführer begründete das mit der Nachwirkung des heißen Sommers 2018, in dem Urlauber zu Hause blieben oder sehr kurzfristig buchten. Die Kunden sind laut Joussen noch immer zögerlich. In Spanien herrsche unerwartet hoher Preisdruck durch Überkapazitäten, nachdem Anschläge und politische Unruhe in der Türkei in den vorangegangenen Jahren noch einen Ansturm der Touristen auf das westliche Mittelmeer verursacht hatten. Jetzt liegen die günstigeren Urlaubsziele in der Türkei und in Nordafrika wieder im Trend, die aber weniger Gewinn abwerfen.

Umsatz gestiegen, Verlust hat sich verdoppelt

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember konnte Tui den Umsatz zwar um gut vier Prozent auf 3,7 Milliarden Euro steigern. Der saisontypische Quartalsverlust bei Tui mit 139 Millionen Euro fast 28 Prozent höher aus als ein Jahr zuvor. Der operative Verlust (bereinigtes Ebita) fiel mit 84 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie ein Jahr zuvor.

Der Druck zu einer Marktbereinigung in der Luftfahrt bleibe enorm hoch. Das wolle Tui mit seinem Airline-Geschäft Tui fly für sich nutzen. Der Konzern müsse aber nicht handeln, sondern wolle "aktiver Beobachter" sein.

Joussen: Sprechen nicht mit Thomas Cook wegen Condor

Vergangene Woche hatte der Tui-Rivale Thomas Cook angekündigt, sich von seiner Flugzeugflotte voraussichtlich trennen zu wollen. Tui ist laut Joussen nicht im Gespräch mit Thomas Cook.

Den Gewinnschwund will Tui mit der Digitalisierung seiner Buchungsplattformen für Reisen und Ausflüge sowie einer strafferen Struktur bei Tui fly kontern. Die starken Preisschwankungen unterliegenden Pauschalreisen und Flüge machen nur noch 30 Prozent des Betriebsergebnisses aus, 70 Prozent verdient tui mit den eigenen Hotels, Kreuzfahrtschiffen und Angeboten am Reiseort wie Ausflügen. Allein in diesem Jahr will der Konzern 28 neue Hotels eröffnen und drei weitere Schiffe vom Stapel laufen lassen.

Rei/Reuters

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