Sonntag, 16. Juni 2019

Trump versus China Gibt es bald keine iPhones und Nike-Schuhe mehr?

Trump will US-Firmen zwingen, in ihrem Heimatland zu produzieren. Für Apple, Nike und Co heißt es: Anschnallen.

Wolfgang Hirn

Donald Trump meint es offenbar ernst mit seiner patriotischen Industriepolitik. Er will, dass amerikanische Firmen in den USA produzieren, und dass die US-Firmen, die jenseits der Grenzen fertigen, dies künftig wieder im Heimatland tun. Welch weltfremde Sicht der Dinge! Sie ist gegen jede ökonomische Vernunft. Man muss gar nicht erst die Theorie der komparativen Kosten von David Ricardo bemühen und verstehen, dass diese Politik die wirtschaftlichen Realitäten negiert. Es gibt nun mal auf dieser Welt Länder, die gewisse Produkte günstiger produzieren können, weil dort das Lohnniveau niedriger ist.

Deshalb gibt es seit dem Beginn der Industrialisierung Wanderungsbewegungen von ganzen Branchen. Auch Deutschland verlor in den vergangenen Jahrzehnten viele Industrien: Textil, Bekleidung, Schuhe, Möbel, Unterhaltungselektronik. Ein ähnlicher Exodus erfolgte in den USA. Er war dort sogar viel radikaler.

Marketing statt Produktion: Nike hat noch nie in den USA gefertigt

Nike Börsen-Chart zeigen hat seine Sportklamotten und -schuhe nie in den USA gefertigt. Nur deshalb konnte Nike so groß und erfolgreich werden und Adidas Börsen-Chart zeigen überrunden. Während nämlich in den späten 80er und frühen 90er Jahren Adidas noch teuer rund um Herzogenaurach produzierte, ließ Nike seine Sportschuhe von Anfang an kostengünstig in Fernost herstellen. Die gleiche Outsourcing-Strategie verfolgte Apple Börsen-Chart zeigen .

In den Headquarters von Apple im kalifornischen Cupertino und Nike in Beaverton vor den Toren Portlands wird nichts produziert. Dort werden die Produkte und Marketingstrategien entwickelt.

Die Hardware mit dem Apple- und Swoosh-Symbol kommt aus Asien und dort insbesondere aus China. In der Volksrepublik werden in den gigantischen Fabriken von Yue Yuen und Foxconn, wo oft zehntausende Chinesen beschäftigt sind, Nike-Schuhe und iPhones gefertigt.

Yue Yuen und Foxconn - wie werden diese Werkbänke in die USA versetzt?

Sollen diese Fabriken bald in Oregon oder Ohio stehen? Woher sollen die Arbeiter kommen? Und welche Löhne sollen sie erhalten? Sicher nicht chinesische. Also würden Produkte made in USA viel teurer werden. Der Preisanstieg vieler Produkte würde dann gerade diese Leute treffen, die Trump gewählt haben.

Und außerdem: China hat ja mehr als nur günstige Arbeitskräfte zu bieten. In den Branchen, in denen Nike und Apple agieren, hat das Land eine sehr gut funktionierende logistische Infrastruktur mit einem nahezu lückenlosen Zuliefernetz aufgebaut. Wollten die USA etwas Ähnliches aufbauen, würde das Jahre dauern.

Trumps Petitum nach einer Rückkehr abgewanderter Industrien ist also unrealistisch. Er könnte aber - wie er bereits angekündigt hat - Zölle auf Produkte Made in China erheben. Aber dann müsste er diese auch auf Nike-Schuhe und iPhones anwenden. In dem Falle würde er sich mit den mächtigen CEOs vieler US-Konzerne, die in China produzieren lassen, anlegen.

Trumps nationalistische Industriepolitik ist ein Irrweg. Auf ihm werden keine ausgewanderten Branchen zurückkehren.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung