Samstag, 18. Januar 2020

Tom-Tailor-Aktionäre kritisieren Management "Bonita ist ein Desaster"

Tom-Tailor-Räumlichkeiten in Hamburg: Das Unternehmen hat sich beim Kauf der Damenmodefirma Bonita offenbar vergriffen.

Der Hamburger Modekonzern Tom Tailor Börsen-Chart zeigen will seine Problemtochter Bonita rechtlich und wirtschaftlich verselbstständigen und damit die Bürde leichter machen. Ein Gewinnabführungsvertrag, der Tom Tailor auch zur Übernahmen von Bonita-Verlusten verpflichtet, wurde deshalb gekündigt, teilte der Vorstand bei der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2018 am Mittwoch in Hamburg mit.

Tom Tailor hatte Bonita eigentlich im März bereits an den niederländischen Konzern Victory & Dreams verkauft. Doch die beteiligten Banken hatten Zweifel an dem Businessplan des Käufers und stimmten deshalb dem Verkauf nicht zu.

Gleichwohl sei das Management für die Zukunft von Bonita wieder zuversichtlicher als noch vor einem Jahr. Er könne keine Garantie für eine Trendwende geben, aber erste Zahlen zeigten, dass Bonita auf einen gutem Weg sei, sagte Bonita-Chef Karsten Oberheide. "2018 war ein schlechtes Jahr", sagte er. Während der Textilhandel in Deutschland insgesamt rund 2 Prozent Umsatz verloren habe, waren es bei Bonita 15,7 Prozent. "Wir haben unsere angestammten, loyalen Kundinnen vernachlässigt und die angestrebte jüngere Zielgruppe nicht erreicht."

In der Folge sammelten sich enorme Mengen unverkaufter Kleidung, die mit hohen Nachlässen in Sondergeschäften abverkauft werden musste. "Das Problem ist gelöst, wir haben eine bessere Startsituation für 2020." Bonita bietet Damenmode für eine ältere Zielgruppe ab 50 Jahren an.

Willkommene Hilfe aus China

Weil die Hauptmarke Tom Tailor halbwegs in der Spur läuft, konzentrierte sich auch die Kritik der Aktionäre auf die Tochtergesellschaft. "Bonita hat den gesamten Konzern über die Jahre belastet", sagte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Tom Tailor hatte Bonita 2012 für einen Kaufpreis von 240 Millionen Euro übernommen und sich Einspareffekte erwartet, die jedoch nach Eingeständnis der Vorstandes nie eintraten. "Bonita ist ein Desaster", sagte Neumann. Ohne die Hilfe des Großaktionärs Fosun und der Banken hätte Bonita den gesamten Konzern in den Abgrund reißen können.

Der chinesische Konzern Fosun hatte im Zuge einer Kapitalerhöhung im Laufe dieses Jahres seine Beteiligung an Tom Tailor auf mehr als 30 Prozent ausgebaut und musste daher allen Aktionären ein Übernahme-Angebot unterbreiten. Trotz unattraktiver Konditionen machten viele der freien Aktionäre davon Gebrauch, so dass Fosun eher unfreiwillig mit knapp 77 Prozent Mehrheitsaktionär von Tom Tailor wurde.

Das Jahr war überaus turbulent, die Vorlage der Jahresbilanz musste mehrfach verschoben werden, auch der Vorstandsvorsitzende und der Finanzchef mussten gehen. Im Gegensatz zu etlichen anderen Modeketten - Finanzchef Christian Werner sprach von 18 Insolvenzen in der Branche - konnte Tom Tailor dank der Rückendeckung von Großaktionär und Banken jedoch den Weg zum Insolvenzgericht vermeiden.

Für das laufende Jahr erwartet Tom Tailor nunmehr einen Umsatz von 800 bis 820 Millionen Euro, ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr. Die operative Marge soll auf dem Niveau des Vorjahres bleiben, doch seien hohe Einmalaufwendungen von 15 bis 20 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Umstellungen bei den Finanzierungen zu erwarten. Das Unternehmen mit rund 1200 Filialen im In- und Ausland beschäftigt ungefähr 6100 Mitarbeiter.

cr/dpa-afx

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