Robert Tönnies: "Ich bedauere das außerordentlich" Corona-Ausbruch in Tönnies-Fabrik zwingt 7000 Menschen in Quarantäne

Fleischfabrik des Branchen-Riesen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Fleischfabrik des Branchen-Riesen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Foto: David Inderlied/dpa

Erneut gibt es einen folgenreichen Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik. Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Mitarbeiter der Schlachterei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück steigt immer weiter und liegt inzwischen bei 657. Insgesamt lagen am Mittwochabend 983 Testergebnisse vor, davon 326 negativ, wie ein Sprecher des Kreises Gütersloh mitteilte. Dies sei nur ein Zwischenstand. Nach Angaben des Landrats Sven-Georg Adenauer (CDU) hatte der Kreis insgesamt 1050 Coronavirus-Tests für Beschäftigte der Firma Tönnies veranlasst.

Die Produktion in dem Hauptproduktionsbetrieb von Deutschlands Marktführer bei der Schweineschlachtung in Westfalen wurde vorübergehend eingestellt, der Kreis Gütersloh schließt bis zu den Sommerferien Schulen und Kindertagesstätten. Durch die Schließung der Schlachterei fehlen nach Angaben des Gütersloher Landrats 20 Prozent der Fleischprodukte auf dem deutschen Markt. Die Tönnies-Gruppe bemüht sich nach eigenen Angaben, an anderen Standorten die Produktion zu steigern, um die Ausfälle zu kompensieren.

7000 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. Betroffen seien alle Personen, die auf dem Werksgelände gearbeitet hätten, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) am Mittwoch. Sie würden nun nach und nach auf das Coronavirus getestet. Einen allgemeinen Lockdown für den Kreis gebe es nicht, obwohl die wichtige Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen deutlich überschritten sei.

Als mutmaßliche Gründe für die zahlreichen Infektionen nannte das Unternehmen die Rückkehr von Arbeitern nach Heimaturlauben. Viele der häufig aus Rumänien und Bulgarien stammenden Beschäftigten hätten die langen Wochenenden für eine Reise genutzt. Außerdem beförderten offenbar gekühlte Räume das Übertragen des Virus auf viele Personen, so Tönnies-Vertreter Gereon Schulze Althoff. "Wir können uns nur entschuldigen", sagte Tönnies-Sprecher Andre Vielstädte. Man habe "intensiv" daran gearbeitet, das Virus "aus dem Betrieb zu halten".

Mitgesellschafter Robert Tönnies sieht eine Mitschuld für die überdurchschnittlich hohen Infektionszahlen in Schlachtbetrieben auch in den Werkverträgen. "Das System zwingt viele Arbeiterinnen und Arbeiter in unzumutbare Wohnverhältnisse, die mit einem hohen Ansteckungsrisiko verbunden sind und nur wenig Schutzmöglichkeiten bieten, wenn einmal eine Infektion auftritt", erklärte Tönnies. Die Abschaffung der Werkverträge sei fester Bestandteil der 2017 verabschiedeten neuen Unternehmensleitlinien der Tönnies-Gruppe - sie sei bisher nur leider noch nicht umgesetzt worden. "Ich bedaure das außerordentlich."


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Nach einem Ausbruch im Mai in einer Fleischfabrik im Kreis Coesfeld in NRW waren bei einem großangelegten Corona-Reihentest durch die Gesundheitsbehörden bei Tönnies zunächst nur wenige Fälle festgestellt worden. Nach Unternehmensangaben war allerdings bei späteren Tests ein Infektionsherd festgestellt worden.

rei, mg/dpa/afp