Sonntag, 31. Mai 2020

Neuer Wettbewerb für chinesische Erfolgs-App YouTube bastelt offenbar einen TikTok-Konkurrenten

Typisches TikTok-Klientel: Posierende Teenager
imago images/Westend61
Typisches TikTok-Klientel: Posierende Teenager

Die Google-Tochter YouTube arbeitet offenbar an einem eigenen Kurzvideo-Angebot, das Nutzer vom Konkurrenten TikTok zurückholen soll. Wie das Investigativportal "The Information" berichtet, sollen Nutzer bei dem Projekt mit dem Arbeitstitel "Short" wie beim populären Wettbewerber TikTok in einer App kurze Videos hochladen können, die sich mit Musik untermalen lassen. Dem Bericht zufolge sollen sie dabei auf den umfangreichen Katalog von YouTube Music zurückgreifen können.

TikTok ist eine App des chinesischen Technologiekonzerns Bytedance, die in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Siegeszug in der ganzen Welt hingelegt hat. In der vor allem von jungen Leuten genutzten App können diese 15-Sekunden-Videos hochladen, auf denen sie zur Musik die Lippen bewegen, tanzen oder posieren. Angesichts einer von TikTok angestrebten steigenden Zahl älterer Nutzer, hatte sich das Portfolio der App, die in China mittlerweile auch als E-Commerce-Verkaufskanal fungiert - zuletzt auch auf Comedy oder Kurz-Tutorials und Kochrezepte erweitert.

TikTok-Logo
Getty Images
TikTok-Logo

Laut Zahlen des Analysehauses App Annie ist TikTok, in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 125 Prozent gewachsen. Nahezu zwei Milliarden Mal wurde die App seit dem Start vor rund drei Jahren heruntergeladen; allein 300 Millionen neue Downloads entfallen dabei auf die Monate Dezember 2019 bis Februar 2020.

Dass soziale Netzwerke und Videoplattformen wie Facebook oder Google-Tochter Youtube das Angebot von TikTok kopieren wollen, ist daher wenig überraschend - und in der Branche auch gängige Praxis. So hat beispielsweise Facebook bereits einen TikTok-Klon auf den Markt gebracht, der bislang jedoch offenbar nur in den USA und Lateinamerika erhältlich ist. Und auch die Facebook-Tochter Instagram tummelt sich mit "Reels" in ähnlichen Gefilden.

Allerdings dürfte es selbst für Youtube nicht einfach werden, mit TikTok zu konkurrieren. Zwar geriet TikTok wegen Datenschutzbedenken und im Zuge der Spannungen zwischen den USA und China wiederholt unter Beschuss.

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Doch die App hat gleich mehrere Eigenschaften, die ihre große Beliebtheit erklären. Zum einen macht sie den Nutzern das Erstellen der kurzen Musikvideos und den Gebrauch von verschiedenen Filtern technisch denkbar leicht. Zum anderen kann sie vom Netzwerk-Effekt profitieren, der für die Nutzer der App von großer Bedeutung ist: Sie können Videos anderer als Inspirations- und Remix-Basis für ihre eigenen Videos verwenden - und Elemente daraus zum Teil einfach per Bildschirmberührung kopieren.

Mit seiner Musikbibliothek verfügt YouTube allerdings auch über ein attraktives Asset, das für die Nutzer interessant sein könnte.

Vor einigen Monaten hatte es noch Gerüchte gegeben, dass Bytedance angesichts des zunehmenden Drucks aus den USA zumindest Teile von TikTok verkaufen könnte. Bei Bytedance, das nach einer Finanzierungsrunde der japanischen Softbank 2018 mit 75 Milliarden Dollar bewertet worden und damit hinter Alibabas Ant das weltweit zweitwertvollste Start-up war, war zuletzt neben Investoren wie Softbank, KKR, General Atlantic und Sequoia auch Tiger Global eingestiegen.

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