Dienstag, 23. Juli 2019

Konzernspaltung und Stahlfusion abgesagt, Aktie gewinnt fast 20 Prozent Thyssenkrupp will 6000 Stellen streichen

Ruhrkonzern in Not: Die wichtigsten Akteure von Thyssenkrupp
Wolfgang Rattay/REUTERS

Thyssenkrupp gibt die Pläne für ein Stahl-Joint-Venture und für eine Konzernaufspaltung auf und will stattdessen die lukrative Aufzugssparte an die Börse bringen - aber im Zuge des nun anstehenden Umbaus auch 6000 Stellen streichen. Die Aktie gewinnt in der Spitze fast 20 Prozent.

Der Industriekonzern Thyssenkrupp steht vor einem neuen Restrukturierungsprogramm. So sollen 6000 Stellen in den nächsten drei Jahren gestrichen werden, sagte Vorstandsvorsitzender Guido Kerkhoff am Freitag in einer Telefonkonferenz. Zwei Drittel des Abbaus sollen dabei auf Deutschland entfallen.

Die Holding soll schlanker aufgestellt und die Verwaltungskosten deutlich gesenkt werden. Da es sich um "tiefgreifende Einschnitte" handele, könnten betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Auch die Stahlsparte steht vor einer Umstrukturierung. Die Lage der Branche sei aktuell schlecht, sagte Kerkhoff. Im Zuge des geplanten Zusammenschlusses mit dem europäischen Stahlgeschäft von Tata Steel hatte der Konzern bereits den Abbau von 2000 Stellen angekündigt, die in dem neuen Restrukturierungsplan enthalten seien, so Kerkhoff.

Thyssenkrupp hatte zuvor erklärt, dass die Fusion wegen Bedenken der EU-Kommission voraussichtlich nicht zustande kommen werde, und die geplante Aufspaltung des Unternehmens abgesagt. Kerkhoff zeigte sich enttäuscht und sprach von einem Rückschlag. Die Branche brauche eine Konsolidierung. So leide die Stahlindustrie unter erheblichen Überkapazitäten.

Dennoch will sich das Management weiter nach Konsolidierungsmöglichkeiten in den Materialgeschäften umsehen. Man werde aber im Stahl sowie im Handel die Mehrheit behalten. Ebenso will der Konzern die Mehrheit an der Aufzugsparte behalten, die an die Börse gebracht werden soll. Für andere Bereiche des Konzerns, zu dem auch Komponenten für die Automobilindustrie oder Anlagenbau gehören, kann sich Kerkhoff auch Partner vorstellen - auch in Teilbereichen.

Zuvor hatte der Konzern mitgeteilt: "Nach einem heutigen Gespräch mit der Wettbewerbskommission gehen Thyssenkrupp und Tata Steel davon aus, dass das geplante Joint Venture ihrer europäischen Stahlaktivitäten aufgrund der weiter fortbestehenden Bedenken der Kommission nicht zustande kommen wird."

Die Konzernaufspaltung sei wegen der Konjunkturabkühlung und der Geschäftsentwicklung nicht möglich. Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat einen Börsengang der Aufzugssparte vorschlagen. Die Aufzugssparte mit weltweit rund 50.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro gehört zu den wichtigsten und profitabelsten Geschäftsfeldern des Konzerns. Thyssenkrupp bestätigte damit Meldungen von Reuters und Bloomberg, die zuerst darüber berichtet hatten.

Weiteren Angaben zufolge erwarte Thyssenkrupp nun inklusive des Stahlbereichs im Geschäftsjahr 2018/19 ein bereinigtes Vorsteuerergebnis (Ebit) von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich werde Thyssenkrupp im laufenden Jahr wohl Verluste machen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung