Sonntag, 26. Januar 2020

Thomas Cook sagt alle Reisen für 2020 ab - Zurich errechnet Schadenquote "Hunderttausende werden auf hohen Kosten sitzenbleiben"

Thomas Cook Zentrale in Oberusel: Auch der deutschen Tochter droht das Aus - der Reiseanbieter hat bereits alle Reisen ab 2020 abgesagt
Frank Rumpenhorst / DPA
Thomas Cook Zentrale in Oberusel: Auch der deutschen Tochter droht das Aus - der Reiseanbieter hat bereits alle Reisen ab 2020 abgesagt

Bittere Nachricht für die verbliebenen Kunden von Thomas Cook in Deutschland: Der insolvente Veranstalter sagte alle Reisen ab Januar 2020 ab. Wer die Reise schon teilweise oder ganz bezahlt hat, muss sich an den Versicherer von Thomas Cook wenden. Die Zurich Gruppe Deutschland muss aber nur für 110 Millionen Euro haften - diese Summe ist schon um Längen überschritten. Eine genaue Aufstellung will Zurich Anfang Dezember veröffentlichen.

Die Thomas Cook GmbH mit Marken wie Neckermann, Öger, Bucher und Air Marin war in den Strudel der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten und hatte am 25. September Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen musste die Rückflüge und teils auch Hotelkosten bezahlen, um die Kunden nach Hause zu holen.

Im Tourismusausschuss des Bundestages war Ende Oktober bekannt geworden, dass allein die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Ausland 80 Millionen Euro kostete. Diese Summe konnte der Versicherer Zurich am Dienstag nicht bestätigen - "wir haben eine ungefähre Idee, aber es wäre zu früh, darüber zu sprechen", sagte ein Unternehmenssprecher AFP.

Ansprüche schon über 250 Millionen Euro - nur 110 Millionen versichert

Zu den Rückführungskosten kommen die Ansprüche der Urlauber, die eine Reise bei Thomas Cook bis Ende des Jahres gebucht hatten, aber nicht antreten konnten. Diese Ansprüche summierten sich laut Zurich bis 1. November auf über 250 Millionen Euro; rund 150.000 Kunden meldeten demnach bisher Ansprüche an. Dazu kommen nun die Ansprüche derer, die 2020 eine Reise bei Thomas Cook gebucht und dafür auch schon eine Anzahlung gemacht haben.

Die Summe, für die Zurich haftet, ist auf 110 Millionen Euro begrenzt. Anfang Dezember, "wenn wir die Schadensumme absehen können", werde der Versicherer eine Schadenquote bekanntgeben - also welchen Anteil seines Geldes jeder Kunde zurückbekommen dürfte.

Noch kein belastbares Angebot für einen Kauf von Thomas Cook

Die von der Absage der Reisen ab 2020 betroffenen Kunden würden "so schnell wie möglich proaktiv von den Veranstaltern informiert", erklärte Thomas Cook am Dienstag. Sie können ihre Ansprüche beim von Zurich beauftragten Dienstleister Kaera unter www.kaera-ag.de anmelden.

"Es tut uns unendlich leid, dass wir nun auch unseren Kunden mit Abreise im neuen Jahr endgültig diese Nachricht überbringen müssen", erklärte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH. "Wir hoffen aber, unseren Kunden und Vertriebspartnern damit die notwendige Planungssicherheit geben zu können."

Seit der Insolvenz versucht der vorläufige Insolvenzverwalter, Thomas Cook oder Teile der Gruppe zu verkaufen. Bislang gibt es aber kein "belastbares Angebot", erklärte das Unternehmen. "In Folge dessen muss nun aus rechtlichen Gründen die Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs zum 1. Dezember 2019 vorbereitet werden."

"Hunderttausende werden wohl auf hohen Kosten sitzenbleiben"

Losgelöst von den Vorbereitungen für die Betriebsstilllegung versuchten Geschäftsleitung und die vorläufigen Verwalter "unter Hochdruck noch bis zum Monatsende jede sich bietende Chance für den Erhalt des Traditionsunternehmens zu nutzen", hieß es.

Für Bucher Reisen und Öger Tours lägen zwar "konkrete Angebote" vor. Trotzdem könne "die Durchführung der gebuchten Reisen nicht gewährleistet werden".

"Jetzt wird das ganze Ausmaß der Thomas Cook-Pleite sichtbar", erklärte der tourismuspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Markus Tressel. "Hunderttausende Menschen werden mutmaßlich auf hohen Kosten sitzenbleiben."


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Die Bundesregierung müsse jetzt schnell eine Lösung für eine zukunftsfähige Kundengeldabsicherung vorlegen, forderte Tressel. Nur so könne das Vertrauen der Verbraucher in die Pauschalreise wieder hergestellt werden. "Leider kommt das alles für die Thomas Cook-Kunden zu spät, obwohl schon 2017 Verbraucherschützer, Reiserechtsexperten und der Bundesrat warnten, dass die Haftungssumme von 110 Millionen nicht ausreichen würde."

la/afp

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