Montag, 25. Mai 2020

Nach Thomas-Cook-Pleite Finanzaufsicht nimmt Kundengeld-Absicherer von Tui unter die Lupe

Tui: Bafin durchleuchtet Absicherung der Kundengelder

Nach der Insolvenz der deutschen Thomas Cook nimmt die Finanzaufsicht Bafin die Absicherung von Kundengeldern bei anderen Reisekonzernen genauer unter die Lupe. Die Bafin stehe aktuell in engem Kontakt mit Versicherungsunternehmen, erklärte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage. Dazu zähle auch der Deutsche Reisepreis-Sicherungsverein VVaG (DRS). Dieser sichert die Kundengelder von Branchenprimus Tui Börsen-Chart zeigen sowie des Wettbewerbers DER Touristik ab. Zu Details wollte sich die Bafin nicht äußern.

Nach Informationen des Reise-Fachmagazins "fvw" sowie des "Handelsblatts" fordert die Aufsicht eine Nachbesserung des DRS-Versicherungsmodells. Ein Tui-Sprecher bestätigte die Gespräche mit der Bafin: "Gemeinsam mit dem DRS schauen wir uns die Anforderungen der Bafin an - und was zu tun ist, um diese zu erfüllen. Es ist aber sicher, dass wir eine tragfähige Lösung finden werden." Details seien Gegenstand der laufenden Beratungen.

DER Touristik erklärte: "Sollte der Gesetzgeber eine andere Form der Insolvenzversicherung vorschreiben, so werden wir dies umsetzen." Die Rewe-Tochter betonte zugleich, die Situation von Thomas Cook sei nicht übertragbar. "Die DER Touristik ist profitabel, schuldenfrei und hoch liquide." Die Rewe Group einschließlich ihrer Touristik-Sparte "ist fernab jeder Insolvenzgefahr".

Tui und DER haften mit gegenseitiger Patronatserklärung

Die Unternehmen haben dem Bericht zufolge ihre Pauschalreisen nicht bei einer klassischen Assekuranz gegen Insolvenzschäden versichert. Vielmehr hafteten Tui und DER Touristik für den Fall einer Insolvenz mit einer gegenseitigen Patronatserklärung, schrieb das Blatt.

Die DRS - ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - befinde sich in enger Abstimmung mit der Finanzaufsicht, zitierte das Blatt DRS-Vorstand Lothar Sturm. "In diesem Zusammenhang werden wir alle Möglichkeiten intensiv prüfen, auch die klassischen Instrumente des Rückversicherungsschutzes."

Mehr als 250 Millionen Euro Schaden bei Thomas Cook - nur ein Bruchteil versichert

Thomas-Cook-Kunden werden nur einen Teil ihrer Schäden erstattet bekommen. Der deutsche Veranstalter war bis 110 Millionen Euro versichert. Nach Angaben des Versicherers Zurich sind bis 1. November bereits etwa 150 000 Schadenmeldungen eingegangen im Volumen von mehr als 250 Millionen Euro. Derzeit werde die Schadenquote noch ermittelt, nach der die betroffenen Urlauber entschädigt würden.

Hinzu kämen die Kosten für die Rückholung von Urlaubern, die zum Zeitpunkt der Insolvenz mit der deutschen Thomas Cook unterwegs waren. In Deutschland gilt trotz Warnungen von Verbraucherschützern bislang eine Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro pro Jahr und Versicherung.

Neue Absicherung dürfte für Veranstalter deutlich teurer werden

Die Bafin bestätigte gegenüber dem Fachblatt "fvw", dass alle Versicherer - und der DRS ist ein solcher - eine nach der EU-Richtlinie Solvency II angemessene Kapitalunterlegung besitzen müssen. Das schließt ausdrücklich auch operationelle und Rechtsrisiken ein, die sich mit der Cook-Insolvenz erhöht haben. So werde nach der Cook-Pleite diskutiert, ob die Kosten für die Rückholung von Urlaubern aus dem 110 Mio. Euro Topf gezahlt werden oder zusätzlich zu zahlen sind. Dies würde das Risiko der Kundengeld-Absicherer erhöhen.

Laut fvw wird hinter den Kulissen mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Möglich sei zum Beispiel die Hereinnahme von Rückversicherern. Diesen stoße bislang allerdings auf, dass sich der Aufsichsrat des DRS aus Vertretern des DRV und der beim DRS versicherten Konzerne zusammensetzt, diese ihre Interessen also selbst kontrollieren. Ein zweite Option, die Auflagen der Bafin zu erfüllen, wären Bankbürgschaften. Sollten greifen, müssten sich die beim DRS beide Optionen nicht greifen, müssten sich die beim DRS abgesicherten Veranstalter am Markt einen neuen Kundengeld-Absicherer suchen. Jede dieser drei Varianten dürfte für die Veranstalter jedoch deutlich teurer werden als die jahrelang beim DRS praktizierte Variante.

la/dpa

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