Sonntag, 8. Dezember 2019

Insolventer Reise-Anbieter vor dem Aus Deutsche Thomas Cook sagt Reisen für 2020 ab - auch wenn sie bezahlt sind

Geschlossene Thomas-Cook-Büros auf Mallorca

Der insolvente deutsche Reisekonzern Thomas Cook steht vor dem Aus. Der Veranstalter sagte am Dienstag Reisen für das kommende Jahr ab, auch wenn sie bereits ganz oder teilweise bezahlt sind. Reisen ab 1. Januar 2020 könnten aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht angetreten werden, teilte das Unternehmen mit. Bislang galt der Reisestopp bis Ende Dezember 2019.

Abgesagt sind Pauschalreisen der Veranstaltermarken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin sowie über Thomas Cook International gebuchte Trips. Für den Zeitraum bis September 2020 hatten früheren Angaben zufolge etwa 660 000 Urlauber gebucht.

Den Angaben zufolge gibt es bislang kein belastbares Angebot für die Fortführung des Unternehmens als Ganzes oder für das Veranstaltergeschäft der Thomas Cook Touristik GmbH. Aus rechtlichen Gründen wird daher die Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs der Thomas Cook Touristik GmbH, zu der Neckermann Reisen, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, zum 1. Dezember 2019 vorbereitet, wie das Unternehmen bereits mitgeteilt hatte.

Insolvenzverwalter sucht weiterhin nach Käufern

Die Geschäftsleitung und die vorläufigen Insolvenzverwalter versuchten dennoch unter Hochdruck, noch bis zum Monatsende jede sich bietende Chance für den Erhalt des Traditionsunternehmens zu nutzen. Konkrete Angebote gebe es für die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH, trotzdem könne die Durchführung der gebuchten Reisen nicht gewährleistet werden. Konkurrent DER Touristik wiederum strebt die Übernahme der Hotelmarke Sentido und den Kauf der Reisebüro-Franchisemarke Holiday Land an.


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Die von der Insolvenz betroffenen Feriengäste sollen von Dezember an entschädigt werden. Klar ist allerdings, dass die versicherte Summe bei weitem nicht ausreicht, und dass Geschädigte nur einen Teil ihrer Auslagen zurückbekommen.

Die deutsche Thomas Cook war nur bis 110 Millionen Euro beim Versicherer Zurich versichert. Zum Zeitpunkt der Insolvenz waren 140 000 Reisende unterwegs, die ihren Urlaub teils abbrechen mussten. Dazu kommen Gäste, die wegen des Reisestopps nicht starten können, ihren Urlaub aber schon an- oder voll gezahlt haben.

Der Reisekonzern war in den Sog der Pleite der britischen Mutter geraten. Die deutsche Thomas Cook hatte am 25. September Insolvenzantrag gestellt.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hatte vor wenigen Wochen die Idee eines neuen Auffangfonds für Insolvenzschäden ins Spiel gebracht, um Fälle wie diesen künftig zu vermeiden. Die Justizminister der Länder forderten zugleich die Bundesregierung auf, die geltende Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro für Pleiten von Reiseveranstaltern zu prüfen. Kritik, der Gesetzgeber handle viel zu spät, kam aus Baden-Württemberg.

"Eine Insolvenzsicherung, die den Reisenden teilweise auf seinen Kosten sitzen lässt, verfehlt ihren Zweck", erklärte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU), auf dessen Initiative der Vorschlag zurückging. "Wir müssen die 110-Millionen-Grenze korrigieren und an die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse anpassen. Hier ist der Bund in der Pflicht."


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Der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk, kritisierte unterdessen, eine ausreichende Insolvenzabsicherung bei Pauschalreisen sei "mehr als überfällig". Schon 2016 habe das Bundesland bei der Umsetzung der entsprechenden EU-Pauschalreiserichtlinie die Bundesregierung um Prüfung einer genügenden Sicherung gebeten. "Leider müssen erst zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher wegen der Insolvenz eines Reiseveranstalters wirtschaftliche Nachteile hinnehmen, bevor die Bundesjustizministerin jetzt endlich handelt", sagte Hauk.

Lambrecht verteidigte in der "Bild" die geltende Haftungsgrenze. Als die EU-Richtlinie umgesetzt worden sei, habe man nicht absehen können, "dass es tatsächlich zu einem Schadensfall dieser Dimension kommen wird", sagte sie mit Blick auf Thomas Cook.

la/dpa

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