Montag, 18. November 2019

Nach Thomas-Cook-Pleite meldet auch Tour Vital Insolvenz an Staat lässt sich Condor-Kredit gut bezahlen

Thomas-Cook-Logo: Der Reisekonzern warnt vor betrügerischen E-Mails
Sean Gallup / Getty Images
Thomas-Cook-Logo: Der Reisekonzern warnt vor betrügerischen E-Mails

3. Teil: Newsticker vom Donnerstag: Hotels setzen Thomas Cook Urlauber unter Druck

14.30 Uhr: Wegen der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook bestehen manche Hotels darauf, dass Thomas-Cook-Kunden ihre Rechnung nochmals bezahlen - und zwar persönlich und direkt vor Ort. Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisiert dies als "völlig inakzeptabel" und rät Urlaubern dringend davon ab, zu zahlen. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert das Vorgehen mancher Hoteliers. "Das Ausnutzen einer Zwangslage, um den eigenen Schaden zu kompensieren, ist nach deutschem Recht strafbar", sagt vzbv-Tourismusexperte Felix Methmann. Das Problem: Wer vor Ort eine vermeintlich offene Rechnung des Hotels begleicht, riskiert, sein Geld daheim nicht mehr wiederzubekommen. Die Insolvenzversicherung des Veranstalters erstatte eine vom Gast bereits geleistete Zahlung nur dann, wenn der Kunde vor Ort nachweisbar unter Druck gesetzt wurde. "Dazu gibt es höchstrichterliche Entscheidungen. Reisende, die freiwillig die Hotelrechnung bezahlen, haben keine Ansprüche", warnt Methmann. Aus diesem Grund sollten Reisende, die vom Hotelpersonal zur Zahlung aufgefordert werden, dies zurückweisen und auf die Insolvenzversicherung hinweisen, die für die Zahlung zuständig sei. Im Fall von Thomas Cook ist dies der Versicherer Zurich.

12.04 Uhr: Der Ferienflieger Condor kann Justizkreisen zufolge in einem Schutzschirmverfahren saniert werden. Das zuständige Amtsgericht Frankfurt habe das den Beteiligten mitgeteilt, der offizielle Beschluss stehe aber noch aus, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Voraussetzung für diese Variante des Insolvenzverfahrens ist, dass ein Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist und als sanierbar gilt. Die Bundesregierung hatte am Dienstagabend einen sogenannten Massekredit über 380 Millionen Euro beschlossen, der Condor finanziell über den Winter helfen soll.

Beaufsichtigt wird die Condor-Sanierung von Sachwalter Lucas Flöther, der auch als Insolvenzverwalter von Air Berlin bekannt ist. Als Chef-Sanierer hat Condor Detlef Specovius aus der Insolvenzverwalterkanzlei Schultze & Braun angeheuert, heißt es. Flöther bestätigte gegenüber dpa, dass er vom Amtsgericht Frankfurt/Main bestellt worden sei.

10.46 Uhr: In Bulgarien hat Tourismusministerin Angelina Angelkowa die Hoteliers aufgerufen, trotz der Insolvenz von Thomas Cook die Kunden des Reiseunternehmens weiter zu versorgen. Andernfalls würde das Image des Schwarzmeerlands leiden, und die Touristen würden nicht wiederkommen, warnte die Ministerin vor Journalisten. In Bulgarien befinden sich derzeit 3940 Urlauber von Thomas Cook, vor allem in den Tourismushochburgen Warna und Burgas. Thomas Cook bringt in der Sommersaison nach Angaben des Tourismusministeriums zwischen 350.000 und 450.000 Touristen an die bulgarische Schwarzmeerküste. Sie werden in 58 Hotels untergebracht. Die Tourismusbranche in dem EU-Land befürchtet Verluste in Millionenhöhe.

10.41 Uhr: Kaum Hoffnung für den österreichischen Thomas Cook-Ableger hat der Gläubigerschutzverband AKV. Eine Sanierung von Thomas Cook Austria sei nicht möglich. "Eine Unternehmensfortführung wird nicht angestrebt", teilte der Kreditschutzverband AKV am Donnerstag mit. Das gesamte unternehmerische Vermögen solle liquidiert werden. "Im Hinblick auf die hohen Haftungen für die verbundenen Gesellschaften ist derzeit nicht davon auszugehen, dass eine Sanierung des Unternehmens wirtschaftlich möglich sein wird."

Reiseverband DRV rät Urlaubern: Nichts vor Ort nachzahlen - der Insolvenzversicherer Zurich übernimmt die Kosten

10 Uhr: Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisiert es als "völlig inakzeptabel", wenn Hotelgäste des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook erneut zur Kasse gebeten werden. Der Verband erhalte vermehrt Kenntnis von Hotels, die in Urlaubsdestinationen Pauschalurlauber festhalten, die mit Thomas Cook Deutschland gebucht haben, teilte der DRV am Mittwoch in Berlin mit. Nach der Insolvenz des deutschen Reiseveranstalters zwingen Hotels die Reisenden dem Verband zufolge ein weiteres Mal zur Zahlung.

Die meisten Hotels verhielten sich sehr fair. "Aber es gibt leider auch andere Fälle, die völlig inakzeptabel sind", kritisierte DRV-Präsident Norbert Fiebig: "Die Urlauber haben ihren Reisepreis bezahlt. Es gibt keinen Grund, sie vor Ort festzuhalten." Zudem gebe es eine Zusage des Insolvenzversicherers Zurich, in Folge der Insolvenz von Thomas Cook Deutschland die Kosten für die Hotels zu übernehmen.

Der DRV forderte nach eigenen Angaben die Hotelverbände und Fremdenverkehrsämter in den Urlaubsländern auf, die jeweiligen Hotels darüber zu informieren, "dass der Insolvenzversicherer Zurich die Kosten für alle Hotels übernehmen wird, in denen die Pauschalreisegäste von Thomas Cook Deutschland aktuell untergebracht sind". Dies gelte folglich auch für Pauschalreisende der Veranstalter Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen, Thomas Cook Signature und Air Marin.

Thomas Cook: Auch der deutsche Reiseveranstalter mit den Marken Neckermann, Öger Tours und Air Marin ist insolvent. Beim Ferienflieger Condor geht der Betrieb jedoch weiter - dank eines 380-Millionen-Kredits vom Staat

9.05 Uhr: Die britische Civil Aviation Authority (CAA) verkündet die Rückholaktion für die Thomas-Cook-Urlauber bis zum 25. Oktober zu verlängern.

8.35 Uhr: Die Pleite der Deutschland-Töchter des Reisekonzerns Thomas Cook wird von drei vorläufigen Insolvenzverwaltern abgewickelt. Alle drei kommen aus dem Frankfurter Büro der Kanzlei hww Hermann Wienberg Wilhelm. Für die Holding Thomas Cook GmbH ist Fabio Algari zuständig, für Bucher Reisen und Öger Tours Julia Kappel-Gnirs und für die Thomas Cook Touristik GmbH Ottmar Hermann. Er ist der bekannteste aus dem Trio: Hermann war unter anderem Insolvenzverwalter des Baukonzerns Philipp Holzmann und der Kaufhauskette Woolworth.

7.15 Uhr: Großbritannien plant an diesen Donnerstag 16.000 gestrandete Briten zurückzufliegen. Die Civil Aviation Authority (CAA) hat dafür 70 Flüge vorgesehen. Bislang seien bereits 30 Prozent der britischen Urlauber, die wegen der Thomas Cook-Insolvenz nicht zurückfliegen konnten, in den ersten drei Tagen der Aktion zurückgeholt worden, teilte die CAA mit.

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