Montag, 18. November 2019

Nach Thomas-Cook-Pleite meldet auch Tour Vital Insolvenz an Staat lässt sich Condor-Kredit gut bezahlen

Thomas-Cook-Logo: Der Reisekonzern warnt vor betrügerischen E-Mails
Sean Gallup / Getty Images
Thomas-Cook-Logo: Der Reisekonzern warnt vor betrügerischen E-Mails

2. Teil: Newsticker vom Freitag: Pleite kommt auch Banken teuer zu stehen

15 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will den Antrag des Reiseunternehmens Thomas Cook Deutschland auf einen Überbrückungskredit nach "eindeutigen Kriterien" prüfen. Dies sei "keine politische Frage", sagte Altmaier am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Hier müsse "auf Basis der Fakten" und insbesondere nach den Grundsätzen der Bundeshaushaltsordnung entschieden werden. Eine Sprecherin von Altmaiers Ministerium bestätigte am Freitag, dass ein entsprechender Antrag eingegangen sei und geprüft werde.

Die deutsche Thomas Cook GmbH hatte am Mittwoch Insolvenz angemeldet, nachdem der britische Mutterkonzern Thomas Cook pleite gegangen war. Die gleichfalls betroffene Ferienfluggesellschaft Condor hat bereits eine Zusage für einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro erhalten. Der Bund und das Land Hessen wollen für den Betrag je zur Hälfte bürgen. Die EU-Kommission muss der Staatshilfe noch zustimmen.

Im Fall Condor habe die Bundesregierung "das, was notifiziert werden muss, notifiziert", sagte Altmaier. "Wir arbeiten vertrauensvoll mit den Diensten der Kommission zusammen." Altmaier wollte nicht sagen, ob er zu Condor bei seinem Brüssel-Besuch am Freitag auch Gespräche geführt hat. Er nahm dort an einem EU-Asien-Forum teil.

Der Minister sprach mit Blick auf Condor von einer "wichtigen Entscheidung" der Bundesregierung. Sie habe es "hunderttausenden von Passagieren ermöglicht, zurückzukommen" und so werde vermieden, "dass sie stranden". Mit dem Kredit sei "auch eine wirtschaftliche Perspektive verbunden für die weitere Fortführung dieses Unternehmens".

11.00 Uhr: - Einige Banken dürfte die Pleite des Reiseanbieters Thomas Cook laut einem Pressebericht teuer zu stehen kommen. Es drohen hohe Abschreibungen auf ausstehenden Anleihen und Krediten. Davon betroffen sei auch die Credit Suisse , schreibt die "Financial Times" in ihrer Ausgabe vom Freitag. Banken wie Barclays , Morgan Stanley , Unicredit oder die Credit Suisse müssten auf ihren Büchern wohl insgesamt Abschreibungen im Umfang von bis zu 1,8 Milliarden britische Pfund vornehmen, so der Bericht. Das hätten Schätzungen des Beratungsunternehmens AlixPartners gezeigt.

Die Gläubiger von Anleihen müssten dabei Abschreibungen von 900 Millionen bis eine Milliarde Pfund und die Kreditgeber zwischen 550 und 825 Millionen in Kauf nehmen. Die tatsächlich abzuschreibenden Beträge dürften dabei eher am oberen Ende der Bandbreiten zu liegen kommen, sagte ein Experte dem Blatt.

9.00 Uhr: Ab diesem Freitag sollen Hotels im Ausland, die derzeit noch Thomas-Cook-Urlauber beherbergen, Geld von der Zurich-Versicherung bekommen. Die Zahlungen an die Hotels sind laut Zurich an die Bedingung geknüpft, dass Urlauber nicht mehr zu Extra-Zahlungen aufgefordert werden.

Auf Basis der Buchungsinformationen und ohne Vorlage gesonderter Rechnungen sollen die Hotels in den Ferienorten jetzt 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen erhalten, wie ein Zurich-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Dies gilt sofort und unter der Voraussetzung, dass Thomas-Cook-Reisende von diesen Hotels ab sofort weder zur individuellen Zahlung von Hotelrechnungen aufgefordert oder anderweitig genötigt werden", sagte Sprecher Bernd Engelien weiter.

Die Versicherung reagierte damit auf Berichte von Hotelgästen, die nach eigenen Angaben gezwungen worden waren, ihre Unterkünfte vor Ort selbst zu bezahlen. Einige mussten demnach mehr als 1000 Euro auf den Tisch legen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatten dies scharf kritisiert.

Wie viele Hotels betroffen sind, werde am Freitag mit dem insolventen Reiseanbieter abgestimmt, sagte der Versicherungs-Sprecher. Nach Angaben vom Donnerstag waren noch 70 000 Thomas-Cook-Pauschalurlauber aus Deutschland unterwegs. Die Zurich Deutschland hat Urlaub und Rückreise der Thomas-Cook-Kunden abgesichert.

Thomas Cook in Deutschland war in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten und hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt. Insolvenzverwalter wollen versuchen, die drei Thomas-Cook-Gesellschaften in Deutschland fortzuführen und eine Zukunftslösung zu finden.

Die nun angekündigten Auszahlungen an Hotels durch die Zurich Versicherung helfen allerdings nur den Reisenden, die derzeit noch unterwegs sind. Für Thomas-Cook-Kunden, die erst noch in den Urlaub fliegen wollen, sieht es schlecht aus. Am späten Donnerstagabend teilte das Unternehmen mit, alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober würden abgesagt. Dies gelte auch für solche Buchungen, die schon bezahlt sind.

Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es. Grundsätzlich ist für diese Fälle auch die Versicherung Zurich zuständig. Der Verkauf neuer Reisen ist gestoppt

07.34 Uhr: Die Reisebranche in Deutschland brummt - trotz der Insolvenz des Branchenriesen Thomas Cook. Reisebüros und Reiseveranstalter steigerten ihren Umsatz von 2008 bis 2017 um 54 Prozent - von 21,4 auf 32,9 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der in der Branche tätigen Personen um 30 Prozent auf 92.700.

Auch die Zahl der Unternehmen nahm insgesamt zu - um 12,5 Prozent auf 10.776. "Allerdings betrifft das Wachstum nur die Reisebüros", betonte das Statistikamt. Deren Anzahl erreichte 2017 mit rund 8800 Unternehmen den höchsten Wert seit 2008, was einer Zunahme um 27 Prozent in diesem Zeitraum entspricht. Die Reiseveranstalter mussten dagegen gleichzeitig einen Rückgang um 34 Prozent auf knapp 2000 Unternehmen hinnehmen.

07.00 Uhr: Die deutschen Töchter des Pleitekonzerns Thomas Cook können jetzt Verhandlungen mit potenziellen neuen Eignern aufnehmen. Der Ferienflieger Condor teilte am Donnerstag mit, das Amtsgericht Frankfurt habe den Antrag auf ein Schutzschirmverfahren genehmigt. Jetzt könne als Sachwalter der Insolvenzexperte Lucas Flöther, der bereits die Pleite von Air Berlin seit 2017 abwickelt, die Arbeit aufnehmen. Für die Konzernschwester Thomas Cook GmbH aus Oberursel mit ihren drei Firmen setzte das Amtsgericht Bad Homburg vorläufige Insolvenzverwalter ein. Mit den Verfahren sind die deutschen Thomas-Cook-Töchter von der insolventen Mutter getrennt, sodass diese keinen Zugriff mehr auf deren Gelder hat.

Während Condor mit einem Staatskredit von 380 Millionen Euro im Rücken weiterfliegen kann, liegt das Geschäft des Reiseveranstalters Thomas Cook auf Eis. Reisen können nicht verkauft werden, alle bis zum 13. Oktober gebuchten Reisen wurden abgesagt. Thomas-Cook-Chefin Stefanie Berk beantragte ebenfalls in dieser Woche beim Bund und dem Land Hessen einen Überbrückungskredit. Die Aussicht auf ein dauerhaft lebensfähiges Geschäft, zu dem beide neue Eigentümer brauchen, ist eine wichtige Voraussetzung, dass der Staat Unternehmen in Not nach EU-Recht stützen darf.

6.30 Uhr: Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook sagt einen Tag nach seinem Insolvenzantrag alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober 2019 ab. Reisen könnten "aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht angetreten werden", teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit.

Davon betroffen seien auch Buchungen der Marken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, ÖGER TOURS, Bucher Reisen und Air Marin, die bereits angezahlt oder vollständig bezahlt sind. Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung