Montag, 14. Oktober 2019

Thomas-Cook-Pleite Hotel wollte Gäste nicht abreisen lassen

Tourismus-Riese insolvent: Das droht den Marken von Thomas Cook
DPA

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. Das 178 Jahre alte Traditionsunternehmen hat seine Geschäfte am Montagmorgen vorerst eingestellt. Mehr als eine halbe Million Touristen und 21.000 Beschäftigte sind betroffen. Lesen Sie die wichtigsten News im Ticker.

17.35 Uhr: Der ums Überleben kämpfende Ferienflieger Condor rechnet mit einem Anstieg des Betriebsgewinns im laufenden Geschäftsjahr. "Condor ist ein profitables Unternehmen", erklärte die Tochter des kurz zuvor in Insolvenz gegangenen Reisekonzerns Thomas Cook. In dem bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 2018/19 werde ein Anstieg des operativen Ergebnisses gegenüber den 43 Millionen Euro des Vorjahres erwartet, bei einem Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro.

Condor habe auch über die letzten Jahre positive Ergebnisse erwirtschaftet, erklärte Airline-Chef Ralf Teckentrup. Das unterscheide Condor von Fällen wie Air Berlin und Germania, die wegen Verlusten pleite gingen. "Auch das Interesse anderer Marktteilnehmer an unserem Unternehmen unterstreicht unsere Attraktivität", erklärte Teckentrup.

17.13 Uhr: Der insolvente britische Reisekonzern Thomas Cook soll Rechnungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro an tunesische Hotels nicht bezahlt haben. Ein Hotelier im tunesischen Hammamet wollte das Problem offenbar auf seine ganz eigene Weise lösen: Er hielt Gäste im tunesischen Hammamet zumindest zeitweise fest. Nach Einschaltung des tunesischen Tourismusministers seien sie zum Flughafen eskortiert worden, teilte das Ministerium am Montagnachmittag mit. Der Präsident des Hotelverbandes, Mehdi Allani, kritisierte das Verhalten der Hotelführung. Nicht die Gäste, sondern der Reiseveranstalter sei für die offenen Zahlungen verantwortlich. Am Wochenende hatten sich zahlreiche Gäste des Hotels Les Orangers im Badeort Hammamet beschwert, dass das Sicherheitspersonal den Zugang zum Hotel blockiert hatte und Gäste am Ende ihres Urlaubs die Anlage zunächst nicht verlassen durften. Sie seien aufgefordert worden, eine Gebühr zu zahlen, sagte ein Gast aus Belgien der Deutschen Presse-Agentur.

16.30 Uhr: Entschieden ist noch nichts - der Bund der Steuerzahler wendet sich gleichwohl gegen staatliche Hilfen für den Ferienflieger Condor im Zuge der Thomas-Cook-Pleite. "Wir müssen aufpassen, dass der Steuerzahler hier nicht zu einer Art letzter Instanz der Versicherung wird", sagte der Präsident des Steuerzahlerbunds, Reiner Holznagel, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" vom Dienstag. Die Thomas-Cook-Tochter Condor hatte nach der Insolvenz-Anmeldung einen Überbrückungskredit beim Bund beantragt. Nach unbestätigten Agenturberichten könnte sich dieser Kredit auf bis zu 200 Millionen Euro belaufen. Der Bund prüft dieses Anliegen derzeit. "Der Staat ist nur aufgerufen zu helfen, wenn wirklich Gefahr im Verzug ist oder Menschen in Not sind", sagte Holznagel. "Das sehe ich hier nicht." Anders habe der Fall von Air Berlin gelegen. Als der Staat damals Unterstützung leistete, sei es um viele Bürger gegangen, die Linienflüge gebucht und keine Versicherung gehabt hätten. Bei Condor gehe es um "einen Ferienflieger mit Pauschalangeboten".

15.50 Uhr: Insolvenzverwalter rechnen Pleiten in der Reisebranche. "Nach unseren Beobachtungen steht die Branche unter Druck, denn der Trend geht immer mehr zu Individualreisen", sagt der Vorsitzende des Verband Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), Christoph Niering, am Montag. "Bei Reisebüros haben wir schon eine starke Marktbereinigung gesehen. Jetzt trifft es zunehmend auch die Reiseveranstalter." Neben dem wachsenden Individualtourismus würden diese nun durch neue Klimaauflagen zusätzlich in Bedrängnis geraten. Die Bundesregierung hat in ihrem Klimaschutzpaket unter anderem eine Flugticketsteuer beschlossen. "Das alles sorgt dafür, dass die Versicherer bei den Reiseveranstaltern sensibler werden", sagte Niering, der selbst Fachanwalt für Insolvenzrecht ist. "Wer wackelt, bekommt keine Insolvenzversicherung mehr. Das ist eine Art Frühwarnsystem."

15.20 Uhr: Des einen Leid, des anderen Freud: Einige Hedgefonds können aus der Thomas-Cook-Pleite offenbar kräftig Gewinn schlagen: Spekulanten wie Sona Asset Management und Xaia Investment hatten auf eine Pleite des Reisekonzerns, von der 21.000 Mitarbeiter und hunderttausende Urlauber, betroffen sind, gewettet. Dazu investierten sie in Finanzinstrumente, die im Fall einer Insolvenz möglicherweise eine Ausschüttung in Höhe von rund 250 Millionen US-Dollar bescheren, berichtete Bloomberg am Montag. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sei im Augenblick noch offen.

Die Investoren könnten dabei von der Investition in sogenannte Credit Default Swaps (CDS - Kreditausfallversicherungen) profitieren. Dieses Instrument wird gerne dazu verwendet, um auf mögliche Zahlungsausfälle oder Pleiten von Unternehmen zu wetten. Im Fall von Thomas Cook beziehen sie sich auf Unternehmensanleihen, mit denen das Unternehmen bei Anlegern Geld eingesammelt hat. Ob der Insolvenzantrag aus der Nacht zum Montag für eine Auszahlung der Summe an die Hedgefonds schon ausreicht, ist aber noch nicht entschieden. Darüber wacht ein Komitee.

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