Mittwoch, 13. November 2019

Trotz Reisesicherungsschein kaum Geld zurück Nach Thomas-Cook-Pleite fehlen 400 Millionen Euro für Entschädigungen

Geschlossene Thomas-Cook-Büros auf Mallorca (Archivaufnahme, September 2019). Die Tochter und Ferienflieger Condor kann mit Hilfe eines Staatskredits weiterarbeiten.

Nach der Insolvenz des Pauschalreise-Veranstalters Thomas Cook bekommen einem Medienbericht zufolge Hunderttausende Kunden trotz eines so genannten Reisesicherungsscheins nur einen Bruchteil ihres Geldes wieder.

Laut "Bild am Sonntag" hatte die deutsche Thomas Cook zum Zeitpunkt der Insolvenz Ende September 660.000 Buchungen im Gesamtwert von 500 Millionen Euro. Thomas-Cook-Versicherer Zurich müsse jedoch nur einen Schaden von maximal 110 Millionen Euro zahlen. Damit fehlten rund 400 Millionen Euro, um alle Thomas-Cook-Urlauber zu entschädigen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband will dem Blatt zufolge daher, dass nun der Staat für die fehlende Urlauber-Entschädigung einspringt. In einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz forderten die Verbraucherschützer, Scholz solle "entsprechende Finanzmittel im Haushalt zurückstellen und somit für eine vollständige Entschädigung der Thomas-Cook-Kunden sorgen".

Verbraucherschützer: Staat soll die Kunden vollständig entschädigen

Das seit Jahren hoch verschuldete Unternehmen war Ende September pleite gegangen, nachdem einige Banken einen milliardenschweren Rettungsplan nicht mittragen wollten und auch der britische Staat eine Kredithilfe ablehnte. Thomas Cook kämpfte schon länger mit Problemen durch seine große Abhängigkeit von Pauschalreisen und die wachsende Konkurrenz durch Online-Reisevermittler.

Von den deutschen Thomas-Cook-Töchtern kann der Ferienflieger Condor dank eines staatlichen Rettungskredits von 380 Millionen Euro neue Investoren finden. Die Bundesregierung stufte das profitable Unternehmen als überlebensfähig ein und wollte verhindern, dass Hunderttausende Urlauber durch eine Pleite der Airline stranden. Die EU-Kommission genehmigte die Hilfe.

Condor-Chef setzt auf Verkauf als Ganzes

Condor-Chef Ralf Teckentrup will die Fluggesellschaft beim Verkauf an einen neuen Investor als Ganzes erhalten. Eine Zerschlagung der von Condor sei aus seiner Sicht nicht sinnvoll, sagte der Manager am Samstag.


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Bei dem gerade gestarteten Investorenprozess erwarte er bereits im ersten Quartal des kommenden Jahres Ergebnisse. "Ich sehe keinen Grund, warum diese profitable Airline nicht weiterfliegen sollte.", Condor werde aus der Krise gestärkt hervorgehen, zeigte sich der 61-Jährige überzeugt, Teckentrup führt die Gesellschaft seit 2004.

Die Gesellschaft mit 58 Flugzeugen und rund 4900 Mitarbeitern ist ein wichtiger Partner verschiedener Reiseveranstalter. In einem so genannten Schutzschirmverfahren ist sie aus dem Konzern herausgelöst worden und sucht nun unter Aufsicht eines Sachwalters nach neuen Investoren.

Ob Condor als Ganzes zu verkaufen ist, bleibt abzuwarten. DER Touristik hatte unlängst erklärt, sich eine Beteiligung an Condor vorstellen zu können - aber keine komplette Übernahme. Auch dürften hier nicht zuletzt die Wettbewerbshüter noch ein Wort mitreden dürfen.

rei mit Nachrichtenagenturen

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