Theranos erklärt zehntausende Tests für ungültig So kämpft die (einstige?) Blut-Milliardärin ums Überleben

Kämpft um ihr Unternehmen: Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes

Kämpft um ihr Unternehmen: Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes

Foto: © Brendan McDermid / Reuters/ REUTERS

Das einst gefeierte Bluttest-Unternehmen Theranos kämpft um sein Überleben - und hat dazu zehntausende Bluttests für ungültig erklärt. Das berichtet das "Wall Street Journal"  unter Berufung auf eingeweihte Personen. Theranos habe alle Tests widerrufen, die in den Jahren 2014 und 2015 mit den Edison-Testgeräten des Unternehmens durchgeführt worden seien. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Ärzte auf Grundlage der ursprünglichen Ergebnisse nicht korrekte Therapieentscheidungen getroffen hätten.

Mit den Edison-Analyseapparaten will Theranos eigentlich den Markt für Blutuntersuchungen revolutionieren - sie sollen eine Vielzahl an Analysen mit nur einer kleinen Menge an Blut ermöglichen. Der jetzt erfolgte Rückruf und anschließende Versand neuer Ergebnisse geht deshalb an den Kern des Unternehmens - und damit auch an seine Milliardenbewertung.

Theranos sortiert sich neu

Die Aussicht, Patienten mit nur einem kleinen Pieks genauso gut zu untersuchen wie die Konkurrenz, hatte Theranos in den vergangenen Jahren zu einem der Stars der amerikanischen Startup-Szene gemacht - und Gründerin Holmes zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt. Nach der vorerst letzten Finanzierungsrunde 2014 war Theranos mit neun Milliarden Dollar bewertet worden. Ob das Unternehmen heute für diesen Wert verkauft werden könnte, ist allerdings ziemlich fraglich - zu schwer scheint die aktuelle Krise.

Im Herbst 2015 waren Theranos und Holmes erstmals unter Feuer geraten, als Angestellte via "WSJ" die Qualität der selbst entwickelten Testverfahren anzweifelten. Aktuell ermitteln die US-Börsenaufsicht, die Gesundheitsbehörde FDA und die Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS): Letztere wollen den Laboren des Unternehmens die Lizenz entziehen, was zudem eine Aussperrung der Gründerin mit sich bringen würde.

Der nun erfolgte Austausch von Testergebnissen ist ein erster Schritt, diese Folgen abzuwenden: Die Tatsache, dass Theranos seinen Patienten keine neuen Auswertungen zugeschickt habe, war ein Punkt einer langen Mängelliste. Eine Entscheidung der CMS wird in Kürze erwartet.

Vor einer Woche hatte Theranos zudem personell auf die Krise reagiert: Das Unternehmen richte die eigene Organisationsstruktur neu aus, hieß es in einer Mitteilung. Im Zuge dieses Umbaus trete Sunny Balwani, COO und President von Theranos, zurück. Zuvor hatte das Unternehmen bereits seine medizinischen und technischen Berater-Gremien ausgebaut.