Freitag, 21. Februar 2020

Kaufanreiz für Elektroautos Tesla-Chef Musk kritisiert deutsche Kaufprämie

Tesla-Chef Elon Musk ist sauer: "Preislimit von 60.000 Euro für ein Basismodell ist willkürlich - dieser Teil des Programms ist offensichtlich gegen Tesla gerichtet"

Der Elektroauto-Hersteller Tesla Börsen-Chart zeigen hat die in Deutschland geplante Kaufprämie für Stromfahrzeuge kritisiert, weil die beiden aktuellen Modelle der Firma wegen ihres Preises davon ausgeschlossen sind. Das Preislimit von 60.000 Euro für ein Basismodell sei willkürlich, hieß es in einem Blogeintrag am Mittwoch. "Dieser Teil des Programms ist offensichtlich gegen Tesla gerichtet", erklärte der US-Konzern und verwies darauf, dass der Plan gemeinsam mit den Chefs der deutschen Autohersteller entwickelt worden sei.

"Es ist wichtig zu erwähnen, dass Model S und Model X in ihrem Segment genau die Autos ersetzen, die den höchsten CO2-Ausstoß haben", schrieb Tesla weiter. Das Model S kostet mindestens 88.000 Euro und das neue Model X ab 96.000 Euro.

Die beiden Tesla-Fahrzeuge gehören zu dem Marktsegment, in dem etwa BMW mit dem 7er oder Mercedes-Benz mit der S-Klasse unterwegs ist. In den USA sind Teslas Verkäufe inzwischen mindestens vergleichbar mit dem Absatz dieser Modelle, in Deutschland liegen die einheimischen Premium-Hersteller noch klar vor.

Zwei weitere Tesla-Topmanager gehen

Dass Tesla derzeit von der deutschen Kaufprämie ausgeschlossen ist, dürfte aber nur ein vergleichsweise kleines Problem für den US-Autobauer sein. Viel schwerwiegender ist der aktuelle Verlust von Top-Personal inmitten einer kritischen Produktionsphase. Am Mittwoch wurde bekannt, dass neben Josh Ensign, dem Vice-President des Bereiches Manufacturing, auch Greg Reichow, der Vizechef der Produktionssparte bei Tesla, das Unternehmen verlassen wird. Während Ensign bereits das Unternehmen verlassen hat und noch kein Nachfolger benannt ist, sagte Reichow, er würde so lange bei Tesla bleiben, bis ein Ersatzmann gefunden sei.

Der Abgang der beiden Top-Manager trifft Tesla zur Unzeit. Erst vor wenigen Wochen hatte Tesla den Prototyp des neuen Modell 3 vorgestellt - ein günstiges Modell, mit dem Musk den Massenmarkt erobern will.

Die Aktie von Tesla, die bereits in den vergangenen Tagen um knapp 10 Prozent nachgegeben hatte, beschloss den Handelstag an der Nasdaq mit einem Verlust von rund 4 Prozent bei 222 US-Dollar.

Nach US-Börsenschluss legte Tesla Zahlen für das abgelaufene Quartal vor. Die Aktie setzte daraufhin zur Erholung an, weil die Zahlen etwas besser als befürchtet waren und Tesla unter anderem die Auslieferungsprognose bestätigte. Zuletzt notierte sie wieder bei 234 US-Dollar.

Günstigeres Model 3 dürfte sich locker für die Kaufprämie qualifizieren

Tesla senkte zudem den günstigsten Leasing-Preis für das Model S in Deutschland von 527 auf 495 Euro im Monat. Das jüngst angekündigte günstigere Model 3, das 2017 auf den Markt kommen soll, dürfte mit einem US-Preis von 35 000 Dollar mühelos in die Obergrenzen der Kaufprämie passen.

In Deutschland soll es Kaufzuschüsse von 4000 Euro für reine Elektroautos geben. Die Prämien sollen spätestens 2019 auslaufen - oder wenn das Fördervolumen von 1,2 Milliarden Euro ausgeschöpft ist.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung