Milliardärsfamilie streitet um Handelskonzern Machtkampf um Tengelmann - Niederlage für Konzernchef Christian Haub

Tengelmann: Die Milliardärsfamilie Haub streitet um die Macht bei einem der größten Handelskonzerne Deutschlands

Tengelmann: Die Milliardärsfamilie Haub streitet um die Macht bei einem der größten Handelskonzerne Deutschlands

Foto: Bernd Thissen / DPA

Im Streit der Milliardärsfamilie Haub, einer der reichsten Unternehmerdynastien Deutschlands, hat der neue Clanchef eine Niederlage einstecken müssen. Das Landgericht Duisburg erklärte die Berufung eines wichtigen Gremiums des Handelskonzerns Tengelmann teilweise für nichtig. Damit verliert Konzernchef und Co-Eigner Christian Haub (55) im Ringen um die Macht bei Tengelmann eine Runde gegen seine Schwägerin Katrin Haub, die die Familie seines verschollenen Bruders Karl-Erivan Haub (60) vertritt. Das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, dürfte den innerfamiliären Streit um die Zukunft des Handelskonzerns weiter anfachen.

"Mit dem Urteil war nach der Positionierung des Gerichts in der mündlichen Verhandlung zu rechnen, wir halten allerdings an unserer Rechtsauffassung fest", sagte ein Tengelmann-Sprecher. "Wir werden nun die Urteilsbegründung genau analysieren und unsere Handlungsoptionen, insbesondere eine Berufung, prüfen." An der Arbeit des Beirats werde sich zunächst nichts ändern, da das Urteil noch nicht rechtskräftig sei. Unabhängig davon sei eine außergerichtliche Lösung für alle Beteiligten von Vorteil.

Christian Haub: Der Konzernchef muss eine Niederlage einstecken

Christian Haub: Der Konzernchef muss eine Niederlage einstecken

Foto: Tengelmann

Tengelmann ist einer der größten Handelskonzerne Deutschland. Den Haubs gehören erhebliche Anteile an der Baumarktkette Obi, am Textildiscounter Kik und der Ramschladenkette Tedi. Daneben besitzen die Haubs ein großes Immobilienportfolio und halten diverse Beteiligungen an Internetfirmen. So ist die Familie früh beim Onlinehändler Zalando  eingestiegen und hält bis heute etwa 2,5 Prozent an dem Moderiesen, der an der Börse etwa 15 Milliarden Euro wert ist. Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben die Haubs 2016 nach jahrelangem Siechtum an die Konkurrenten Edeka und Rewe verkauft.

Die Haubs gebieten über fast 90000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von fast 8 Milliarden Euro pro Jahr reinholen. In der aktuellen manager magazin-Rangliste der reichsten Deutschen rangierten die Haubs im Herbst 2019 mit einem geschätzten Vermögen von 5 Milliarden Euro auf Platz 25 .

Vor gut zwei Jahren geriet der Familienkonzern in eine Führungskrise. Erst starb Patriarch Erivan Haub im Alter von 85 Jahren. Wenige Wochen später verschwand sein Sohn, Konzernchef Karl-Erivan ("Charly") Haub, bei einer Solo-Bergtour am Matterhorn spurlos. Sein Leichnam wurde bis heute nicht gefunden. Damit verlor die Familie ihre beiden dominierenden Köpfe.

Die Macht in der Zentrale in Mülheim an der Ruhr übernahm Charlys Bruder Christian Haub. Der war zwar auch vorher schon de facto gemeinsam mit seinem Bruder Konzernchef, lebte aber 30 Jahre lang in den USA und verwaltete vor allem den dortigen Familienbesitz.

Charlys Gattin Katrin Haub möchte, dass der Konzern bei der Finanzierung der Erbschaftsteuer von etwa 450 Millionen Euro hilft - in welcher Form auch immer. Diese fällt an, wenn sie ihren Ehemann für tot erklären lässt und dessen Firmenanteile von 31,3 Prozent an die gemeinsamen Kinder Viktoria und Erivan gehen. Christian Haub lehnt es bisher ab, die Konzernfinanzen mit der Erbschaftssteuer zu verweben.

Zur Familie gehört auch noch der dritte Bruder Georg Haub (58). Jeder der drei Stämme besitzt etwa ein Drittel des Unternehmens.

Mit dem neuen Urteil landet Katrin Haub einen Etappensieg im Machtpoker. Sie hatte bemängelt, dass die Bestellung von Franz Markus Haniel, dem Vormann der Duisburger Haniel-Sippe, die lange Großaktionär beim Handelsriesen Metro war, in den Beirat der Tengelmann Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH (TVB) unrechtmäßig erfolgt sei. Die TVB ist das Machtzentrum im Konzern. Der Beirat hat weitgehende Kontrollmöglichkeiten gegenüber der Geschäftsführung, die Christian Haub führt. Neben Haniel sitzen derzeit noch Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk sowie Christoph von Grolman in dem Gremium, der Chef einer Investmentfirma der Familie Thyssen-Bornemisza.

Um zu verhindern, dass sich zwei Familienstämme gegen den dritten verbünden, muss laut Gesellschaftsvertrag einer der drei Beiräte mit einer Dreiviertelmehrheit ernannt werden - benötigt also Stimmen aller drei Stämme. Jahrelang wurde so vor allem den Interessen Georg Haubs Rechnung getragen, der insbesondere mit Charly Haub über Kreuz lag. Dessen Misstrauen war so groß, dass er seinen Bruder Jahre lang fast Tag und Nacht von Detektiven beschatten ließ.

Als Haniel Ende 2018 für den Düsseldorfer Rechtsanwalt Thomas Kramer in den Beirat gewählt wurde, fand die 75-Pozent-Regel keine Berücksichtigung. Vor Gericht räumten die streitenden Parteien zwar beide ein, den Passus in den Wirren nach dem Verschwinden von Charly Haub vergessen zu haben. Katrin Haub nutzt den Faux-pas aber nun, um ihre beiden Schwager unter Druck zu setzen.

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