Dienstag, 25. Juni 2019

Hauptversammlung der Telekom T-Mobile - Kasse machen oder weiter auf US-Boom setzen?

Tim Hoettges: "Wir sind in einer Position der Stärke"

Die Telekom investiert Milliarden Dollar in den USA. Das US-Geschäft mit der Tochter T-Mobile US trägt den Hauptteil zum Gewinn der Telekom bei. Warum sollten die Bonner die US-Tochter überhaupt verkaufen, fragen sich Aktionäre während der Hauptversammlung. Tim Höttges hält sich bedeckt.

Telekom-Chef Tim Höttges hat es mit dem Verkauf der Erfolgstochter T-Mobile US nicht eilig. Der Amerika-Ableger sei heute in einer völlig anderen Situation als noch vor einigen Jahren, sagte er am Mittwoch laut Redetext auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom in Köln. "Wir sind in einer Position der Stärke." Nun gelte es, das Geschäft weiter zu entwickeln. "Wir entscheiden: was, wann und wie."

Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen hält zwei Drittel der Anteile an der Tochter, die mittlerweile zum drittgrößten Mobilfunker der Vereinigten Staaten aufgestiegen ist. Das Wachstum ruft Interessenten wie den kleineren Rivalen Sprint Börsen-Chart zeigen auf den Plan. Eigentümer von Sprint ist die japanische Softbank, deren Chef Masayoshi Son bereits Interesse signalisiert hat, erneut Fusionsverhandlungen mit T-Mobile zu führen.

Konkret wollte Höttges nicht sagen, ob es bereits Verkaufs- oder Fusionsverhandlungen gibt. Es betonte aber, dass das regulatorische Umfeld unter dem neuen US-Präsidenten Trump "gut" sei. Zudem habe die Telekom mit den zuständigen Behörden wie dem Regulierer FCC und dem Justizministerium Kontakt, sagte er am Rande des Aktionärstreffens vor Journalisten.

Hintergrund: Go West - Warum Tim Höttges voll auf USA setzt

Die Deutsche Telekom hat zuletzt ihr US-Geschäft mit immer neuen Milliardeninvestitionen gestärkt. Angesichts der überragenden Bedeutung des US-Geschäfts für die Bonner erscheint es fraglich, ob Höttges T-Mobile US überhaupt noch abgeben will - oder ob eher T-Mobile nach einer möglichen Fusion mit Sprint weiter das Sagen in dem Verbund hat.

In den USA erwarten Experten nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und Neubesetzungen an der Spitze der Aufsichtsbehörde FCC, dass sich der Markt neu sortiert. Lange hatte die Behörde vier große Anbieter auf dem Mobilfunkmarkt des Landes favorisiert und damit Fusionen geblockt. Der neue republikanische FCC-Chef Ajit Pai will hingegen einen unternehmensfreundlicheren Kurs fahren und damit Investitionen fördern.

Derzeit ist T-Mobile der größte Wachstumstreiber im Konzern

"Wir schließen keine Möglichkeit aus, die Wertzuwachs für das Unternehmen und die Aktionäre schafft, erneuerte Höttges am Mittwoch während der Hauptversammlung frühere Aussagen. T-Mobile wird unter anderem mit dem Konkurrenten Sprint in Zusammenhang gebracht. Ein früherer Versuch, die Telekom-Tochter zu übernehmen, scheiterte am Einspruch der Kartellbehörde.

Inzwischen gilt aber auch eine Übernahme von Sprint durch T-Mobile als eine Option. Falls Sprint nicht T-Mobile, sondern T-Mobile Sprint übernimmt, würde die US-Tochter ihren Expansionskurs noch beschleunigen.

"Wir räumen alle Neukunden im Markt ab"

Mit derzeit rund 73 Millionen Kunden ist T-Mobile USA derzeit der größte Wachstumstreiber im Telekom-Konzern. "Wir räumen mit T-Mobile US alle Neukunden im Markt ab", betonte der Manager. Im vergangenen Jahr seien das acht Millionen Kunden gewesen. Mit neuen Funkfrequenzen könne der landesweit drittgrößte Betreiber nun "jede Ecke der USA" erreichen.

Trotz Nachfragen wollte sich Höttges nicht dazu äußern, ob für die Telekom ein Ausstieg aus dem US-Geschäft noch eine Option sei. Aktionäre lobten dennoch den eingeschlagenen Kurs in den USA. Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sprach von einer "Erfolgsstory" und begrüßte, dass die Telekom nun eine aktive Rolle übernehmen wolle.

In Deutschland will der Branchenprimus unterdessen immer mehr direkte Glasfaseranschlüsse verfügbar machen. Vor den Aktionären kündigte Höttges eine Initiative zum Ausbau der schnellen Internets in 3000 Gewerbegebieten an. Die ersten 100 habe die Telekom bereits in der Planung, die nächsten 200 im Blick, unterstrich der Telekom-Chef.

Höttges setzt auf Glasfaser

In Gewerbegebieten wollen aber auch andere Unternehmen wie Vodafone und United Internet Börsen-Chart zeigen mit Glasfaser punkten. In den kommenden zwei Jahren würden zudem 80 Prozent aller Haushalte in Deutschland garantiert mit einem Tempo von 50 Megabit pro Sekunde im Internet surfen können, die meisten sogar mit bis zu 250 Megabit, versprach der Telekom-Chef.

Im vergangenen Jahr investierte die Telekom 11 Milliarden Euro in den Netzausbau, davon rund 5 Milliarden Euro in Deutschland. Wettbewerber kritisieren allerdings, dass der Branchenprimus den zügigen Glasfaserausbau mit veralteter Technik wie dem Vectoring blockiere. Mit dieser Technik werden die herkömmlichen Kupferleitungen aufgerüstet und schneller gemacht.

la/dpa/reuters

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