Tech-Absturz nach Trump-Triumph Warum Apple, Amazon und Alphabet jetzt zittern müssen

Amazon-Chef Jeff Bezos: Dumm gelaufen, die Sache mit der Rakete

Amazon-Chef Jeff Bezos: Dumm gelaufen, die Sache mit der Rakete

Foto: DPA/ Blue Origin

Amazon-Chef Jeff Bezos hätte den künftigen Präsidenten Donald Trump am liebsten auf den Mars geschossen. Bezos hatte Trump im Wahlkampf einen Platz in seiner Rakete "Blue Origin" versprochen - allerdings nur ein One-Way-Ticket. Nun, nach Trumps Triumph, schaltete Bezos auf Umkehrschub: "Ich für meinen Teil bin unvoreingenommen und wünsche ihm einen großen Erfolg im Dienste des Landes", twitterte Bezos nach Trumps Wahlsieg.

Auch Apple-Chef Tim Cook war mäßig begeistert und wählte Worte aus dem Grundkurs für Schadensbegrenzung: "Der einzige Weg vorwärts zu kommen, ist gemeinsam vorwärts zu gehen", schrieb Cook am Wochenende an seine Mitarbeiter. Und Facebook-Chef Mark Zuckerberg rief dazu auf, an der Welt zu arbeiten, "die wir uns für unsere Kinder wünschen". Diese Aufgabe sei "größer als jede Präsidentschaft".

Das Silicon Valley und Donald Trump - das sieht derzeit nicht nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft aus. Im Valley war Trump auf überwältigende Ablehnung gestoßen - nur der deutschstämmige Internet-Milliardär Peter Thiel setzte auf Trump. Alle anderen High-Tech-Größen warfen Trump Inkompetenz vor. Trump hingegen kritisierte Konzerne wie Apple , Alphabet  und Amazon  in seinen Wahlkampfreden offen wegen ihrer Steuerpolitik.

Favoritenwechsel an der Wall Street: Raus aus Techtiteln, rein in Banken

An der Börse zählten die erfolgsverwöhnten Technologiewerte zu den wenigen, die nach dem Überraschungssieg Trumps abgestraft wurden. Während der US-Leitindex Dow Jones  auf ein neues Rekordhoch kletterte, verzeichneten Amazon  , Apple  , die Google-Mutter Alphabet  , und Facebook  seitdem deutliche Verluste. Amazon-Chef Jeff Bezos verlor binnen 3 Tagen mehr als 1 Milliarde Dollar an Vermögen und musste Trump-Gewinner Warren Buffett im Reichstenranking wieder an sich vorbeiziehen lassen.

An der Wall Street findet ein Favoritenwechsel statt. Anleger verkaufen Technologiewerte und bringen die in den vergangenen Monaten aufgelaufenen Gewinne in Sicherheit. Die neuen Lieblinge der Wall Street sind nun die Bankentitel und die Bauwerte, die von Trumps geplanter Deregulierung sowie von dem milliardenschweren Infrastrukturprogramm profitieren sollen. Die einstigen Wall-Street-Lieblinge Apple  und Amazon  verzeichneten dagegen auch am Montag deutliche Verluste.

Die IT-Globalisierungsgewinner bangen um ihr Geld im Ausland

IT-Riesen sind die größten Gewinner der Globalisierung. Und jetzt?

Die US-Technologiewerte zählten zu den größten Gewinnern der Globalisierung - und sie werden ungewohnten Gegenwind verspüren, wenn Trump Handelsschranken aufbauen und einen Kurs der Abschottung fahren sollte. Außerdem dürfte die Tech-Branche unter Präsident Trump nur noch eine Branche unter vielen sein: Trump habe sich auf "andere Fragen als auf Technologie und Innovation" konzentriert, erklärt die Stiftung ITIF.

Nach Einschätzung von ITIF-Chef Rob Atkinson wird Trump die Branche künftig einfach "wie jede andere" behandeln. Mit der privilegierten Rolle, die sie während der Präsidentschaft von Barack Obama spielte, sei es vorbei. In Trumps Wahlkampfreden hätten die IT-Konzerne keinen "günstigen Wind" zu spüren bekommen, sagt Art Hogan von der Investmentfirma Wunderlich Securities.

Milliarden im Ausland gebunkert - Traum von Steuerdeal ausgeträumt?

Aber: "Man kann nicht Amerika seine Größe zurückgeben ohne eine starke Technologiebranche", betont Atkinson unter Anspielung auf den Wahlkampfslogan Trumps. Deshalb seien die vom künftigen Präsidenten geplanten Maßnahmen - wie Steuersenkungen für Unternehmen - vermutlich nicht komplett nachteilig für den Sektor. Mit Trump an der Spitze sei auch die Produktion in der Heimat "wieder sexy", schätzt der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. Das könne ein Vorteil für Unternehmen wie Intel  und Tesla  sein, die Fabriken in den USA betreiben.

Dennoch: Der Traum, die im Ausland gehorteten Milliarden steuerschonend in die Heimat zurückbringen zu können, dürfte für Apple, Amazon und Alphabet mit der Wahl Trumps wohl ausgeträumt sein. Trump hat in einigen Wahlkampfreden zwar von einem Steuerdeal gesprochen, wenn IT-Konzerne wie Apple einen Teil ihrer Produktion und damit Arbeitsplätze in die USA zurückverlagern. Für diese "Repatriierung" der Auslands-Milliarden soll nach US-Medienberichten jedoch ein Zuschlag von rund 10 Prozent auf die US-Einkommensteuer  fällig werden - damit würde die Steuerlast für die Unternehmen laut CBS auf rund 40 Prozent steigen. Das wäre nicht der Steuerdeal, den Apple-Chef Tim Cook sich erträumt hat.

Umsatzsteuervorteil von Amazon in Gefahr

Umsatzsteuer: Steuervorteil von Amazon in Gefahr

Für Amazon  kommt erschwerend hinzu, dass der Steuervorteil des Online-Händlers in den USA fallen könnte: Bislang muss Amazon in denjenigen US-Bundesstaaten, in denen der Online-Händler keine physischen Shops unterhält, keine Umsatzsteuern entrichten.

Gegen dieses Privileg waren bereits klassische Einzelhändler vorgegangen - bislang ohne Erfolg. Sollte dieser Steuervorteil fallen, müsste Amazon künftig in allen 50 US-Bundesstaaten Umsatzsteuer zahlen. Derzeit fällt Umsatzsteuer für Amazon nur in 23 Bundesstaaten an.

Trump hat außerdem den Ruf, sich sehr genau daran zu erinnern, wer ihn unterstützt hat und wer gegen ihn gewesen ist. Die Sache mit der Rakete, das weiß auch Jeff Bezos, wird Trump so schnell nicht vergessen.

la / mit AFP und reuters