Mittwoch, 22. Mai 2019

Fahrdienst Der europaweite Aufstand der Taxifahrer gegen Uber

App des Fahrdienstes Uber: Wer kann mich mitnehmen?

Liebling der Investoren, Feindbild der Taxifahrer: Der umstrittene Fahrdienst Uber hat gerade 1,2 Milliarden Dollar eingesammelt. Am Mittwoch wollen mehr als 30.000 Taxifahrer in ganz Europa Straßen blockieren - und damit gegen die Firma protestieren, deren Taxi-App die Branche durcheinanderwirbelt.

Paris/Madrid/Mailand - Taxifahrer in ganz Europa reagieren mit Protestaktionen gegen den Fahrdienst Uber: In Paris wollen mindestens 3000 Taxifahrer morgen früh ab 6 Uhr den Flughafen Charles de Gaulle blockieren, wie der Informationsdienst Bloomberg berichtet. Ähnliche Demonstrationen sind in Madrid, Mailand und Berlin geplant: In London werden nach Angaben der Fahrergewerkschaften rund 10.000 Black Cabs morgen Nachmittag den Trafalgar Square und den Parliament Square blockieren.

Damit hat der Protest gegen Uber eine neue Dimension erreicht: Bislang hatten sich die Fahrergewerkschaften auf lokale Aktionen in einzelnen Städten beschränkt - in Berlin wurde der Fahrdienst gar mit der Mafia verglichen.

Die europaweite, konzertierte Protestaktion zeigt, wie ernst die Fahrer die Bedrohung durch den Fahrdienst nehmen: Das Unternehmen aus San Francisco, das nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 17 Milliarden Dollar bewertet wird, bietet Nutzern der App Mitfahrgelegenheiten an - mit Fahrern, die keinen Taxi-Schein haben.

Noch ist offen, ob der europaweite Protest den Siegeszug von Uber aufhalten kann. Ähnlich wie die Proteste gegen den Vermietungsservice Airbnb zeigt auch die Revolte gegen Uber, wie eine neue Technologie eine traditionelle Dienstleistungsbranche existenziell gefährden kann.

Die Fahrer-Gewerkschaften fühlen sich gegenüber der Fahrdienst-App benachteiligt. "Seit Jahren muss das Taxi-Gewerbe mit immer neuen Abgaben und staatlichen Regulierungen zurechtkommen - sei es die Farbe der Taxis oder das GPS-Tracking", sagte Nadine Annet, Vorsitzende der FNAT Taxi Association in Frankreich, nach Angaben von Bloomberg. "Das Mindeste, was wir verlangen, ist eine ähnliche Behandlung der neuen Konkurrenz."

"Digitalanbieter zerstören den Markt"

In Berlin werden zahlreiche Taxi am Mittwoch zu einer Protest-Sternfahrt starten, die ab Flughafen Tegel, Bahnhof Südkreuz und Hauptbahnhof bis zu einer Kundgebung um 13 Uhr am Olympischen Platz führt. Die Veranstalter erwarten, dass sich rund 1000 Taxen in der Hauptstadt beteiligen.

"Jedes Taxi unterliegt strengen Auflagen - dies dient der Sicherheit des Fahrgastes", sagt Michael Müller vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband. Dazu zählten auch die jährliche technische Fahrzeugüberwachung, geeichte und verplombte Taxameter und die geprüfte Ortskunde des Fahrers. "Dieser gewachsene Verbraucherschutz wird zunehmend durch globale Digitalanbieter ausgehöhlt", kritisiert Müller. Der Taximarkt wird dadurch zerstört. Das Gewerbe fordert gleiche, faire Marktbedingungen für alle Teilnehmer im Taximarkt - und damit die gleichen Auflagen für Uber.

la/mmo

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