NTT Docomo in Milliardenstreit mit Tata Japaner könnten Jaguar pfänden - und Thyssens Pläne stören

Jaguar-Sportwagen: Die Luxusautoschmiede ist eines der wertvollen britischen Assets von Tata

Jaguar-Sportwagen: Die Luxusautoschmiede ist eines der wertvollen britischen Assets von Tata

Foto: JAGUAR

Der Streit hat seinen Ursprung in der Ferne, in geplatzten Hoffnungen auf lukratives Geschäft mit mobilen Netzen für Millionen junge Inder. Aber die Folgen könnten deutschen Konzernstrategen durchaus nahegehen.

Laut einem Bericht der "Financial Times" (€) hat der japanische Telekomkonzern NTT Docomo  Pfändungstitel gegen seinen indischen Ex-Partner Tata erhalten - und droht jetzt unter anderem, die von ThyssenKrupp  angestrebte Fusion der europäischen Stahlproduktion beider Konzerne zu torpedieren. Auch die von Volkswagen  als strategischer Partner auserkorene Autotochter Tata Motors  ist demnach im Visier.

Hintergrund ist ein gescheitertes Joint-Venture, in dem sich die Japaner 2008 an dem Mobilfunkdienst Tata Teleservices des indischen Konglomerats beteiligt haben. Damals wurde eine Ausstiegsklausel für den Fall vereinbart, dass die Finanzziele nicht erreicht werden.

Angesichts hoher Verluste verkündete NTT 2014 den Ausstieg - aber Tata verweigerte den Rückkauf der Anteile, und die indische Zentralbank erklärte die Option der Japaner für ungültig.

In London hatte NTT Docomo mehr Glück. Das Internationale Schiedsgericht bestätigte im Juni einen Anspruch auf 1,2 Milliarden Dollar. Zwar hat Tata diesen Betrag nur vorbehaltlich eines weiteren Urteils in Indien zurückgestellt. Doch nun hat das Londoner Handelsgericht den Japanern einen Pfändungstitel gegen britische Vermögenswerte der Holding-Gesellschaft Tata Sons gewährt, um an das Geld zu kommen.

Zugriff auch auf deutsche Stahlwerke?

Ein mögliches Ziel sind die britischen Stahlwerke von Tata Steel. Die sind zwar seit dem Frühjahr in der Bilanz auf annähernd null Wert abgeschrieben. Doch würde der laufende Notverkauf der verlustreichen Anlagen gestört, könnten die Inder eine entscheidende Vorbedingung für den Traum von Thyssen-Tata nicht erfüllen. In das Gemeinschaftsunternehmen soll nämlich nur das profitable niederländische Werk eingehen, befreit von allen britischen Altlasten.

Doch laut einer "FT"-Quelle, die NTT Docomo nahestehe, streben die Japaner ähnliche Ansprüche auch vor deutschen und niederländischen Gerichten an. Damit könnten sie die Stahlehe direkt verhindern. Kaum denkbar, dass der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat das Duisburger Werk mit einer Mehrheitsübergabe an Tata dem Pfändungsrisiko aussetzen würde.

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Thyssen, Tata oder der unbekannte Dritte: Das Endspiel für Europas Stahlindustrie

Foto: Marius Becker/ dpa

Ansonsten hält das von dem Ex-Airbus-Manager Günter Butschek geführte Tata Motors in Großbritannien noch ein wertvolles Asset: den unter Regie der Inder erfolgreich sanierten Luxushersteller Jaguar Land Rover.

Wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hofft auch Volkswagen auf Hilfe von Tata. Deren Autofirma soll mit der Erfahrung des Billigmodells Tata Nano ein profitabel zu produzierendes "Economy Car" in der Preisklasse 6000 bis 8000 Euro für die Massenmotorisierung in Schwellenländern entwickeln.

Ein Tata-Vertreter wiegelte gegenüber der "FT" ab: Die wichtigen Vermögenswerte würden sich schon nicht pfänden lassen, da Tata selbst daran zumeist nur Minderheitsanteile halte. Tatas deutsche Partner hoffen das sicher auch.


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