Geschäftsmodell von Marlboro und Co. bedroht Tabakindustrie verlangt schärfere Warnhinweise für Raucher - bei E-Zigaretten

Gesünder als Tabak: Die Zigarettenbranche sprich sich dennoch für Warnhinweise bei E-Zigaretten aus

Gesünder als Tabak: Die Zigarettenbranche sprich sich dennoch für Warnhinweise bei E-Zigaretten aus

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Hamburg - Es geschehen Zeichen und Wunder: Die Tabakindustrie fordert schärfere Warnhinweise vor dem Rauchen. Keinesfalls jedoch sollen diese auf den Schachteln von Marlboro, Lucky Strike und Co. prangen - sondern auf den Packungen von elektronischen Zigaretten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet .

Diese bedrohen zunehmend das Geschäft der Tabakriesen wie Altria  (Marlboro, Benson & Hedges), Reynolds (Camel, Natural American Spirit) oder British American Tobacco  (Lucky Strike, HB). E-Zigaretten gelten als wesentlich weniger gesundheitsgefährdend als Tabakzigaretten.

Altria ist nun selbst vorgeprescht und hat die E-Zigarettenpackungen der Tochterfirma MarkTen in den USA mit einem langen Warnhinweis versehen, obwohl so etwas dort gar nicht vorgeschrieben ist. Die Elektrozigaretten könnten süchtig machen, warnt MarkTen, das enthaltene Nikotin sei "sehr giftig". "Wir haben getan, was wir für richtig halten", sagte ein Altria-Sprecher.

"Das nützt dem Status quo"

Beobachter werten das Vorgehen als Versuch, klassische Zigaretten in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Die Tabakindustrie verschwöre sich zwar nicht gegen die neuen Wettbewerber, sagte Gesundheitsforscher Derek Yach gegenüber Reuters. Allerdings säe sie Zweifel, ob Elektrozigaretten wirklich besser seien. "Das nützt dem Status quo."

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Zudem gerät die oftmals kleinere reine E-Zigaretten-Konkurrenz unter Druck. Die neuen Firmen haben sich oft auf individuell modulierbare E-Zigarettensysteme spezialisiert, die das Geschäft der großen Zigarettenindustrie besonders stark bedrohen. Auch kleine Anbieter warnen allerdings zumindest auf ihren Internetseiten vor unsachgemäßem Gebrauch der E-Zigaretten.

Schon in der jüngeren Vergangenheit haben Tabakkonzerne den Druck auf die E-Zigarettenbranche verstärkt. Reynolds hatte Reuters zufolge bereits im August gefordert, modulare und wiederbefüllbare E-Zigaretten zu verbieten. Diese erleichterten Fälschern das Handwerk. Wenigstens sollten Rauchershops scharf reguliert werden, die die neuartigen Glimmstengel anbieten.

Reuters taxiert den weltweiten Markt für E-Zigaretten auf sieben Milliarden Dollar. In Deutschland gibt es laut Schätzungen zwei Millionen Elektrodampfer.

In Europa ist die Regulierung der E-Zigaretten laut dem Bericht bisher weitgehend Sache der Mitgliedstaaten. Allerdings müssen alle Hersteller sechs Monate vor dem Marktstart einer neuen E-Zigarette die genauen Zutaten und Emissionswerte benennen. Auch dies spielt aus Sicht der Branche großen Anbietern in die Hände.

Tabakindustrie-Analystin Shane MacGuill von Euromonitor International sieht in dem Verhalten der Branche nichts Verwerfliches. "Die Unternehmen sind nun einmal ihren Aktionären gegenüber verpflichtet, das bestmögliche Marktumfeld zu schaffen."

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