Samstag, 7. Dezember 2019

US-Justizministerium stellt Bedingungen T-Mobile US und Sprint - Fusion wohl kurz vor dem Ziel

Dado Ruvic / Reuters

Die Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint in den USA kommt offenbar einen entscheidenden Schritt voran - das hat auch die Aktien der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen an der Börse in Bewegung gebracht. Die Papiere waren am Morgen um 2 Prozent in die Höhe gegangen. Am Nachmittag betrug das Kursplus noch 0,4 Prozent.

Der Grund: Wie verschiedene Medien berichten, steht das US-Justizministerium kurz davor, den Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint zu genehmigen - allerdings mit Bedingungen. So sollen beide Unternehmen Prepaid-Geschäfte sowie Netzwerkkapazitäten an den US-Rivalen Dish Network abgeben. Das berichten beispielsweise das "Wall Street Journal" sowie das "Handelsblatt". Mit der Maßnahme will das US-Ministerium offenbar gewährleisten, dass auch künftig vier maßgebliche Unternehmen auf dem US-Telekommarkt aktiv sind.

Kommt es so, dann wäre es für die Telekom und das Team um T-Mobile-US-Chef John Legere einerseits ein wichtiger Erfolg und Meilenstein. Andererseits würde die Attraktivität des mühsam mit dem japanischen Milliardär und Tech-Paten Masayoshi Son verhandelten Deals aber auch geschmälert. Denn Ziel war immer eine Fusion, bei der am Ende ein Anbieter weniger am US-Markt ist, sodass die Unternehmen künftig vom gesunkenen Wettbewerbsdruck profitieren könnten.

Nach Informationen von manager-magazin.de ist T-Mobile US indes grundsätzlich dazu bereit, Dish Geschäftsanteile und Netzkapazitäten zur Verfügung zu stellen - allerdings lediglich in begrenztem Umfang. Legere und sein Team wollen ein "europäisches Modell" unbedingt verhindern, nach dem das fusionierte Unternehmen dem Wettbewerber Netzkapazitäten für einen Pauschalpreis zur Verfügung stellen müsste. Eine nutzungsabhängige Vergütung, bei der Dish T-Mobile zum Beispiel für das jeweils genutzte Datenvolumen bezahlen müsste, wäre jedoch vorstellbar, so die mm.de-Informationen.


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Hintergrund: Viele Monate hatte Telekom-Chef Tim Höttges gebraucht, um Softbank -Chef Masayoshi Son, der hinter Sprint steht, von einem Deal in den USA zu überzeugen, durch den T-Mobile US und Sprint zusammen zum drittgrößten Telekom-Anbieter der Vereinigten Staaten werden sollen. Am Ende hatte Höttges dank der starken Entwicklung von T-Mobile US die gewichtigeren Argumente auf seiner Seite. Der japanische Tech-Mogul stimmte zu, dass die Telekom die Kontrolle über einen gemeinsamen Anbieter bekommt. Wenn das Megaprojekt durchkommt.

Denn mittlerweile zieht sich der komplexe Genehmigungsprozess mehr als ein Jahr lang hin. Die Telekom-Aufsicht FCC hat unter ihrem anbieterfreundlichen Kurs des Chefs Ajit Pai zwar bereits grünes Licht signalisiert. Doch die Kartellabteilung des US-Justizministeriums will den Weg nur freimachen, wenn die Sprint-Prepaid-Tochter Boost nebst einigen Frequenzen verkauft wird, wie auch die "New York Times" berichtet.

Als Käufer steht den Medienberichten der US-Satelliten-TV-Anbieter Dish bereit. Dessen Chef Charlie Ergen hatte durch Übernahmen und Frequenzauktionen ein stattliches Sammelsurium an Mobilfunkfrequenzen ergattert - daher könnte Dish den Wettbewerb auch bei einer Fusion von Nummer drei und vier auf dem US-Markt hochhalten. Dish selbst steht ebenfalls unter Zugzwang, weil eigene nicht genutzte Mobilfunklizenzen verfallen könnten. Doch Ergen gilt als harter Verhandler. Gewisse Auflagen will er dem Vernehmen nach nicht akzeptieren - zum Beispiel Einschränkungen beim Weiterverkauf.

Und das ist nicht der einzige Stolperstein. Dreizehn US-Bundesstaaten und der Regierungsbezirk von Washington haben Klage gegen die Übernahme eingereicht, weil sie den Wettbewerb behindere und die Preise für die Kunden verschlechtern könnte. Schon mehrfach war eine Fusion der beiden US-Unternehmen an Bedenken dieser Art gescheitert. Ob sich die klagenden Staaten durch einen Dish-Deal besänftigen lassen, ist unklar. Ein langwieriger Rechtsstreit wäre ein großes Hindernis für den Fusionsplan.

T-Mobile-US-Chef John Legere hatte das Fusionsvorhaben gerade als Attacke auf die Platzhirsche Verizon und AT&T zu verkaufen versucht, die in einem Duopol die Kunden mit hohen Preisen schröpften.

Aus geschäftlicher Sicht soll sich das Vorhaben aber vor allem für die Telekom und T-Mobile selbst rechnen. Insgesamt hätte der Zusammenschluss - vor möglichen Verkäufen - rund 130 Millionen Mobilfunkkunden. Weil nicht beide Konzerne große Netze bauen und unterhalten müssten, kalkuliert die Telekom mit Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Dollar jährlich. Die Kosten für den Zusammenschluss sollen insgesamt bei rund 15 Milliarden Dollar liegen.

Das Vorhaben lassen sich T-Mobile und die Telekom einiges kosten: Bei Ankündigung war das Aktienpaket, was Sprint-Aktionäre im Tausch für ihre Anteile erhalten sollen, gut 26 Milliarden US-Dollar schwer. Mittlerweile sind die zum Tausch angebotenen T-Mobile-Aktien sogar rund 32,5 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro) wert. Die Finanzverschuldung des Bonner Mutterkonzerns würde durch die Übernahme zunächst stark steigen und soll dann durch Wachstum und Synergien abgebaut werden. Die Telekom hat ohnehin viel Geld in ihre US-Tochter gesteckt, um deren aggressives Wachstum zu finanzieren - mit rund 15 Milliarden Dollar steht T-Mobile US bei den Bonnern in der Kreide.

Wenn es nicht klappt, so hieß es bisher von Höttges, dann sei man auch alleine auf dem US-Markt gut aufgestellt und werde weiter attackieren. In den kommenden Tagen wird sich in den Verhandlungen aber vielleicht zeigen, was die Telekom von ihrem ursprünglichen Plan zu opfern bereit ist. Laut einem Bericht des US-Senders CNBC will das Justizministerium in dieser Woche eine Lösung sehen.

cr/dpa-afx

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