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Von Jeff Bezos bis Eike Batista: Die besten CEOS der Welt - und die schlechtesten

Sydney Finkelstein "Er übernahm in der Krise - und hat es schlimmer gemacht"

Tuck-Professor Sydney Finkelstein veröffentlicht jährlich die Liste der fünf schlechtesten CEOs der Welt. Im Interview erklärt er, warum die "Worst CEOs of the year" ihren Titel verdienen - und warum er seine Meinung auch mal ändert.
Von Kristian Klooß

mm: Herr Finkelstein, seit 2010 veröffentlichen Sie die Liste der schlechtesten CEOs der Welt. Diesmal haben Sie auch den fünf besten Firmenchefs ein Ranking gewidmet. Dabei fällt auf, dass es ein CEO, dessen Arbeit Sie 2011 noch verteufelt haben, diesmal in die Liste der Best-Performer geschafft hat. Wie kam es denn dazu?

Finkelstein : Sie sprechen von Reed Hastings, dem Chef des Videostreaming-Portals Netflix. Ehrlich gesagt bin ich selbst überrascht gewesen, dass es möglich ist, so einen Wiederaufstieg hinzulegen. Er hatte den Aktienkurs seines Unternehmens damals innerhalb eines Jahres um 70 Prozent in den Keller geschickt, weil er das klassische DVD-Versandgeschäft vom Film-Streaming-Geschäft trennte und dabei die Nutzer mit saftigen Preiserhöhungen und einem verkomplizierten Webauftritt verärgert hatte. Heute zeigt sich, dass Hastings richtig lag mit der Notwendigkeit, das Geschäftsmodell hin zum Streaming von Filmen zu entwickeln. Er hat nicht nur seine damaligen Fehler erkannt und reagiert, er geht jetzt auch die nächsten Schritte. Inzwischen gehört Netflix selbst zu jenen, die Inhalte schaffen - nehmen Sie nur TV-Serien wie House of Cards…

mm: …eine Serie über den amerikanischen Politbetrieb in Washington mit Hollywood-Star Kevin Spacey in der Hauptrolle…

Finkelstein: …und in den USA ein gigantischer Erfolg. Netflix ist mittlerweile in rund vierzig Ländern vertreten. Sind sie schon in Deutschland?

mm: Nein, bislang sind sie nur in den eher englischaffinen Ländern Europas am Markt: Großbritannien, Skandinavien, Holland. Aber die hiesigen Wettbewerber - vor allen die großen TV-Sender in Deutschland - haben ein Auge darauf. Was macht aus Ihrer Sicht den Führungsstil des Netflix-Chefs aus?

Finkelstein: Er folgt ein wenig dem Modell der ständigen Innovation von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Netflix denkt gerade über einen eigenen Smart-TV nach. Solche kontinuierlich an den Nutzern getesteten Produkte machen den Unterschied. Abgesehen davon nutzt Netflix Technologien wie die Coud sehr effektiv. Und kennen Sie die Präsentation  von Hastings über die Unternehmenskultur bei Netflix?

mm: Sheryl Sandberg, COO von Facebook, nannte sie bescheiden das wichtigste Dokument, das je im Silicon Valley entstanden ist…

Finkelstein: …und es macht dort die Runde. Hastings gehört zu jenen CEOs, die sagen, was sie vorhaben, und es dann auch tun. Deshalb habe ich meine Sicht auf ihn geändert und ihn in diesem Jahr in die Liste der Top-CEOs aufgenommen.

Was Jeff Bezos von Steve Ballmer unterscheidet

mm: Angeführt wird die Bestenliste allerdings vom schon erwähnten Amazon-CEO Jeff Bezos. Und das, obwohl der Konzern praktisch keine Gewinne schreibt. Microsoft hingegen, dessen scheidender CEO Steve Ballmer seit Jahren Milliarden an die Aktionäre ausschüttet, gehört ihrer Ansicht nach zu den fünf schlechtesten CEOs in 2013. Wie passt das zusammen?

Finkelstein: Erstens schaue ich mir sowohl die kurzfristigen Finanzzahlen als auch die Entwicklung über mehrere Jahre an, inklusive der Aktienkurse. Zweitens schaue ich mir die Entscheidungen an, die einerseits getroffen wurden und andererseits hätten getroffen werden sollen. Drittens müssen Sie sich auch anschauen, wie Microsoft dastand, als Steve Ballmer den Konzern um die Jahrtausendwende übernommen hat und was er seither aus dem Konzern gemacht hat. Immerhin gab es damals wohl kein Unternehmen, das besser positioniert war, um in den verschiedenen sich entwickelnden Technologiefeldern zu dominieren. Dominiert haben sie dann aber keines. Umsatz und Gewinn hängen weiterhin am Betriebssystem Windows und dem Office-Paket. Das sind Dinge, die Bill Gates geschaffen und an Steve Ballmer übergeben hat. Bei Microsoft bräuchte es wohl nicht mal einen CEO, um soviel Gewinn zu erwirtschaften wie es der Konzern heute tut.

mm: Sie haben auch zwei Asiaten auf Ihrer Bestenliste: den japanischen Toyota-Chef Akyo Toyota und den chinesischen Internetpionier Pony Ma. Unterschiedlicher könnten beide kaum sein.

Finkelstein: Toyoda haben wir dazu genommen, weil er einen beeindruckenden Wiederaufstieg mit dem japanischen Autokonzern hingelegt hat, nachdem er 2009 als Ur-Enkel des Firmengründers in einer sehr schwierigen Zeit zum CEO gewählt wurde. Da gab es die Pannenserie Toyotas, für die er sich vor dem US-Kongress entschuldigte. Dann der Tsunami in Japan, der Toyotas Zuliefererkette zerstörte. Nicht zuletzt der starke Yen, der die Exporte verteuert hat. Was dann passiert ist, ist bemerkenswert. Akio Toyoda hat die typisch japanischen Konzerneigenschaften, also das konservative, hierarchische und langsame Agieren, aufgebrochen. Die Geschäfte in Nordamerika und Lateinamerika zum Beispiel werden inzwischen von Amerikanern geführt. Früher waren diese Posten stets von Japanern besetzt. Abgesehen davon ist Akio Toyoda sehr stark in viele Einzelentscheidungen des Autobauers involviert - ähnlich wie es Steve Jobs bei Apple war.

Wer es fast auf die Liste geschafft hätte

mm: Warum hat es Pony Ma auf Ihre Liste geschafft?

Finkelstein: Das ist eine ganz andere Geschichte. Er hat sein Unternehmen Tencent in dem Sinne verändert, wie es zum Beispiel Microsoft nie geschafft hat. Er hat das Unternehmen von einem desktopzentrierten Modell hin zu einem mobilen offenen System entwickelt. Besonders populär ist die Plattform WeChat...

mm: ...eine chinesisches Mischung aus Facebook, Twitter und WhatsApp mit mehr als 400 Millionen Nutzern in Asien.

Finkelstein: Was im Hinblick auf Tencent und Pony Ma interessant sein wird, ist, ob er es schafft, was bislang kein chinesisches Internetunternehmen hinbekommen hat: Das zu exportieren, was es geschaffen hat.

mm: Kommen wir nochmal zu den Verlierern. Schon in den vergangenen Jahren haben Sie sich nicht gerade als Anhänger der Blackberry-Führungsriege geoutet. 2011 haben Sie die beiden Unternehmensgründer zu den schlechtesten CEOs des Jahres gewählt, in diesem Jahr stellen Sie deren Nachfolger, den Deutschen Thorsten Heins, ein schlechtes Zeugnis aus. Sehen sie wenigstens beim neuen CEO, John Chen, Licht am Ende des Tunnels?

Finkelsteiner: Zunächst muss man festhalten, dass Thorsten Heins wirklich einen der schwersten CEO-Jobs von allen hatte. Er übernahm den Job mitten in der Krise. Das Problem war: Er hat es schlimmer gemacht. Deshalb ist er auf der Liste. Was Blackberry betrifft, so glaube ich, dass die Software und vor allem die plattformübergreifenden Apps große Chancen mit sich bringen. Nach ihrer Veröffentlichung für iOS- und Android-Geräte wurden sie schon hunderte MiIlionen mal heruntergeladen. Das zeigt, welche Reputation die Marke noch immer besitzt. Blackberry könnte diese Software-Plattform weiter ausbauen. Wir werden sehen, ob es der neue CEO auch so sieht.

mm: Wer sind die populärsten Namen, die es nicht in eine der beiden Top5-Listen geschafft haben?

Finkelsteiner: Da gibt es einige: Zum Beispiel Jack Ma aus China, der CEO der Online-Handelsplattform Alibaba führt den Konzern gerade an die Börse. Howard Schultz, der CEO von Starbucks, der den Konzern weltweit wieder auf die Erfolgsspur gebracht hat. Der Inder Ajay Banga, CEO von Mastercard, der in einem harten Wettbewerbsumfeld mit Konzernen wie Paypal sehr stark die Innovationen vorantreibt und nicht dasitzt und hofft, dass das, was Mastercard immer gemacht hat, den Konzern auch in der Zukunft das Geschäft sichern wird. Schließlich Jeff Wayne, CEO von LinkedIn. Wobei ich jetzt nicht weiß, wie verbreitet das Netzwerk bereits in Deutschland ist.

mm: Bislang hat hier das deutsche Netzwerk Xing weit mehr Mitglieder. Gibt es auch negative Beispiele?

Finkelstein: Über die genannten hinaus eigentlich nicht. Was auch daran liegt, dass wir dort sehr vorsichtig abwägen. Denn eine Nennung in unserem Ranking verpasst einem CEO ja immerhin ein blaues Auge.


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