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Exporteinbruch der Schweizer Uhrenindustrie Warum die Uhrenbranche tiefer in die Krise rutscht

Die Aktionäre der Schweizer Swatch-Group mussten noch nicht darben. An warmen und kalten Häppchen herrschte bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen im Schweizerischen Grenchen noch kein Mangel. Doch bessert sich die aktuelle Wirtschaftslage der Branche nicht, dürfte der traditionelle "Apéro riche" demnächst deutlich schmaler ausfallen.

Die Branche befindet sich in einer der tiefsten Krisen ihrer Geschichte. Seit Jahresbeginn sind die Exporte der Branche um fast ein Zehntel (9,5 Prozent) eingebrochen, wie die Schweizer Zollbehörden am Dienstag mitteilten.

Dass die Lage ernst ist, ist nicht neu. Doch sie scheint sich weiter zu verschlimmern. Im April fiel das Minus bereits zum zweiten Mal in Folge sogar zweistellig aus. Nominal um satte 11 Prozent. Um Arbeitstage bereinigt sogar um 15 Prozent - real um mehr als 18 Prozent. Im März hatte das Minus den Angaben zufolge bereits bei 16 Prozent (real 21 Prozent) gelegen.

China gehört nicht mehr zu Top 3 Absatzmärkten

Während die USA mit einem minimalen Export-Plus einen kleinen Lichtblick boten , zeigten die Ausfuhren anderer wichtiger Märkte steil nach unten. In China betrug das Minus laut Verband der Schweizer Uhrenindustrie  satte 36 Prozent, was das Land von Platz drei der wichtigsten Abnehmerländer auf Rang sechs katapultierte.

Der Sturm tobt - Mitarbeiter zittern um Jobs

Aber auch in Frankreich (minus 31,4 Prozent), Deutschland (minus 11,1 Prozent) und Italien (minus 12,3 Prozent) fiel der Rückgang eklatant aus. Vor allem teure Stücke mit einem Wert von mehr als 3000 Franken (rund 2700 Euro) erwiesen sich als Ladenhüter. 

Angesichts solcher Zahlen sprach Helvea-Analyst Andreas von Arx von einem Sturm, der die Branche erfasst habe.

Ein Sturm, der so stark ist, dass selbst finanziell extrem gut ausgestattete Konzerne bereits Konsequenzen ziehen. Der Uhrenhersteller Swatch  (Omega, Breguet, Harry Winston, Blancpain, Glashütte Original, Longines) schloss kürzlich Entlassungen aufgrund der Nachfrageflaute noch explizit aus.

Richemont baut bereits Jobs ab

Bei Richemont (A. Lange & Söhne, Jaeger-LeCoultre, Montblanc, Piaget, Vacheron Constantin) sieht die Lage schon anders aus. Die Nummer zwei der Branche, deren Verkäufe laut Bloomberg alleine im April im 18 Prozent absackten, baute laut Bloomberg bereits im Vorjahr 500 Jobs ab. Nun sollen weitere 100 Arbeitsplätzen weichen.  Die Richemont-Aktie  hatte im vergangenen Jahr rund ein Drittel ihres Wertes verloren.

Besonders hart für die Hersteller ist, dass der aktuelle Niedergang weder regional begrenzt ist noch eine singuläre Ursache hat.

Smartwatches, Terroranschläge und Kampf gegen Korruption

Vielmehr haben die Konzern gleich an einer Vielzahl von Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Zum einen ist da die neue Konkurrenz durch sogenannte Smartwatches, der viele Hersteller nur zögerlich etwas entgegensetzen. Zwar wird beispielsweise die Apple Watch von vielen bislang als Flop gesehen. Angesichts von geschätzten 14,4 Millionen verkauften Exemplaren alleine im ersten Jahr, dürfte sie für die Uhrenhersteller doch zu spürbaren Einbußen gekommen sein.

Hinzu kommt, dass vor allem die Luxusmarken sehr stark unter der Antikorruptionskampagne in China und dem erstarkten Dollar leiden.

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Hinzu kommen die Folgen der Terroranschläge von Paris und Brüssel. Der "feel-bad factor" sei stark zu spüren, fasste es Richemont-CEO Richard Lepeu bei der Präsentation der neuesten Zahlen zusammen.  

Und selbst die Reiselust der traditionell einkaufsfreudigen Chinesen in die Schweiz hat aufgrund neuer Visabestimmungen zuletzt spürbar nachgelassen. Alleine im Februar sank die Übernachtungszahl chinesischer Touristen laut dem Schweizer Fremdenverkehrsamt um 20 Prozent. Schmerzhaft, wenn man bedenkt, dass jeder chinesische Tourist pro Tag im Schnitt rund 350 Franken (aktuell rund 315 Euro) im Gastland lässt.

Richemont schmilzt bereits Uhren ein

Angesichts so vieler Hiobsbotschaften wundert es kaum, dass selbst Konzerne wie Richemont mittlerweile zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. So nimmt der Luxusgüterhersteller nach Angaben seines CEO Richard Lepeu mittlerweile Ladenhüter auf Bitten asiatischer Händlern zurück  und tauscht sie gegen angesagtere Modelle aus. Die Rückläufer werden entweder an Orte mit stärkerer Nachfrage verschifft oder teilweise sogardemontiert und eingeschmolzen. 

Und selbst Rabatte scheinen laut Presseberichten  mittlerweile kein Tabu mehr zu sein. Es könnte eng werden an der Häppchenfront.

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