Freitag, 15. November 2019

Franz-Nachfolge Lufthansa-Investoren dringen auf Spohr

Kronprinz für die Konzernchef-Nachfolge: Carsten Spohr

Die Nachfolge von Lufthansa-Chef Christoph Franz scheint alles andere als geklärt: Der eigentliche Kronprinz Carsten Spohr erhält Schützenhilfe von einem Großinvestor - zuletzt wurde auch Ex-Telekom-Chef René Obermann als Kandidat für den Posten gehandelt.

Frankfurt am Main - Bei der Suche nach einem neuen Chef für die Lufthansa dringen wichtige Investoren auf eine rasche Klärung. "Es ist höchst ungewöhnlich, wie lange sich der Konzern Zeit lässt mit der Suche nach einem neuen Chef", sagte Henning Gebhardt, Manager von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dabei habe das Unternehmen den passenden Kandidaten bereits an Bord. "Als Investoren haben wir den Eindruck, dass Carsten Spohr der Richtige für die Lufthansa-Spitze ist. Mit jedem Tag, den sich die Entscheidung noch zieht, wird seine Position geschwächt."

Spohr, der das umsatzstarke Passagiergeschäft der Fluggesellschaft leitet, gilt schon länger als Kronprinz für die Nachfolge von Konzernchef Christoph Franz. Eine Sprecherin des Dax-Konzerns sagte, "der Prozess wird - wie von Anfang an angekündigt - mit internen und externen Kandidaten durchgeführt". Dabei gebe es keinen Zeitdruck. Der Vertrag von Franz läuft noch bis Ende Mai.

Der gegenwärtige Lufthansa-Boss Franz hatte bereits vor vier Monaten angekündigt, seinen Vorstandsjob mit Auslaufen des Vertrags an den Nagel zu hängen und im Frühling zum Schweizer Pharmakonzern Roche Börsen-Chart zeigen zu wechseln. Der Schritt sorgte für Aufsehen, da die Fluggesellschaft mitten im Umbau steckt. Zuletzt kam bei der Suche nach einem Nachfolger aber ein neuer Name ins Spiel: Ex-Telekom-Chef René Obermann steht offenbar auf einer Liste potenzieller Kandidaten. Konzerninsider räumen dem Top-Manager wegen mangelnder Erfahrung in der Luftfahrt allerdings kaum Chancen ein.

Die Suche nach einem neuen Konzernlenker läuft unter Federführung von Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber, der dabei sehr bedächtig vorgeht. Der Grund: Der Österreicher, der die Lufthansa Börsen-Chart zeigen selbst sieben Jahre lang geführt hat, ist ein gebranntes Kind, seitdem mächtige US-Fonds vor der Hauptversammlung im Mai beinahe seinen Einzug in das Kontrollgremium verhindert hatten. Sie argumentierten, dass seit dem Abschied von Mayrhuber aus der Lufthansa-Führung zu wenig Zeit verstrichen sei - damit könne er seinem Nachfolger nicht effektiv auf die Finger klopfen.

Kandidat Spohr wird sich also noch ein wenig in der Warteschleife gedulden müssen. Dem 47-Jährigen trauen viele im Konzern und Aufsichtsrat den Top-Job zu. Der selbstbewusst auftretende Manager ist seit 2011 im Vorstand der Lufthansa. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur und Airbus-Pilot kennt sich nach zwei Dekaden bei der Lufthansa in jeder Ecke des Konzerns mit seinen 115.000 Mitarbeitern aus.

Die Geschäftszahlen untermauern seine Ambitionen: Der operative Gewinn der Lufthansa-Passagiersparte und ihrer Billigtochter Germanwings schnellte in den ersten neun Monaten 2013 um 170 Prozent auf 300 Millionen Euro nach oben.

ts/rtr

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