Ray Ban, M&M, Fanta und mehr Zehn Produkte mit militärischer Vergangenheit

Anschlussverwendung im Zivilleben? Laut Bundeswehr funktioniert das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch nicht zuverlässig

Anschlussverwendung im Zivilleben? Laut Bundeswehr funktioniert das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch nicht zuverlässig

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / dpa

Schlechte PR für Heckler & Koch: Die Bundeswehr beklagt, das Gewehr G36 aus der Fabrikation des Waffenherstellers sei nicht treffsicher. Wenn die Waffe etwa heißgeschossen sei, zeigten sich deutliche Abweichungen, so das Verteidigungsministerium. Heckler & Koch widerspricht der Darstellung zwar, Ministerin von der Leyen denkt aber schon darüber nach, das G36 durch ein anderes Gewehr zu ersetzen, schreibt Spiegel Online. Von dem Modell haben die deutschen Streitkräfte knapp 180.000 Stück erworben.

Ein Gewehr, das nicht präzise trifft - wozu soll das gut sein? Ein Vorschlag: Das Unternehmen könnte das G36 zum Spielzeuggewehr umrüsten und in den Einzelhandel bringen.

Ein schlechter Scherz? Stimmt. Aber einer mit ernsthaftem Hintergrund: Tatsächlich ist die Anzahl der Marken und Produkte auf dem Weltmarkt, die eine militärische Vergangenheit haben, größer als viele vielleicht denken. Vom Geländewagen bis zum Taschenmesser, von der Sonnenbrille bis zum Regenmantel - vieles, was wir heute wie selbstverständlich im Alltag benutzen, wurde ursprünglich mehr oder weniger zu Kriegszwecken entwickelt.

Hier eine kleine Übersicht besonders prominenter Fälle:

M&Ms - Zuckerglasur gegen die Hitze des spanischen Bürgerkriegs

Süßes für Soldaten: Das Vorbild für die M&Ms fand Erfinder Forrest Mars im spanischen Bürgerkrieg

Süßes für Soldaten: Das Vorbild für die M&Ms fand Erfinder Forrest Mars im spanischen Bürgerkrieg

Foto: REUTERS

Auf die Idee zu den berühmten M&Ms aus dem Hause Mars kam deren Erfinder Forrest E. Mars senior einem Bericht der US-Plattform Business Inisder zufolge, als er Soldaten im spanischen Bürgerkrieg dabei beobachtete, wie sie ähnliche kleine Schokolinsen mit Zuckerglasur verzehrten. So war die Schokolade davor geschützt, in der Sonne zu schmelzen.

Die Abkürzung M&Ms steht übrigens für "Mars & Murrie's", nach Erfinder Forrest E. Mars, der auch die Idee zum Mars-Schokoriegel hatte, sowie dessen Geschäftspartner Bruce Murrie.

Wie Business Insider weiter schreibt, bereiste Mars Ende der 1930er Jahre das Spanien des Bürgerkriegs gemeinsam mit einem Mitglied der Rowntree-Familie. Die Rowntrees betrieben später ebenfalls einen Süßwarenunternehmen und brachten die "Smarties" auf den Markt, die den "M&Ms" sehr ähneln und ausschließlich außerhalb der USA vertrieben wurden. Die Firma ging später im Nestlé-Konzern auf.

Trenchcoat - ein Mantel für die Offiziere

Peter Falk alias Kommissar Columbo, Humphrey Bogart oder Horst Tappert alias Stephan Derrick: Prominente Trenchcoat-Träger gibt es viele. Zuerst wurde der bekannte Regenmantel-Typ allerdings von britischen Offizieren genutzt

Peter Falk alias Kommissar Columbo, Humphrey Bogart oder Horst Tappert alias Stephan Derrick: Prominente Trenchcoat-Träger gibt es viele. Zuerst wurde der bekannte Regenmantel-Typ allerdings von britischen Offizieren genutzt

Foto: DPA/ Universal

Aquascutum ist eines der traditionsreichen britischen Textilunternehmen. Der Hersteller von Bekleidung und Accessoires wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und bietet heute vor allem Ware im oberen Preissegment an.

Zu den bekanntesten Produkten des Hauses gehören die sogenannten Trenchcoats, die gegen das oft schmuddelige Wetter Großbritanniens helfen und sich inzwischen auch jenseits der Grenzen großer Beliebtheit erfreuen.

Ihre erste Bewährungsprobe bestanden diese Mäntel indes während des Krimkrieges (1853 bis 1856), in dem sich Russen und Türken gegenüberstanden. Großbritannien und andere Länder unterstützten das Osmanische Reich in dem Konflikt - und die britischen Offiziere trugen mit Vorliebe Trenchcoats aus dem Hause Aquascutum, um dem Regen und Matsch in den Schützengräben Russlands zu widerstehen (Trench = Graben, Schützegraben).

Ray-Ban Aviator - die Pilotenbrille schlechthin

Hübsch und nützlich: Die Sonnenbrille "Aviator" von Ray-Ban wurde ursprünglich für Army-Piloten entwickelt

Hübsch und nützlich: Die Sonnenbrille "Aviator" von Ray-Ban wurde ursprünglich für Army-Piloten entwickelt

Foto: AFP

Eines der berühmtesten Sonnenbrillenmodelle der Welt ist zweifellos die "Aviator" von Ray-Ban. Der Beiname "Pilotenbrille" lässt bereits vermuten, wo die Ursprünge dieses heute weitverbreiteten Mode-Accessoires liegen: Die "Aviator" wurde eigens für die Piloten der US-amerikanischen Air Force entwickelt.

Die Original Ray-Ban Aviator-Brille stammt aus dem Jahr 1936 und hatte grüne Gläser.

Jeep - der Urvater aller SUVs

Keimzelle einer Modewelle: Der erste Jeep fuhr im zweiten Weltkrieg

Keimzelle einer Modewelle: Der erste Jeep fuhr im zweiten Weltkrieg

Foto: REUTERS

Der Jeep ist heute der Inbegriff des modernen Großstadtgeländewagens, kurz SUV. Bekannt ist die Marke des Fiat-Chrysler-Konzerns vor allem für die Modelle Cherokee sowie Grand Cherokee, die beide bereits seit Jahren in immer wieder überarbeiteter Version gebaut werden. Als Urvater aller Jeeps gilt indes der "Willys MB", der ab 1941 auf Anfrage und im Auftrag der US-Armee hergestellt wurde. Erst nach Ende des zweiten Weltkriegs begann der Hersteller, Fahrzeuge für die zivile Nutzung zu produzieren.

Schweizer Taschenmesser für Schweizer Soldaten

Scharfes Teil: Das Schweizer Taschenmesser nutzten zuerst die Soldaten der Eidgenossen

Scharfes Teil: Das Schweizer Taschenmesser nutzten zuerst die Soldaten der Eidgenossen

Foto: REUTERS

In diesem Fall ist es offensichtlich, denn die Herkunft steckt bereits im Namen: Auch das Schweizer Offiziersmesser ist eine Erfindung, die zunächst vom Militär genutzt wurde.

Die Victorinox AG in der Schweiz, die die typischerweise roten Vielzweckmesser herstellt, geht zurück auf eine Gründung des Schweizers Karl Elsener aus dem Jahre 1884. Elsener ist einer der Pioniere der Branche bei den Eidgenossen und war der erste, der die Schweizer Armee mit Soldatenmessern belieferte. Heute beschäftigt Victorinox weltweit deutlich mehr als 1000 Mitarbeiter und produziert neben Messern Produkte in fünf weiteren Kategorien.

Hugo Boss - dunkles Kapitel in der Firmengeschichte

Bunte Gegenwart, dunkle Vergangenheit: Hugo Boss rettete sich in den 1930er Jahren mit Nazi.-Uniformen vor der wahrscheinlichen Pleite

Bunte Gegenwart, dunkle Vergangenheit: Hugo Boss rettete sich in den 1930er Jahren mit Nazi.-Uniformen vor der wahrscheinlichen Pleite

Foto: Thomas Kienzle/ AP

Die Firma Hugo Boss wurde 1924 von Hugo Ferdinand Boss als Hersteller von Berufskleidung gegründet. Kurz darauf begann das dunkle Kapitel der Unternehmensgeschichte: Der Firmengründer trat der NSDAP bei und begann in wirtschaftlich schwieriger Lage, Uniformen für die Nationalsozialisten zu produzieren. Mit der Herstellung der Kleidung vor allem für SS und Wehrmacht gelang es dem Unternehmen, sich zu sanieren. Zudem beschäftigte die Firma während dieser Zeit mehr als 100 Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene.

Der heutige Hugo-Boss-Konzern macht keinen Hehl aus dieser düsteren Vergangenheit. Im Gegenteil: Vor einigen Jahren gab Hugo Boss eine Studie in Auftrag, mit der Transparenz geschaffen und die Unternehmenshistorie aufgearbeitet werden sollte. Eine Zusammenfassung der Arbeit findet sich auf der Firmen-Website. Zudem hat das Unternehmen in den internationalen Fonds zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter eingezahlt.

Fanta - Erfrischungsdrink für Nazi-Deutschland

Aus der Not geboren: Weil Coca-Cola im zweiten Weltkrieg in Deutschland keine Zutaten mehr für seine braune Brause fand, wurde kurzerhand die Fanta erfunden

Aus der Not geboren: Weil Coca-Cola im zweiten Weltkrieg in Deutschland keine Zutaten mehr für seine braune Brause fand, wurde kurzerhand die Fanta erfunden

Foto: AFP

Auch das Brausegetränk Fanta aus dem Coca-Cola-Konzern hat seine Wurzeln in Nazi-Deutschland. Als hierzulande in den 1940er Jahren kriegsbedingt die Rohstoffe für Coca-Cola knapp wurden, erfand das Unternehmen mit Fanta einen Ersatz, um die wegbrechenden Umsätze aufzufangen.

Zwischenzeitig war die Fanta-Produktion von Coca-Cola allerdings gestoppt worden. Das Getränk, das heute unter dem Namen vermarktet wird, gibt es erst seit 1955 - es hat von seiner Rezeptur her mit der Ur-Fanta kaum etwas zu tun.

Deuter - mit dem Rucksack in den Krieg

Schweres Gepäck: Der Rucksackhersteller Deuter, im Bild bestaunt von EU-Kommissar Günther Oettinger, machte in Weltkrieg 1 und 2 gute Geschäfte

Schweres Gepäck: Der Rucksackhersteller Deuter, im Bild bestaunt von EU-Kommissar Günther Oettinger, machte in Weltkrieg 1 und 2 gute Geschäfte

Foto: picture-alliance/ dpa

Die Rucksack-Firma Deuter wurde von Hans Deuter bereits 1898 in Augsburg-Oberhausen gegründet. Erster Großkunde des Unternehmens war nach dessen Angaben allerdings ab 1910 das Militär, für das Tornister, Rucksäcke sowie Lager- und Stallzelte gefertigt wurden.

Auch im zweiten Weltkrieg macht Deuter gute Geschäfte. Für die Wehrmacht werden Ausrüstungsgegenstände und Zelte hergestellt, heißt es auf der Website. "Die Fertigung lastet das Werk fast vollständig aus."

Hummer - Profisportler und Zuhälter statt GIs am Steuer

Statussymbol für Leute, die eins brauchen: Der Hummer ist ursprünglich ein Militärfahrzeug

Statussymbol für Leute, die eins brauchen: Der Hummer ist ursprünglich ein Militärfahrzeug

Geländewagen des Typs Hummer werden vor allem von US-Profisportlern, Leuten aus dem Showgeschäft oder Halbweltgrößen gefahren. Wie der Jeep hat aber auch der Hummer seinen Ursprung im militärischen Bereich. Ursprünglicher Hersteller ist AM General, ein Unternehmen, das die US-Armee mit Fahrzeugen aller Art beliefert.

Inzwischen liegen die Markenrechte des Hummer bei General Motors, das auch die Nachfolgemodelle des Originals ("Hummer H1") auf den Markt brachte.

Internet - Keimzelle im US-Verteidigungsministerium

Tägliche Selbstverständlichkeit: Das wir das Internet haben, verdanken wir auch dem US-Verteidigungsministerium

Tägliche Selbstverständlichkeit: Das wir das Internet haben, verdanken wir auch dem US-Verteidigungsministerium

Foto: Britta Pedersen/ picture alliance / dpa

Viele wissen es längst: Auch das Internet, in dem wir uns gerade befinden, geht auf eine Entwicklung des Militärs zurück. Die Urversion war das sogenannte Arpanet aus dem Jahr 1969, ein Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums, mit dem Forschungseinrichtungen und Universitäten vernetzt wurden.

Die Grundlagen des heutigen Internets stammen von Anfang der 1980er Jahre. Seine kommerzielle Nutzung begann etwa zehn Jahre später, Anfang der 1990er.

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