Firmen fürs Ego Mein Jet, meine Jacht, meine Edelmanufaktur

Kaufe ich ein Klavier oder gleich die Klavierfirma? Reiche wählen jetzt öfter die große Lösung: Hedgefonds-Star John Paulson kauft Steinway, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking legt sich eine Edelschuh-Manufaktur zu, Amazon-Gründer Jeff Bezos nimmt die Washington Post. Ein Überblick.
Hier investierte Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: In der Manufaktur Heinrich Dinkelacker entstehen exklusive Schuhe

Hier investierte Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: In der Manufaktur Heinrich Dinkelacker entstehen exklusive Schuhe

Foto: Heinrich Dinkelacker GmbH

Hamburg - Internetikone Jeff Bezos kauft die Washington Post? Da muss sich der Amazon-Gründer wohl in irgendeinem Onlineshop verklickt haben, vermutete das Magazin "New Yorker" sogleich in einem satirischen Beitrag .

Tatsächlich meint Bezos die Sache ernst. Überdies ist er nur einer von zahlreichen Managern, Unternehmern und reichen Erben, die ihr Geld verstärkt in renommierten Firmen anlegen: So übernimmt Hedgefonds-Legende John Paulson den traditionsreichen Klavierbauer Steinway, die Wella-Erbenfamilie Ströher steigt beim Suhrkamp-Verlag ein. Die Liste lässt sich fortsetzen (siehe unten).

Damit entfernen sich die meisten Investoren meilenweit von ihrem Kerngeschäft. Sind ihre Käufe reine Philanthropie? Oder gar Ausdruck depressiver Langeweile, nachdem Anleihen, Aktien oder das zehnte Apartmenthaus irgendwie keinen Spaß mehr gemacht haben?

Nur protzen oder die Firma entwickeln?

"Manch einem genügt der Anteil an einem berühmten Label, damit er damit protzen kann", sagt Arnim Kogge, Geschäftsführender Gesellschafter des Vertiva Family Offices. Meist interessierten sich seine Kunden aber für Firmen, zu denen sie einen geschäftlichen Bezug haben und die nicht nur als Schmuck dienen.

Hohe Verluste nimmt überdies ohnehin praktisch niemand in Kauf - manch einen Fußball-Investoren einmal ausgenommen. "In den meisten Fällen sind derartige Engagements monetär getrieben und beruhen nicht auf Liebhaberei allein", sagt Family-Office-Expertin Yvonne Brückner, Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Ihre Untersuchungen haben ergeben: Nur in den seltensten Fällen seien Investoren etwa bereit, defizitäre Firmen jahrelang durchzuschleppen.

Damit dies jedoch nicht ungewollt der Fall ist, gibt es einiges zu beachten. Positiv wirkt sich etwa aus, wenn der persönliche Bezug zu einer Firma oder einem Branche eine Vorgeschichte hat. "Wenn ein Thema im unternehmerischen Sinn oder als Liebhaberei Tradition in der Familie hat, bestehen oft hervorragende Kontakte", sagt Brückner. "Sie lassen sich vielfach in Lieferanten- oder Kundenbeziehungen umwandeln und stärken so das Investment." Ohne echten Bezug zum Geschäft droht dagegen Selbstüberschätzungsgefahr.

Manche reiche Geldgeber investieren aus langjähriger Tradition an, manche aus Hobby. Wieder andere sehen schlicht kaum noch attraktive Geldanlagen und setzen auf die langfristige Strahlkraft bekannter Marken. In den überwiegenden Fällen identifizieren sich die Käufer jedoch stark mit ihrem neuen Edel-Investment - es ist nicht zuletzt gut fürs Ego. manager magazin online zeigt einen Überblick.

John Paulson kauft Steinway: Rachmaninow statt Rendite

Paulsons Versprechen: An der Qualität der Instrumente wird sich nichts ändern

Paulsons Versprechen: An der Qualität der Instrumente wird sich nichts ändern

Foto: Axel Heimken/ dpa

Investor: John Paulson ist eine lebende Legende der Hedgefondsbranche. Mit seiner Wette gegen US-Immobilienhypotheken errang der Fondsmanager 2008 Weltruhm und ein Milliardenvermögen. Seitdem gingen aber viele andere Wetten wie die auf steigende Goldpreise schief. Neuerdings tritt der früher medienscheue Paulson auch im Fernsehen auf, um die Flucht der Anleger aufzuhalten.

Objekt: Steinway & Sons  baut seit 160 Jahren Klaviere. Zum New Yorker Unternehmen mit Zweitsitz in Hamburg gehören auch noch Hersteller anderer Instrumente wie Klarinetten oder Posaunen. Um Steinway balgten sich die Finanzinvestoren geradezu. Die Private-Equity-Firma KKR wollte 438 Millionen Dollar zahlen, Paulson bot am Mittwoch 500 Millionen - ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35.

Prestige-Faktor: Viel höher geht ein Unternehmenskauf in der Welt der klassischen Musik nicht. Lang Lang spielt nur auf Steinway, ebenso hielt es Sergej Rachmaninow. Ein guter Flügel braucht ein Jahr Produktion, ist Steinways Credo. An der Qualität der Instrumente werde sich nichts ändern, meinte Paulson am Mittwoch versichern zu müssen. Effizienzreserven dürfte er dann aber auch nicht heben. Das seit 1996 genutzte Börsenkürzel LVB (Ludwig van Beethoven) wird jetzt frei.

Sylvia Ströher und Suhrkamp: Von Wella zur Weltliteratur

Schmuck: Eine Regalwand mit der regenbogenfarbenen Edition Suhrkamp

Schmuck: Eine Regalwand mit der regenbogenfarbenen Edition Suhrkamp

Foto: Alexander Rüsche/ picture alliance / dpa

Investoren: Sylvia und Ulrich Ströher sind bisher als klassische Kunstmäzene aufgefallen. Reich wurden die Darmstädter mit dem Verkauf der Familienfirma Wella an Procter & Gamble  2003. Der US-Konzern zahlte 6,5 Milliarden Euro für den Kosmetikhersteller.

Objekt: Der 1945 gegründete Suhrkamp-Verlag ist zwar pleite, aber vor allem wegen eines Streits der Gesellschafter Ulla Unseld-Berkéwicz und Hans Barlach. Jetzt zahlen die Wella-Erben vorübergehend die Gehälter der Autoren, an einem späteren Einstieg als Eigentümer über die umgewandelte "Diskus Vierhundertelfte Beteiligungs- und Verwaltungs-GmbH" sollen sie interessiert sein.

Prestige-Faktor: Schon jetzt sind die Ströhers in den Feuilletons, weil sie die Gehälter von Peter Sloterdijk oder Elfriede Jelinek zahlen. Solche Prominenz im Bildungsbürgertum hatte Wella nie. Als Verleger könnten sie sich noch mit Namen wie Bertolt Brecht oder Hermann Hesse schmücken.

Andreas Jacobs in Iffezheim: Rennpferde statt Röstkaffee

Großer Auftritt: Jacobs in Iffezheim zur Großen Woche

Großer Auftritt: Jacobs in Iffezheim zur Großen Woche

Foto: DPA

Investor: In der vom manager magazin geführten Liste der reichsten Deutschen kommt die Familie Jacobs mit 4,6 Milliarden Euro Vermögen auf Rang 16. Als Mehrheitseigner des weltgrößten Schokoladeherstellers Barry Callebaut und Gesellschafter der Zeitarbeitsfirma Adecco stehen die Bremer Kaffeeerben (die Rösterei Jacobs gehört seit 1990 nicht mehr zur Familie, heute Mondelez ) voll im Geschäft. Die Holding führt Andreas Jacobs.

Objekt: Die Galopprennbahn Iffezheim gehört zwar nicht Jacobs, nach der Insolvenz des dortigen Internationalen Clubs pachtete er die Rennbahn bei Baden-Baden aber 2010. Geld ist mit diesem Investment kaum zu verdienen.

Leica-Investor Andreas Kaufmann: Lieber Luxuskameras als Lehrerdasein

Sammlerstück: Leica Nummer 116 von 1923, versteigert 2012 in Wien

Sammlerstück: Leica Nummer 116 von 1923, versteigert 2012 in Wien

Foto: LEONHARD FOEGER/ REUTERS

Prestige-Faktor: In Baden-Baden trifft sich die Haute Volée, selten kommt ein deutsches Gesellschaftsereignis so nah an Ascot wie in der Iffezheimer Großen Woche. Jacobs' Glaubwürdigkeit ist hoch. Als Pferdenarr hatte schon Andreas' Großvater Walther J. Jacobs sich um den Rennsport verdient gemacht und das Gestüt Fährhof nahe Bremen gekauft, Vater Klaus fügte einen weiteren Hof bei Oxford hinzu und trat im Dressurreiten für seine Wahlheimat Schweiz an. Investor: Eines hat Andreas Kaufmann nicht: einen typischen Manager-Lebenslauf. 15 Jahre lang arbeitete der Spross einer österreichischen Papierdynastie als Lehrer an einer Waldorfschule. 1998 erbten er und seine beiden Brüder 1,5 Milliarden Euro von ihrer Tante. Kaufmann schmiss den Lehrerjob und gründete eine Holding. 2004 kaufte er sich bei dem kriselnden Kamerahersteller Leica ein, ein Jahr später übernahm er die Mehrheit - und bald darauf auch die Geschäftsführung.

Objekt: Der Kamerahersteller mit Sitz im hessischen Solms gilt als Erfinder der Kleinbildkamera. Seit 100 Jahren baut Leica edle Fotoapparate, doch das Unternehmen verschlief die Digitalisierung - und war 2004 so gut wie pleite. Hobbyfotograf Kaufmann steckte Millionen an eigenem Geld in die Sanierung. Die ist offenbar geglückt: Im Jahr 2011 stieg der Finanzinvestor Blackstone bei Leica ein, das Unternehmen schrieb 2012 rund 60 Millionen Gewinn und zahlte erstmals seit Jahren wieder eine Dividende.

Prestige-Faktor: Leica war viele Jahrzehnte lang die erste Wahl für Fotojournalisten: Kriegsfotograf Robert Capa oder Henri Cartier-Bresson setzten auf die deutschen Kleinbildkameras. Dem Boom der Digitalfotografie hatte Leica zunächst wenig entgegenzusetzen. Kaufmann hat jedoch einen Kulturwandel eingeleitet: Leica brachte zuletzt bis zu vier neue Modelle im Jahr auf den Markt - zu hohen Preisen: Das Gehäuse der digitalen Messsucherkamera M9 kostet fast 6000 Euro.

Wang Jianlin kauft Sunseeker: Bootsluxus statt Baukräne

Sunseeker Portofino 48: Viel Glas und ein Doppelbett in der Kajüte - für 700.000 Euro

Sunseeker Portofino 48: Viel Glas und ein Doppelbett in der Kajüte - für 700.000 Euro

Investor: Wang Jianlin ist der drittreichste Mann Chinas, sein Vermögen wird vom US-Magazin Forbes auf 8,6 Milliarden Dollar geschätzt. 16 Jahre lang diente Jianlin in der chinesischen Volksarmee, 1986 sattelte er auf den Immobiliensektor um. Heute ist sein Unternehmen Dalian Wanda Group einer der größten chinesischen Immobilienentwickler - und seit dem Kauf der AMC Entertainment Holding auch einer der größten Kinosaalbetreiber der Welt.

Objekt: Sunseeker International ist der größte Luxusjachthersteller Großbritanniens, die noblen Boote waren bereits in mehreren James-Bond-Filmen zu sehen. 320 Millionen Pfund bezahlte Jianlin im Juni für Sunseeker, das profitabel arbeitet. Doch der reiche Chinese stieg kaum aus reiner Liebhaberei ein. Seine Dalian Wanda Group baut derzeit drei Jacht-Clubs in China. Dafür kann er wohl gut ein paar britische Luxusboote gebrauchen.

Prestige-Faktor: Noble Jachten und schnittige Schnellboote gehören seit jeher zu den Lieblingsspielzeugen der Superreichen - bei ihnen hat Sunseeker einen exzellenten Ruf. Auch Wang Jianlin selbst ist seit 2010 stolzer Sunseeker-Besitzer: Er hat sich eine Jacht gekauft, die in dem James-Bond-Film "Casino Royale" zu sehen ist. Billig ist britischer Luxus auch auf dem Wasser nicht: Die günstigsten Sunseeker-Boote starten bei 400.000 Pfund, für ihre neueste 47-Meter-Jacht verlangen die Briten 20 Millionen Pfund - vor Steuern.

KPM-Sanierer Jörg Woltmann: In die Nachfolge Friedrichs II. eingekauft

Porzellan-Bugatti von KPM: Direkte Linie zum Alten Fritz

Porzellan-Bugatti von KPM: Direkte Linie zum Alten Fritz

Investor: Jörg Woltmann gehört eher zu den Lokalgrößen der deutschen Wirtschaft. In Berlin machte sich der Sohn einer Modefabrikantin einen Namen als Mitgründer der Privatbank Allgemeine Beamtenkasse, in verschiedenen Unternehmen betätigte er sich als Sanierer.

Objekt: Wie so oft, bot eine drohende Insolvenz 2006 die Gelegenheit für die Übernahme der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Zuvor hatte das Land Berlin die KPM auf modernen Stand gebracht und an eine Investorengruppe um Franz Wilhelm Prinz von Preußen verkauft. Geschäftszahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht, zwischenzeitlich soll es aber die Gewinnschwelle erreicht haben.

Wendelin Wiedeking und Dinkelacker: Edelschuhe für den Bleifuß

Alles Handarbeit: Auf einen maßgefertigten Dinkelacker warten die Kunden viele Monate

Alles Handarbeit: Auf einen maßgefertigten Dinkelacker warten die Kunden viele Monate

Foto: Heinrich Dinkelacker GmbH

Prestige-Faktor: Unternehmensgründer war kein Geringerer als Friedrich der Große, König von Preußen - vor genau 250 Jahren. Woltmann begründete sein Engagement damit, ein Kulturgut zu retten. Auf seinem jüngsten Staatsbesuch in Berlin erhielt US-Präsident Barack Obama als offizielles Gastgeschenk ein Porzellan-Brandenburger Tor der KPM. Noch mehr Prestige böte die Meißener Manufaktur. Die aber gehört weiterhin dem Freistaat Sachsen, der sein Kulturgut mitunter brachial sanieren lässt - mit Porzellanzerstörungen gegen das Überangebot. Investor: Wendelin Wiedeking ist Turbo-Manager. Von 1992 bis 2009 führte er den Sportwagenhersteller Porsche  von der Fast-Pleite zum Renditerenner. Die Krönung seiner Karriere wäre fast die Übernahme des vielfach größeren Volkswagen-Konzerns  geworden, doch der mit gewaltigen Schulden gehebelte Coup ging nach hinten los. Das Warten auf einen Prozess wegen Marktmanipulation verbringt der bestbezahlte Manager der deutschen Geschichte unter anderem mit Landwirtschaft und der Gründung einer Restaurantkette.

Objekt: Schon 2005, noch als aktiver Porsche-Chef, beteiligte sich Wiedeking an einem Unternehmen aus seinem Wohnort Bietigheim-Bissingen: dem Schuhhersteller Heinrich Dinkelacker mit Manufaktur in Budapest. Das Investment begann ganz offiziell als "Liebhaberei", warf aber dann doch einen ordentlichen Gewinn ab.

Hans-Jochem Steims Junghans-Kauf: Luxusuhren aus Lokalpatriotismus

Junghans-Uhr: Der Stolz des Schwarzwalds

Junghans-Uhr: Der Stolz des Schwarzwalds

Foto: Junghans

Prestige-Faktor: Die Budapester von Dinkelacker sind, dieser Vergleich muss erlaubt sein, der Porsche unter den Schuhen - zumindest in puncto Preis und Qualität. In der Geschäftswelt, wo Wiedeking sich auskennt, sind sie ein echtes Statussymbol. Investor: Die Familie Steim gehört zu den vielen Hidden Champions des deutschen Mittelstands. Im Schwarzwaldort Schramberg führt der Clan um Hans-Jochem Steim das Unternehmen Kern-Liebers, Weltmarktführer für Industriefedern, und die Spiralfedernfabrik Carl Haas.

Objekt: 2009 kam ein weiteres Schramberger Unternehmen ins Reich der Steims: die damals insolvente Uhrenmanufaktur Junghans. Synergien gibt es begrenzt, für manche Linien nutzt Junghans jetzt Unruhspiralen von Carl Haas.

Jeff Bezos und die "Washington Post": Plötzlich Verleger

Prestige-Faktor: Vor allem ging es um Einsatz aus Lokalpatriotismus: Die Steims berichten, der Bürgermeister habe sie zu dem Investment überredet. Junghans-Uhren stehen aber für die Kombination von Luxus und deutscher Präzisionsarbeit. Das Unternehmen war einmal weltgrößter Uhrenhersteller.

Langer Atem: Die Verlegerfamilie Graham verlor die ersten 20 Jahre mit der "Post" Geld

Langer Atem: Die Verlegerfamilie Graham verlor die ersten 20 Jahre mit der "Post" Geld

Foto: Manuel Balce Ceneta/ AP

Investor: Jeff Bezos, Gründer und Chef des weltgrößten Online-Händlers Amazon , gehört mit einem von Bloomberg auf 28,2 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen zu den zwanzig reichsten Menschen der Welt. Bislang hatte er dieses Geld unter anderem in Liebhabereien gesteckt: darunter die Bergung eines Triebwerks der Apollo-11-Raumfähre oder den Bau einer 42 Millionen Dollar teuren Uhr, die die Zeit noch in 10.000 Jahren auf die Sekunde genau anzeigen soll.

Objekt: Beim Kauf der Washington Post und mehrerer kleinerer Blätter für 250 Millionen Dollar scheint indes nicht ganz eindeutig zu sein, ob es sich auch hier um ein neues Hobby oder ein ernsthaftes Investment des Milliardärs handelt. Denn die "Washington Post" leidet seit Jahren an schrumpfender Auflage und sinkenden Anzeigenerlösen. Weshalb sich die börsennotierte Washington Post Company  - die künftig unter neuem Namen firmieren wird - schon seit Jahren als Anbieter von Bildungsdienstleistungen und Betreiber von Fernsehstationen und Kabelnetzen neu positioniert hat.

Prestige-Faktor: Mit der "Washington Post" hat Bezos sein Geld in eine der berühmtesten Zeitungen Amerikas gesteckt. Reporter der Blatts brachten in den 70er-Jahren unter anderem den Watergate-Skandal ins Rollen. Zwar bekannte Bezos schon in seiner Antrittsrede vor der Redaktion, Zeitungen seit Jahren nur noch online zu lesen. Das Traditionsblatt antasten will er aber vorerst nicht. Die bisherigen Verantwortlichen sollen in ihren Ämtern bleiben, darunter Herausgeberin Katharine Weymouth und Chefredakteur Martin Baron.

Dietmar Hopps Eichbaum-Intermezzo: Per Zufall zum Brauereiretter

Unternehmer aus Versehen: Hopp ging über "Leichenwasser"

Unternehmer aus Versehen: Hopp ging über "Leichenwasser"

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Investor: Eine Multifunktionsarena vor den Toren Mannheims, ein Fußballstadion in Sinsheim, einer der besten Golfplätze der Republik in St. Leon-Rot. SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hat sich um seine Heimat rund um den Hauptsitz des Konzerns in Walldorf  schon häufiger als Mäzen verdient gemacht. Dass er einst auch die heimische Bierkultur vor dem Austrocknen bewahrte, ist weniger bekannt.

Objekt: Hopp war jahrelang Großinvestor der 1679 gegründeten Mannheimer Bierbrauerei Eichbaum (Eichbaum, Gerstel, Karamalz). Gewollt war das Engagement indes nicht. Der Milliardär hatte eigentlich nur einem Golffreund, dem umtriebigen Unternehmer Werner Kindermann, bei dessen Investition in die Frankfurter Henninger Brauerei finanziell unter die Arme greifen wollen. Am Ende stand er allerdings allein mit der Brauerei-Gruppe da - zu der auch Eichbaum gehörte. Er sei "da so reingeschlittert" und würde zu wenig von diesem Geschäft verstehen, sagte Hopp einst in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland". Konsequenterweise hat er die Beteiligung nach der Restrukturierung an das Eichbaum-Management abgegeben.

Prestige-Faktor: Zwar wird die Biermarke Eichbaum auch schon mal als "Leichenwasser" bezeichnet, was daran liegt, dass die Brauerei ihr Wasser aus Tiefbrunnen direkt vom Betriebsgelände bezieht, das an den Mannheimer Hauptfriedhof angrenzt. Dennoch führt in Mannheim und Umgebung kaum ein Weg an der Traditionsmarke vorbei - deren Überleben Dietmar Hopp einst sicherstellte.

Bernd Pischetsrieder: Einmal Automann, immer Automann

Ehemaliges Mirbach-Exponat: Mercedes-Benz 540K, einst Paradewagen der Nazi-Größen

Ehemaliges Mirbach-Exponat: Mercedes-Benz 540K, einst Paradewagen der Nazi-Größen

Investor: Bernd Pischetsrieder war einst Vorstandschef von BMW , wechselte dann zu Seat und übernahm später den Vorstandsvorsitz der Volkswagen AG  - bis VW-Patriarch Ferdinand Piëch ihn im März 2006 schasste. Inzwischen wacht der 65-jährige Ex-Automanager als Aufsichtsratschef über die Geschicke des Rückversicherers Munich Re .

Objekt: Die alte Liebe lässt ihn dennoch nicht los. So sicherte er sich in diesem Sommer 65 Prozent am Oldtimer-Händler C. F. Mirbach. Pischetsrieder übernahm die Anteile von der Unternehmensberatung Progenium, die Mirbach vor drei Jahren übernommen und neu ausgerichtet hatte, und die mit 30 Prozent beteiligt bleibt. Der künftige Co-Geschäftsführer Mathias Leitner hält die restlichen 5 Prozent. Die erste Grundsatzentscheidung Pischetsrieders: Mirbach zog auf das Firmengelände der Schuttenbach Automobile GmbH und Co. KG, denn auch an ihr ist der 65-Jährige Haupteigentümer.

Prestige-Faktor: Vom Jaguar E-Type über den Mercedes Flügeltürer 300 SL bis hin zum James-Dean-Porsche 550 Spyder - an prestigeträchtigen Oldtimern mangelt es im kleinen Autoreich des Bernd Pischetsrieder nicht. Da Mirbach erst jüngst saniert wurde, dürfte Pischetsrieder wohl mit seinem Hobby auch noch einen guten Schnitt machen.

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