Mittwoch, 18. September 2019

Staatsanwaltschaft reagiert auf neue Enthüllungen Die geheimen Deals der Steinhoff-Insider

Die Steinhoff-Mannschaft beim Börsengang Ende 2015 in Frankfurt. V.l.n.r.: Bruno Steinhoff, Ben le Grange, Danie van der Merwe, Christoffel Wiese

So schnell wie Steinhoff als Gigant des Möbelhandels aus dem Nichts an der deutschen Börse auftauchte, so schnell fällt das Gebilde des kurzzeitigen MDax-Konzerns wieder in sich zusammen. Mit drei Jahren Gnadenfrist der Gläubiger versucht die deutsch-südafrikanisch-niederländische Firma ihre Existenz im Ausverkauf zu retten.

Die Bilanz des Konzerns war gewaltig aufgeblasen, so viel scheint klar. Die Prüfer von PwC haben bisher 13 Milliarden Euro an Vermögenswerten aus den Büchern streichen lassen, vor allem Goodwill für überteuert zugekaufte Firmen, aber auch Immobilienbesitz. Ermittlungen wegen Bilanzfälschung laufen. Doch was genau bei Steinhoff schiefgelaufen ist, liegt noch im Dunkeln. Ein ausführlicher Bericht von PwC steht weiterhin aus.

Das südafrikanische Wirtschaftsmagazin "Financial Mail" hat mit Hilfe der Datenbank von "Panama Leaks" und der Reporterorganisation amaBhungane nun eine Reihe dubioser Geschäfte enthüllt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft daraufhin, ihre Ermittlungen auszuweiten. Im nahen Westerstede, der Heimat von Firmengründer Bruno Steinhoff, hatte der Konzern zentrale Dienste für sein Europageschäft angesiedelt. Das Geschehen, zumeist von Südafrika aus gesteuert, spielte sich jedoch global ab.

Wenn die Geschichte der "Financial Mail" stimmt, dann haben der langjährige Firmenchef Markus Jooste "und die Familie Steinhoff das Unternehmen benutzt, um sich auf Kosten der Aktionäre zu bereichern", lautet das Fazit des Berichts. Es sei ein "systematischer Raubzug" über die vergangenen zwanzig Jahre hinweg gewesen. Fast alle der Beteiligten verweigerten jedoch einen Kommentar.

Die "Panama Papers" ebenso wie neue Hinweise von Insidern förderten eine Reihe von in Steueroasen registrierten Scheinfirmen im Steinhoff-Umfeld zutage. Als Schlüsselfiguren nennt der Bericht den britischen Immobilienentwickler Malcolm King und den Genfer Ex-Banker George Alan Evans, den Jooste immerhin vor dem südafrikanischen Parlament schon einmal als Geschäftspartner identifizierte; er habe ihm jedoch immer als Gegenpartei gegenübergestanden, was laut "Financial Mail" nicht stimme.

Vielmehr habe Evans das persönliche Vermögen Joostes ebenso wie das der Steinhoff-Familie von der Kanalinsel Jersey aus in Offshore-Trusts angelegt - deren Tochterfirmen dann wiederum Geschäfte mit Steinhoff eingingen, ohne die wahren Eigentümer offenzulegen.

Das schillerndste Beispiel ist eine Firma namens Alvaglen mit Sitz auf den Bahamas, aufgesetzt von der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama. Dem Bericht zufolge wurde die Firma 1999 von Evans gegründet, mit King, Jooste und den Steinhoffs (über deren Offshore-Vehikel) als Gesellschaftern.

Die Firma kaufte in England Gebäude für die künftige Zentrale des Möbelimporteurs Spearhead, den Steinhoff gerade übernahm. Kredit bekam die bis dato unbekannte Gesellschaft von Barclays - laut "Financial Mail", weil sie erwartete Einnahmen von Steinhoff als Garantie vorweisen konnte. Die Miete, die das Unternehmen zahlte, landete demnach bei den Alvaglen-Eignern - die zugleich Steinhoff führten.

Doch die Finanzakrobatik ging noch weiter. Alvaglen wurde noch mehrfach genutzt, um Gewerbeimmobilien wie Lagerhallen für Steinhoff zu kaufen - und wurde selbst wiederholt vom Konzern selbst übernommen, mit verschiedenen Scheinfirmen auf Jersey, in der Schweiz oder auf den Britischen Jungferninseln als Zwischenbesitzer - immer dabei: Malcolm King. Laut "Financial Mail" wechselte Alvaglen 2014 einmal innerhalb von acht Tagen drei Mal den Besitzer. Dieses Detail wird von Kings Anwalt, der als einziger zum Bericht Stellung nahm, dementiert.

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