MDax-Neuling Steinhoff Möbel Der große Ikea-Rivale, den Sie nicht kennen (aber kennen sollten)

Nicht Ikea, aber nah dran: Werbung für Steinhoff-Firma Poco mit Daniela Katzenberger

Nicht Ikea, aber nah dran: Werbung für Steinhoff-Firma Poco mit Daniela Katzenberger

Foto: youtube/Poco

Was das Marketing angeht, ist der Vergleich mit Ikea vielleicht nicht ganz passend. Der niederländisch-schweizerische Möbelriese mit schwedischen Wurzeln setzt alles auf eine Marke. Der niederländisch-südafrikanische Möbelriese mit deutschen Wurzeln hingegen (Steinhoff eben) rühmt sich eines "in stetem Aus- und Umbau begriffenen Netzes von Brands, Handelsmarken und Kollektionen", mehr als 40 Marken in 30 Ländern sollen es derzeit sein.

In Deutschland am bekanntesten ist noch die Discounter-Kette Poco, die mit der Trash-TV-Figur Daniela Katzenberger wirbt: billig, in jeder Hinsicht. Eine selbstkritische Botschaft wie die eines Ikea-Managers, die Leute hätten doch jetzt langsam genug unnützen Krempel gekauft, wäre dort fehl am Platz - auch wenn das Grundprinzip, Rendite mit der Massenproduktion billiger Möbel zu machen, bei beiden gleich ist. Ebenso wie der steuerlich günstige Hauptsitz als niederländische Holding mit eingebauter Firmenschachtelei.

Nun ist Steinhoff  zum Mitglied des deutschen Aktienindex MDax  ausgerufen worden. Mit dem Börsenwert von mehr als 20 Milliarden Euro würde es sogar für das Mittelfeld der ersten Liga, den Dax , reichen. Allein, dafür fehlt noch der Handelsumsatz an der Frankfurter Börse. Dort ist die Aktie erst seit Dezember notiert, gehandelt wird sie nach wie vor hauptsächlich in Johannesburg.

Zum Börsengang eine Razzia

Der Börsengang am Main machte Steinhoff zwar bekannter, verstärkte aber auch den leicht obskuren Eindruck: Firmengründer Bruno Steinhoff aus dem niedersächsischen Westerstede war zwar da und läutete die Glocke, der CEO Markus Jooste musste bei dem wichtigen Event - dem größten IPO der deutschen Geschichte, wenn auch nur als Umfirmierung - jedoch passen.

Mit einer kurz zuvor bekannt gewordenen Razzia von Steuerfahndern und Oldenburger Staatsanwaltschaft, die dem Verdacht auf Bilanzfälschung nachgeht, habe das "absolut nichts zu tun", erklärte er dem "Handelsblatt". Das sei nur ein "unglückliches Zusammentreffen". Der banale Grund, warum Jooste lieber in Südafrika blieb: "Ich liege seit drei Wochen mit Nackenschmerzen im Bett, konnte daher nicht fliegen."

Was mit den Geschäftszahlen (im vergangenen halben Jahr 6,7 Milliarden Euro Umsatz mit sagenhaften 47 Prozent Wachstum und stolze 637 Millionen Nettogewinn) nicht stimmen könnte, dürfte in diesem Jahr noch Gerichte und Aktionäre - künftig einschließlich der Investoren von MDax-Indexfonds - beschäftigen.

Machtkampf mit dem Ex-Partner: Aus Fifty-Fifty wurde 100:0

Hintergrund ist ein Machtkampf darum, wer der Ikea-Angreifer auf dem Kontinent ist. Den Aufstieg Steinhoffs in den vergangenen Jahren beförderte eine enge Partnerschaft mit dem Österreicher Andreas Seifert, dessen Kette XXX Lutz ebenfalls eine große Nummer im Discount-Möbelgeschäft ist. Sowohl bei Poco als auch bei der 2010 übernommenen französischen Conforama stieg Seifert an Steinhoffs Seite ein und besiegelte so dessen Aufstieg zu Europas Nummer zwei.

Inzwischen aber sind die Handelsmagnaten tief zerstritten, Steinhoff hat Seiferts Anteile an den Gemeinschaftsfirmen eingezogen und wirft ihm die Verletzung treuhänderischer Pflichten vor.

Aus Fifty-Fifty wurde 100:0, bei Conforama will Steinhoff dem Ex-Partner noch ein Viertel lassen. Nebenbei macht man ihm mit der Übernahme der österreichischen Ketten Kika und Leiner auf dessen Heimatmarkt Konkurrenz.

Ob das alles rechtens ist, wird noch geklärt. Seifert beziffert den Streitwert des Conforama-Falls vor dem Wiener Handelsgericht auf 400 Millionen Euro. Wenn Steinhoff seine Ansprüche durchsetzen kann, dürfte sich auch die Frage klären, ob die gebuchten Umsätze tatsächlich dem Konzern zustehen (Rückstellungen für etwaigen Schadensersatz wurden gebildet).

Anfang mit DDR-Möbeln

So oder so, setzt Steinhoff sein ungestümes Wachstum mit Zukäufen fort. Im Februar tauchte der Möbelhändler mit einem 1,8-Milliarden-Euro-Gebot für die britische Home Retail Group in der Liste der größten Firmen-Deals auf - und setzte Anfang März weitere 860 Millionen für die Elektronikkette Darty, ebenfalls auf der Insel. In beiden Fällen wurden renommierte Konkurrenten überboten, Steinhoff könnte die komplett in Cash angebotenen Kaufsummen locker aus dem Cash Flow bezahlen.

Was die Objekte der Begierde mit dem einstigen Polsterspezialisten strategisch verbindet, ist nicht ganz klar. Steinhoff zieht es wieder stärker nach Europa, so viel scheint sicher. Damit endet ein fast zwanzigjähriges südafrikanisches Exil (wo Steinhoff ebenfalls eine Firma nach der anderen bis hin zu einem Nutzfahrzeughändler aufkaufte).

Die Anfänge hingegen hatte Bruno Steinhoff 1964 in Westerstede gemacht, mit dem damals noch gewagten Import billiger Möbel aus der DDR. Ein Geschäft, das später auch Ikea für sich entdecken sollte.


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