Pessimismus unter Investoren Europas Elite-Start-ups geht die Kraft aus

Big in Berlin: Lounge im Coworking-Büro von Mindspace in Berlin.

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Foto: Alexander Heinl/ dpa

Europas junge Digitalbranche hat einen bemerkenswerten Aufschwung hinter sich: Mit jedem Jahr floss zuletzt mehr Wagniskapital in die Szene, die Bewertungen von Start-ups wie DeliveryHero, SoundCloud oder Home24 wuchsen scheinbar unbegrenzt. Dabei ist bis heute unklar, ob ihre Geschäftsmodelle nachhaltig funktionieren werden.

Nun macht sich in der Szene Skepsis breit. Dies gilt besonders für die Zukunft vieler "Einhörner", also Start-ups die von Investoren vor einem Verkauf oder Börsengang mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet wurden. Den Elite-Start-ups wurde dieser Namen einst wegen ihrer Seltenheit verliehen, heute gibt es allein in Europa mehr als ein Dutzend davon.

Doch spätestens seit dem Brexit stellt sich die Frage, ob die Wachstumsversprechen vieler Gründer nicht allzu optimistisch waren. Das manager magazin berichtet in seiner August-Ausgabe detailliert über die sich verdüsternde Stimmung.

Die Bewertung vieler Einhörner droht demnach zu stagnieren oder gar zu fallen. Abgesehen von Ausnahmen wie Spotify (Musikstreaming), Auto1 (Gebrauchtwagen) oder Adyen (Zahlungsdienstleistungen) erscheint die Zukunft vieler Milliarden-Start-ups zunehmend unklar. Die Skepsis drückt sich auch in Zahlen aus: Laut Branchendienst Pitchbook flossen in den vergangenen drei Monaten nurmehr 2,8 Milliarden US-Dollar Wagniskapital nach Europa. Im Vorjahresquartal waren es noch 4,3 Milliarden Dollar.

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Viele Investoren sind kritischer geworden. "Defizitare Start-ups, die viel Geld dafür ausgeben, neue Kunden zu akquirieren, werden es schwerer haben", sagte etwa Yann de Fries, Partner beim Wagnisfinanzierer Atomico in London, dem manager magazin. Gründer müssten heute früher beweisen, so de Fries, dass ihr Modell auch wirklich funktioniere. "Wenn euch Geld geboten wird, nehmt es besser jetzt", rät Florian Heinemann mittlerweile jungen Gründern. Der Chef des Berliner Inkubators Project A glaubt, dass die Beschaffung von Wagniskapital künftig schwieriger wird. Die Stimmung sei "nicht mehr so euphorisch wie noch vor ein bis zwei Jahren".

Hendrik Brandis, Partner bei Earlybird, differenziert hier zwischen den hoch bewerteten Start-ups der Spitzenklasse, die bei der Kapitalbeschaffung zunehmend Probleme haben werden, und dem Mittelbau der Szene, für den dies nicht gelte. Für dieses Segment sei noch "genügend Geld im Markt".

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