Freitag, 6. Dezember 2019

Cinven und Bain Capital bewerten Arzneikonzern mit 5,3 Milliarden Euro Finanzinvestoren übernehmen MDax-Konzern Stada

Bald unter neuem Dach: Stada.

Ein monatelanger, emotionaler Übernahmekampf um einen deutschen Traditionskonzern hat ein spektakuläres Ende gefunden: Vorstand und Aufsichtsrat des mehr als 120 Jahre alten Arzneimittel-Konzern Stada (Grippostad, Ladival) werden ihren Aktionären den Verkauf an die Finanzinvestoren Cinven und Bain Capital empfehlen. Diese hatten zuletzt gegen ein Konsortium aus Advent und Permira konkurriert.

Die beiden siegreichen Private-Equity-Häuser haben nach stundenlangen Verhandlungen über das Wochenende ein Angebot von 65,28 Euro je Aktie angekündigt, plus einer Dividende von 0,72 Euro je Aktie. Dies teilte das Unternehmen am frühen Montagmorgen mit. Zusammen mit der Übernahme der Schulden ergibt das Angebot für Stada einen Unternehmenswert von 5,3 Milliarden Euro.

Der Stada-Kurs Börsen-Chart zeigen schnellte am Montagvormittag in der Spitze um 11 Prozent bis auf 64,69 Euro nach oben. Mehr hatten die Papiere noch nie gekostet. Zuletzt notierten sie noch mit einem Plus von 11,12 Prozent auf 64,73 Euro unangefochten an der Spitze des Index der mittelgroßen Werte MDax . Der kam zeitgleich kaum vom Fleck.

Stada-Chef Wiedenfels: "Das attraktivste Angebot"

Das Angebot von Bain und Cinven sei das "attraktivste" gewesen, erklärte Stada-Chef Matthias Wiedenfels. Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Oetker nannte das Angebot "das beste Gesamtpaket". Die nun insgesamt gebotenen 66 Euro je Aktie liegen denn auch ein gutes Stück über den zuletzt im Raum stehenden Summen.

So hatte der Finanzinvestor Advent im Februar vorübergehend 58 Euro pro Aktie zuzüglich der erwarteten Dividende geboten. Bain und Cinven packen nun noch einmal eine deutliche Prämie drauf.

Der Verkauf des Unternehmens ist einer der in Deutschland sehr wenigen Fälle, in denen Finanzinvestoren die Macht bei börsengelisteten Unternehmen übernehmen wollen, um sie von der Börse zu nehmen und danach weitgehend außerhalb der Finanzöffentlichkeit zu entwickeln. Meist verhindern das größere Aktionärsgruppen, im Zusammenspiel mit regulatorischen Hürden und dem Management.

Bei Stada hatten sich allerdings zuletzt Aufsichtsrat und Vorstand in wesentlichen Fragen entschieden entzweit (Lesen Sie dazu hier den großen mm-Report), zudem bieten Cinven und Bain Capital mit 66 Euro je Aktie einen voraussichtlich für viele Investoren sehr attraktiven Preis: Er liegt um 48,9 Prozent über den Schlusskurs vom 9. Dezember, als erstmals Übernahmegerüchte aufkamen.

Die Private-Equity-Häuser kaufen die Aktien aber tatsächlich nur, wenn mindestens 75 Prozent der Aktionäre ihrem Angebot folgen. Ungebremst durchregieren werden sie dann jedoch auch nicht können: Laut Stada haben sie eine "Investorenvereinbarung" unterschrieben, die Grenzen etwa bei Personalabbau und bei Fabrikschließungen setzt. Konkrete Details wurden zunächst aber nicht bekannt.

Dass Cinven und Bain Capital sich trotzdem zu einem satten Aufschlag auf den Aktienkurs bereit erklärten, zeigt zweierlei: das hohe Verbesserungspotential, das sie bei Stada sehen sowie das aktuelle Luxusproblem der Finanzinvestoren: Ihnen wird derzeit viel Geld von Profi-Anlegern anvertraut in der Hoffnung, das sie renditeträchtige Investments finden - was wiederum bei den Finanzinvestoren Druck auslöst, das Geld auch auszugeben.

Cinven und Bain Capital werden nun ihre Unterlage für ihr Angebot an die Stada-Aktionäre bei der Finanzaufsicht BaFin einreichen und nach dessen Genehmigung veröffentlichen. Dann sollen die Aktionäre sechs Wochen Zeit haben, ihre Aktien zu verkaufen.

soc

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