Staatsfonds gegen hohe Managergehälter Der Gut-Investor aus Norwegen

Ölplattform in Norwegen: Die Milliarden aus der Förderung landen im Staatsfonds des Landes, dem größten Fonds der Welt

Ölplattform in Norwegen: Die Milliarden aus der Förderung landen im Staatsfonds des Landes, dem größten Fonds der Welt

Foto: DPA/ Norwegian Statoil

Ein bemerkenswerter Vorstoß aus dem hohen Norden: Norwegens Staatsfonds, mit einem Volumen von 830 Milliarden Euro der größte Fonds der Welt, stellt sich gegen übermäßig hohe Gehälter für Manager. Das ließ der Lenker des Fonds, der Norweger Yngve Slyngstad, in einem Interview mit der "Financial Times" verlauten.

Man warte lediglich auf den richtigen Beispielfall, so Slyngstad, dann sollen die Prinzipien des Fonds zu diesem Thema offenbart werden. Bei mehr als 9000 Unternehmen weltweit, in die Slyngstad die Öl- und Gaseinnahmen Norwegens investiert, dürfte es nicht allzu lange dauern, bis sich ein solches Exempel statuieren lässt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Skandinavier am Anlagemarkt mit entschiedenen Prinzipien auf sich aufmerksam machen. Seit langem schon hat der Fonds klare Vorgaben dafür, was aus Sicht der Verantwortlichen ein gutes Investment ist und welche Voraussetzungen es erfüllen muss. Hier einige Beispiele:

Tabak-Industrie auf der roten Liste

Schlechte Luft: Norwegens Staatsfonds will nicht in Firmen investieren, die, wie die Tabakindustrie, eindeutig gesundheitsschädigend arbeiten

Schlechte Luft: Norwegens Staatsfonds will nicht in Firmen investieren, die, wie die Tabakindustrie, eindeutig gesundheitsschädigend arbeiten

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Norwegens Staatsfonds ist schon lange für seine klaren ethischen, sozialen und ökologischen Regeln beim Investment bekannt. Anders als andere Vermögensverwalter reden die Norweger allerdings nicht nur darüber, sie lassen auch Taten folgen.

So gibt es eine rote Liste von Unternehmen, in die der norwegische Staatsfonds nicht investieren darf, und die im Internet öffentlich  ist. Darauf befinden sich beispielsweise Unternehmen aus der Tabakindustrie, wie Philip Morris oder British American Tobacco.

Staatsfonds darf nicht in Airbus investieren

Transportflugzeug von Airbus: Weil der Flugzeugbauer auch in der Rüstung aktiv ist, muss er auf Gelder aus Norwegen verzichten

Transportflugzeug von Airbus: Weil der Flugzeugbauer auch in der Rüstung aktiv ist, muss er auf Gelder aus Norwegen verzichten

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Auch die Nuklearwirtschaft ist für die Norweger ein No-Go. Bemerkenswert allerdings: Neben US-Rüstungsfirmen wie Lockheed Martin  oder Northrop Grumman  stehen auch Unternehmen auf der Liste, die man dort nicht unbedingt vermutet hätte, wie beispielsweise die auf den ersten Blick zivil erscheinenden Flugzeugbauer Airbus Group  und Boeing .

Keine Kohle für Kohle

Kohlekraft in China: Die Luftverschmutzung will Norwegens Staatsfonds nicht mehr mit Investments unterstützen

Kohlekraft in China: Die Luftverschmutzung will Norwegens Staatsfonds nicht mehr mit Investments unterstützen

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Im Mai vergangenen Jahres beschloss der Finanzausschuss im Parlament Norwegens, dass sich der Fonds künftig aus Investments in die Kohleindustrie zurückziehen solle.

"Investitionen in Kohle können ein Risiko für das Klima und ein zukünftiges finanzielles Risiko bedeuten", erklärte dazu Svein Flatten, Abgeordneter der regierenden Konservativen Partei.

Die Folge: Der Fonds, dessen Zuflüsse zum weitaus größten Teil aus der ebenfalls nicht eben umweltfreundlichen Ölförderung stammen, musste eigenen Angaben zufolge Anteile an 50 bis 75 Unternehmen verkaufen. Die Beteiligungen seien zwischen vier und fünf Milliarden Euro wert, sagte seinerzeit ein Manager des Fonds.

Kein Problem mit Gen-Technik

Hohe Standards: Die Norweger verlangen auch eigentliche Selbstverständlichkeiten wie die Einhaltung der Menschenrechte

Hohe Standards: Die Norweger verlangen auch eigentliche Selbstverständlichkeiten wie die Einhaltung der Menschenrechte

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Selbst auf die Beachtung von Menschenrechten scheinen die Norweger besonderes Augenmerk zu legen. Allerdings haben es lediglich drei Unternehmen in den Bereich "ernsthafte Verletzung von Menschenrechten" der roten Liste des Staatsfonds geschafft, darunter zwei Töchter des Einzelhandelsriesen Wal-Mart.

Auf der anderen Seite gibt es manches Unternehmen, dass man vielleicht auf der roten Liste vermuten würde, bei dem Norwegens Staatsfonds jedoch kein Problem mit einem Investment zu haben scheint. Ein Beispiel dafür ist der Monsanto-Konzern, der für seine Anwendung von Gen-Technik vielfach kritisiert wird.

Prinzipien im Wandel - Risiken steigen

Niedrige Zinsen, höheres Risiko: Norwegens Staatsfonds hat sein Engagement am Aktienmarkt in der Vergangenheit nach und nach gesteigert

Niedrige Zinsen, höheres Risiko: Norwegens Staatsfonds hat sein Engagement am Aktienmarkt in der Vergangenheit nach und nach gesteigert

Foto: AP/dpa

Ursprünglich investierte der 1998 gegründete Staatsfonds Norwegens ausschließlich in Staatsanleihen. Um die Renditeerwartungen erfüllen zu können, kamen jedoch nach und nach auch Unternehmensanleihen, Immobilien und Aktien hinzu. Inzwischen beträgt die Aktienquote des Fonds bis zu 60 Prozent. Zudem wurde die geografische Streuung der Investments nach und nach in Richtung chancen- aber auch risikoreicherer Schwellenländer etwa in Asien verschoben.

Eine strategische Neuausrichtung des Fonds gab es vor wenigen Jahren, als Norwegen beschloss, mit dem Fonds stärker antizyklisch zu investieren. Auch diese Entscheidung war der angesichts weltweit niedriger Zinsen erodierenden Renditen des Fonds geschuldet. Seither versuchen die Fondsmanager verstärkt mit aktiven Eingriffen ins Portfolio die gewünschte Rendite von 4 Prozent zu erreichen.

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