Springer entkommt FT-Kulturkampf Ein kleiner Trost für Mathias Döpfner

Von Ulric Papendick
Springer-Chef Döpfner: So ziemlich alles verkauft, was den Verlag ausmachte

Springer-Chef Döpfner: So ziemlich alles verkauft, was den Verlag ausmachte

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpa

Sind die Japaner noch zu retten? Umgerechnet 1,2 Milliarden Euro zahlt die Nikkei-Gruppe für die britische "Financial Times", in bar. Für eine Zeitung, die im Heimatmarkt Großbritannien gerade mal noch etwas mehr als 35.000 gedruckte Exemplare täglich am Kiosk verkauft.

Da kann man dem offenbar ebenfalls interessierten Mathias Döpfner, Vorstandschef des Berliner Axel-Springer-Verlags, doch nur gratulieren, dass er eine solche Wahnsinnssumme nicht hinblättern wollte. Oder doch nicht?

Bei genauerer Betrachtung gibt es einige Argumente für den stolzen Preis. Insgesamt hat das britische Wirtschaftsblatt fast 720.000 zahlende Leser, mehr als zwei Drittel davon in Form von Online-Abos. Hinzu kommen etliche weitere Umsatzträger, vom Veranstaltungsmanagement über exklusive Weiterbildungsangebote und eine hauseigene Unternehmensberatung bis zu elitären Zirkeln für Topmanager. Vor allem aber ist die FT eine Marke, die auf der ganzen Welt bekannt ist, in China ebenso wie in den USA.

Ulric Papendick
Foto: Christian O. Bruch

Ulric Papendick ist geschäftsführender Direktor der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft . Zuvor arbeitete er rund 20 Jahre als Journalist, unter anderem bei der Welt am Sonntag, beim stern und zuletzt bis zum Sommer 2015 beim manager magazin.

Für Döpfner, der in den letzten Jahren von der "Hörzu" über das "Hamburger Abendblatt" bis zur "Bild der Frau" so ziemlich alles verkauft hat, was den Springer-Verlag  einst ausmachte, wäre der Kauf der FT ein konsequenter Schritt auf dem Weg zum digitalen Weltkonzern gewesen. Der Springer-Chef hätte sich den Topnamen im internationalen Wirtschaftsjournalismus gesichert, eine Plattform, um sich auf den wichtigsten globalen Märkten zu etablieren. Diese wohl einmalige Chance haben nun die Japaner - entsprechend groß dürfte die Enttäuschung in Berlin sein.

Ein, wenn auch kleiner, Trost bleibt Döpfner. Die FT steht für angelsächsischen Finanzkapitalismus in Reinkultur, ein Weltbild, das sie mit dem Gros ihrer Leser teilt. Mit dem Sozialstaat deutscher Prägung hat diese Sicht des (Wirtschafts-)Lebens hingegen wenig gemein.

Wie groß die Unterschiede zwischen der deutschen Konsenskultur und der angelsächsischen "The Winner takes it all"-Mentalität sind, musste vor Jahren auch die Deutsche Bank  erfahren, die sich in den neunziger Jahren entschlossen hatte, durch diverse Übernahmen angelsächsischer Finanzhäuser in die weite Welt des internationalen Investmentbankings einzusteigen. Der Kampf der Kulturen, wie ihn die Deutsche Bank anschließend erlebte (und bis heute erlebt), bleibt Springer nun erspart.

So witzig kommentieren die FT-Journalisten ihre eigene Übernahme