Fußball-WM 2006 Beckenbauer verteidigt Erhalt von 5,5 Millionen Euro

Am Dienstag machte die Nachricht die Runde, dass Franz Beckenbauer die WM 2006 nicht wie bislang behauptet ehrenamtlich organisiert haben soll. Jetzt verteidigen die Anwälte des Kaisers die Millionenzahlung, die Beckenbauer seinerzeit erhielt.
Franz Beckenbauer: Millionenhonorar vom DFB

Franz Beckenbauer: Millionenhonorar vom DFB

Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

Die Anwälte von Franz Beckenbauer haben die 5,5 Millionen Euro an den 71-jährigen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus ihrer Sicht verteidigt. Die Juristen schrieben in einer Stellungnahme am Mittwoch, dass die Behauptungen, Beckenbauer habe das Geld für die WM 2006 oder für ein Ehrenamt erhalten, falsch seien.

Beckenbauer habe die Einnahmen aus seinen werblichen Aktivitäten für den von ihm damals geworbenen nationalen WM-Sponsor (Oddset) auch "unverzüglich an seinem Wohnsitz in Österreich ordnungsgemäß versteuert", hieß es in dem Statement der Kanzlei Nesselhauf.

Am Dienstag hatte manager magazin online und andere Medien berichtet, dass der damalige Chef des Organisationskomitees der WM 2006 den Betrag aus dem für die WM-Organisation gedachten Sponsorengeld erhalten habe. Versteuert wurde die Zahlung durch den DFB vier Jahre nach der WM. Beckenbauer soll die Schuld im März 2011 beglichen haben.

Laut Beckenbauers Juristen handelte es sich um eine Abzugssteuer, die nach einer Betriebsprüfung 2010 vom DFB gezahlt wurde. Diese werde fällig, wenn "Zahlungen an einen Steuerausländer geleistet werden". Beckenbauer habe das Geld nach Kenntnis der Betriebsprüfung "unverzüglich" erstattet.

Hintergrund ist ein Bericht des SPIEGEL, wonach Franz Beckenbauer im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Chef des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2006 5,5 Millionen Euro erhalten hat. Der Fußball-Kaiser habe also nicht, wie vom DFB bislang behauptet, ehrenamtlich gearbeitet, folgert der SPIEGEL.

Ein genauer Blick zeigt: Die Verteidigung Beckenbauers steht nicht unbedingt im Widerspruch zum SPIEGEL-Bericht. Demnach hatten sich erste Hinweise auf den Deal in einem Report gefunden, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG 2008 im Auftrag der Fifa erstellt hatte. Gegenstand der Prüfung war der Ausrichtervertrag zwischen Fifa und DFB für die WM 2006 in Deutschland.

In den Anlagen des Berichts findet sich auch der vom DFB 2004 mit dem staatlichen Sportwettenanbieter Oddset geschlossene Sponsorenvertrag. Oddset wurde damit einer von sechs nationalen Förderern für die Fußballweltmeisterschaft 2006. Insidern zufolge zahlte damals jeder nationale Förderer mehr als zwölf Millionen Euro in die Kasse des WM-OK.

Im Falle Oddset gab es aber, laut KPMG-Bericht, noch einen sogenannten Sideletter zugunsten von Franz Beckenbauer. Dieser sah vor, dass Beckenbauer von den dem WM-OK zugedachten Millionen einen erheblichen Teil abbekommen sollte.

Honorar vier Jahre lang nicht versteuert

Wie der DFB auf SPIEGEL-Anfrage mitteilte, habe Beckenbauer bestimmte Werbeleistungen für Oddset erbringen sollen und hierfür eine Beteiligung an den Erlösen des DFB aus dem Vertrag erhalten. Dazu habe der DFB mit Beckenbauer zwei Verträge geschlossen, einen im Oktober 2004 und einen im Oktober 2006. Dieser habe Beckenbauer einen Betrag von insgesamt 5,5 Millionen Euro zugesichert, die "im Zeitraum Februar 2005 bis Oktober 2006 in fünf Raten an Herrn Beckenbauer ausgezahlt wurden", wie es in der DFB-Stellungnahme heißt.

Versteuert wurde das Geld zumindest in Deutschland vier Jahre lang nicht. Erst als das Finanzamt Frankfurt bei einer Steuerprüfung im DFB auf den Vorgang stieß, zahlte der Verband im Dezember 2010 "1.160.500 Euro an Abzugsteuer". Im März 2011 habe Beckenbauer, so der DFB, das Geld erstattet.

Beckenbauer hat tatsächlich für Oddset Werbung gemacht. Die Frage, warum er dafür nicht direkt einen Vertrag mit Oddset schloss, sondern aus dem DFB-WM-Topf entlohnt wurde, ließ der Verband offen. Die aktuelle DFB-Spitze will erst, nachdem der SPIEGEL dubiose Millionenzahlungen im Umfeld des WM-Sommermärchens enthüllt hat, auf die Vorgänge um den Oddset-Vertrag gestoßen sein. Die Kanzlei Freshfields habe im Rahmen ihrer Untersuchungen zur WM-Affäre den Vorgang überprüft und angeblich nicht beanstandet.

Von Oddset lag zunächst keine Stellungnahme vor und auch Franz Beckenbauer hat sich bis Dienstag nicht zu den Vorwürfen geäußert.