Mittwoch, 13. November 2019

4000 Stellen auf der Kippe Softbank will fast jeden dritten Job bei WeWork streichen

WeWork-Logo in San Francisco: Viele Mitarbeiter des Start-ups werden offenbar ihre Jobs verlieren.
Kate Munsch/REUTERS
WeWork-Logo in San Francisco: Viele Mitarbeiter des Start-ups werden offenbar ihre Jobs verlieren.

Nach seiner Machtübernahme bei WeWork greift der japanische Tech-Investor Softbank bei dem US-Start-up nun offenbar rigoros durch. So sollen bei WeWork bis zu 4000 Jobs gestrichen werden, wie unter anderem die "Financial Times" berichtet. Das wären beinahe 30 Prozent der weltweit etwa 14.000 Köpfe zählenden Belegschaft des Unternehmens. Laut "FT" sollen unter anderem rund 1000 Jobs etwa von Reinigungskräften an Fremdfirmen ausgelagert werden.

Laut "FT" begründete Marcelo Claure, der Softbank-Manager, der bei WeWork nach dem Abgang von Mitgründer Adam Neumann das Ruder übernehmen soll, die Stellenstreichungen gegenüber WeWork-Mitarbeitern mit der Notwendigkeit, einen Weg in Richtung Profitabilität zu finden.

Weitere Maßnahmen von Softbank betreffen den Medienberichten zufolge die strategische Ausrichtung des strauchelnden Büroraumvermieters. WeWork solle sich künftig auf die Märkte USA, Europa sowie Japan konzentrieren, heißt es. Aus den Regionen China, Indien und einem Großteil Lateinamerikas dagegen werde sich das Start-up zurückziehen.

Mit den Kursänderungen will Softbank die Vermietungsquote der WeWork-Liegenschaften laut "FT" auf mehr als 90 Prozent steigern. Im Zuge der weltweiten Expansion war die Quote zuletzt auf weniger als 80 Prozent gesunken.

Hintergrund: Am Dienstag hatte der WeWork-Verwaltungsrat einem Rettungsplan von Großaktionär Softbank zugestimmt, nach dem die Japaner im Unternehmen künftig das Sagen haben werden. Der Technologieinvestor pumpt weitere 9,5 Milliarden Dollar über neue Kredite und den Kauf von Anteilen in das verlustträchtige und viel Geld verbrennende Unternehmen.

Sobald die diversen Finanztransaktionen wie neue Kredite über fünf Milliarden Euro und der Anteilsankauf von Altaktionären wie den erst vor kurzem vom Chefposten zurückgetretene Mitgründer Adam Neumann abgeschlossen sind, wird Softbank 80 Prozent an WeWork halten.

Softbank und sein mit saudi-arabischen Geldern gestützter Fonds Vision Funds haben bereits neun Milliarden Dollar in WeWork investiert und hielten den IPO-Unterlagen zufolge bislang 29 Prozent an dem Unternehmen. Im Rahmen der neuen Geldspritze aus Japan wird WeWork nur noch mit acht Milliarden Dollar bewertet und kommt damit nur noch auf einen Bruchteil dessen, was das Unternehmen Anfang des Jahres wert war.

Laut US-Medien zählte das 2010 gegründete Unternehmen im Januar mit einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar zu den wertvollsten Start-ups der Welt. Doch diese hohe Bewertung war über einen Börsengang nicht zu realisieren.

Neumann bekommt "goldenen Handschlag"

Die ambitionierten Börsenpläne Neumanns scheiterten im September kläglich. Zudem ist das operative Geschäft weiter tief in den roten Zahlen und das Geld wurde zuletzt sehr knapp. Bereits gegen Ende des Jahres wären die Kassen ohne das neue Geld aus Japan wohl leer gewesen.

Für Neumann ist die WeWork-Übernahme durch Softbank offenbar mit einem "goldenen Handschlag" versehen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg und der "Financial Times" darf er im Zuge des Deals Anteile für bis zu eine Milliarde Dollar an Softbank verkaufen, bekommt zudem einen millionenschweren Kredit und Beratergebühren in dreistelliger Millionenhöhe.


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Für die Softbank-Aktionäre ist der Niedergang WeWorks keine gute Nachricht. So gab der Kurs Börsen-Chart zeigen des Unternehmens, das unter anderem auch bei Wirecard Börsen-Chart zeigen engagiert ist, nach Bekanntgabe der neuen Milliardenspritze um mehr als 3 Prozent auf 4164 Yen nach. Damit baute die Aktie ihre Verluste der vergangenen Monate aus. Im April hatte das Papier noch fast 6000 Yen gekostet.

cr/mg/dpa-afx

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