Freitag, 6. Dezember 2019

Medienbericht über Mitarbeiterkredite Treuetest? Softbank soll eigene Manager in Schulden drängen

Softbank-Chef Masayoshi Son (l) präsentiert seine jüngste Milliardenwette: mit Yusaku Maezawa, dem Verkäufer von Sons jüngstem Milliardenobjekt Zozo

Man könnte es als großzügigen Anreiz sehen - oder als fiese Gängelung: Manager der japanischen Tech-Holding Softbank bekommen vom Arbeitgeber hohe Kredite angeboten, um sich selbst an den gewagten Finanzwetten des von Masayoshi Son geführten Konglomerats zu beteiligen.

Laut einem Bericht der "Financial Times" neigen einige Führungskräfte zur zweiten Meinung, da die Risiken der Strategie nach der Verschiebung des Börsengangs der Softbank-Beteiligung WeWork und dem Wertverfall anderer Milliarden-Investments offenkundig werden.

Die Schulden von teils mehr als dem Zehnfachen des Grundgehalts aufzunehmen, sei zwar freiwillig. Doch viele trauten sich nicht, das Geld abzulehnen, heißt es in dem Bericht. Mehreren Informanten zufolge herrsche der Eindruck vor, dass eine Beteiligung an dem System "erwartet" werde. Wer das Risiko nicht eingehen wolle, müsse um seine Karriere bei Softbank fürchten. Das Unternehmen rate den eigenen Leuten davon ab, privates Kapital einfach ohne Kredithebel zu investieren. Intern werde von einem "Loyalitätstest" für Masayoshi Son gesprochen. Alle Quellen des Artikels blieben anonym, Softbank lehnte eine Stellungnahme ab.

Ausgegeben werden die Darlehen, deren Höhe von Gehalt und Betriebszugehörigkeit der Manager abhängt, laut "FT" von der britischen Softbank-Tochter Triangle Lender. Als deren Geschäftsführer fungiert Rajeev Misra, das Mastermind der Softbank-Finanzakrobatik und vor der Finanzkrise einst das "Gehirn der Deutschen Bank".


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Eingesetzt werden soll das Geld im vor zwei Jahren aufgelegten "Vision Fund". Laut "Wall Street Journal" sind in dem inzwischen auf knapp 99 Milliarden Dollar angeschwollenen Vehikel mehr als acht Milliarden Dollar von Softbank-Angestellten angelegt - angeführt von Son selbst, der im großen Stil eigene Aktien als Sicherheit für Kredite hinterlegt hat.

Das Eigenkapital wird benötigt, um die Rendite der anderen Geldgeber - vor allem der Staatsfonds von Saudi-Arabien und Abu Dhabi, aber auch Konzernen wie Apple, Foxconn oder Daimler - zu schützen. Die haben sich nämlich zum Großteil in Form von Vorzugsaktien mit einer garantierten Verzinsung von 7 Prozent am Softbank Vision Fund beteiligt.

Wenn die mitunter zu Höchstpreisen geschlossenen Investments diese Rendite nicht mehr hergeben (wonach es derzeit aussieht) und auch die noch üppigen Cash-Reserven nicht mehr ausreichen, müssten die gewöhnlichen Stammaktionäre die Verluste tragen - also Softbank und die Angestellten.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, helfen auch Kredite an Führungskräfte, die Firmenwerte weiter nach oben zu treiben. Beispielsweise führte der Gründer der indischen Hotelkette Oyo, Ritesh Agarwal, zu Jahresbeginn mit eigenen Aktienkäufen eine Finanzierungsrunde an, die den Firmenwert von Oyo auf zehn Milliarden Dollar verdoppelte - und so auch die Bilanz des Vision Fund spürbar verbesserte. Das Geld bekam Agarwal per Kredit von Softbanks japanischen Hausbanken.

Und die nächste Stufe steht bevor: Im Juli kündigte Masayoshi Son einen "Vision Fund 2" an. Dafür stünden bereits Finanzzusagen über 108 Milliarden Dollar. Die kommen noch stärker aus dem eigenen Haus als beim Vorläufer. 38 Milliarden Dollar will der Konzern selbst beisteuern. Weitere bis zu 20 Milliarden Dollar sind laut "Wall Street Journal" von den eigenen Angestellten eingeplant - natürlich kreditfinanziert.

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