Samstag, 14. Dezember 2019

Billiges Geld treibt Finanzmärkte an Diese M&A-Bonanza geht auf das Konto der Notenbanken

Besser kann es kaum laufen: Günstiges Geld der Notenbanken treibt das M&A-Geschäft an und die Aktienkurse in die Höhe.

Seit Monaten ist von Verunsicherung an den Finanzmärkten zu lesen, wegen des US-chinesischen Handelsstreits sowie wegen verschiedener Anzeichen einer sich verschlechternden Konjunktur. Die Aktivitäten auf dem Markt für Unternehmensfusionen und -käufe (Mergers & Acquisitions oder M&A), die in diesen Tagen zu beobachten sind, sprechen allerdings eine andere Sprache. Vor allem das günstige Finanzierungsumfeld sorgt für so viele Deals wie selten, was auch der anhaltenden Hausse an den Aktienmärkten zusätzlichen Auftrieb verleiht.

Binnen weniger Tage haben Konzerne Übernahmen im Wert von 70 Milliarden Dollar bekanntgemacht, wie die Nachrichtenseite Bloomberg vorrechnet. Allen voran: Der US-Wertpapierbroker Charles Schwab, der sich für 26 Milliarden Dollar den Discountbroker TD Ameritrade einverleiben will. Weitere Transaktionen sind zum Beispiel: Der Kauf der Juwelierkette Tiffany durch den französischen Luxuskonzern LVMH für mehr als 16 Milliarden Dollar, die Übernahme des US-Biotech-Unternehmens The Medicines Company durch den Schweizer Pharmariesen Novartis für beinahe zehn Milliarden Dollar sowie der Zuschlag für ein Konsortium um den japanischen Mitsubushi-Konzern, für etwas mehr als vier Milliarden Euro das niederländische Energieunternehmen Eneco zu erwerben.

Haupttreiber der M&A-Bonanza ist offensichtlich die Möglichkeit für Unternehmen, derartige Deals günstig zu finanzieren. Rund um den Globus halten Zentralbanken an ihrer Niedrigzinspolitik fest. So wollen sie ein Abflauen der Konjunktur verhindern - und sorgen an den Finanzmärkten für neue Höchststände.

An der Wall Street schlossen zu Beginn dieser Woche der Dow Jones Börsen-Chart zeigen, der S&P 500 und weitere Aktienindizes auf historischen Höchstständen. Auch in Europa befinden sich die Börsen im Höhenflug. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen notiert mit gegenwärtig 13.210 Punkten komfortabel über der 13.000er-Marke und hat sein Allzeithoch ebenfalls im Blick.

Dabei verstärken sich die Auftriebskräfte zum Teil gegenseitig: Die Notenbanken fluten die Märkte mit Geld, was die Aktienkurse nach oben treibt und zugleich das M&A-Geschäft ankurbelt. Mit jeder neuen Übernahme, die verkündet wird, erhalten die fraglichen Aktien mitunter erneuten Schub.

Hinzu kommt, dass die Konjunktursorgen - ebenfalls unter anderem bedingt durch die entschiedene Haltung der Zentralbanken - zuletzt nachgelassen haben, und dass sich im US-chinesischen Handelsstreit nun tatsächlich eine Annäherung abzuzeichnen scheint.

"Die jüngste Explosion im M&A-Geschäft spiegelt einen unbestreitbaren wirtschaftlichen Optimismus wider", fasst es ein Investmentprofi aus Hongkong gegenüber Bloomberg zusammen. "Die US-Wirtschaft erfreut sich sowohl einer niedrigen Inflation als auch einer niedrigen Arbeitslosigkeit, die Notenbank Fed verhält sich freundlich und die Handelsgespräche scheinen sich einem entscheidenden Erfolg zu nähern. Zudem gibt es jede Menge billiges Geld zum Investieren."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Allein am Montag wurden Bloomberg zufolge weltweit mindestens zehn M&A-Deals mit einem Volumen von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar veröffentlicht. Dennoch wundert sich Rhett Kessler, Portfoliolenker bei Pengana Capital in Sydney, Australien. Angesichts der weltweit niedrigen Zinsen müssten es eigentlich noch mehr sein, meint er.

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