Dienstag, 20. August 2019

Smog Chinas Millionäre flüchten auf die Inseln

Gefahr für Arm und Reich: Der Smog hält China im Griff
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Gefahr für Arm und Reich: Der Smog hält China im Griff

Der nicht enden wollende Smog in Chinas Osten vertreibt die Reichen aus den Städten. Zunehmend suchen sie Zuflucht auf Inseln im chinesischen Meer. Westliche Manager liebäugeln derweil verstärkt mit dem kompletten Rückzug.

Hamburg - Der Smog in Peking und anderen Städten beschert Inseln wie Hainan einen regelrechten Immobilienboom. Brachen die Preise vor drei Jahren noch drastisch ein, schnellten sie zuletzt um 48 Prozent in die Höhe, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Grund ist simpel: Immer mehr reiche Chinesen aus verdreckten Städten wie Peking oder Shanghai legen sich einen Zweitwohnsitz auf den Inseln zu, um der schlechten Luft zu entkommen.

Die Luftverschmutzung in Peking übertraf die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO zuletzt teilweise um das 18-fache. Chinesische Wissenschaftler verglichen die Lage mit einem nuklearen Winter. In Shanghai ist die Lage traditionell besser, hat sich aber ebenfalls deutlich verschlechtert.

"Viele Käufer wollen im Winter hier ihre Lungen reinigen", sagte Immobilienexperte Fu Zelong aus Hainan der Agentur. Mehr als 80 Prozent der Interessenten gaben die Luftqualität als Motivation für den Hauskauf an.

Westliche Manager sind angesichts der schlechten Luftqualität inzwischen ebenfalls zunehmend genervt. Viele wollen weg, so schnell wie möglich. Manche machen bereits ernst.

"Fast jedes Mal, wenn uns jemand verlässt, nennt er die schlechte Luftqualität als Hauptgrund", zitierte China Daily die Geschäftsführerin im Shanghaier Büro der Europäischen Handelskammer, Ioana Kraft. Schon warnen Wirtschaftsexperten, dass hoch qualifizierte Ausländer sich häufiger gegen einen Job in China entscheiden.

Auch Touristen bleiben demnach öfter weg. Beliebte Stadtviertel wie Tianzifang, in denen sich normalerweise die Besucher tummeln, sind den Berichten zufolge in diesem Winter oft verwaist gewesen.

Chinas Volkskongress debattiert die Umweltverschmutzung derzeit als eines der wichtigsten Themen. Angesichts des Smogs will der neue Regierungschef Li Keqiang der Umweltverschmutzung nach eigenen Worten "den Krieg erklären".

nis

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