Samstag, 20. April 2019

Handy-Hersteller Xiaomi mit Problemen Dem "Apple Chinas" droht der Absturz

Xiaomi-Chef Lei Jun: Auf Jahre starken Wachstums folgt der Dämpfer

Noch vor zwei Jahren galt der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi als eine der heißesten Wachstumstories der Techbranche. Doch das einst wertvollste IT-Startup der Welt kann sein Wachstumstempo nicht halten - im Gegenteil.

Für viele galt Xiaomi als das "Apple Chinas" - nicht nur, weil Xiaomi-Chef Lei Jun die Produktpräsentation neuer Xiaomi-Smartphones oft bis ins Detail bei Apple Börsen-Chart zeigen kopierte. Technologisch können die Smartphones "Mi 1" bis "Mi 5" zwar nicht mit Apple mithalten, doch Xiaomi bietet seine Produkte in Asien zu günstigen Preisen an - und erreichte damit zeitweise dreistellige Wachstumsraten. Ein leistungsfähiges Smartphone für vergleichsweise wenig Geld - mit dieser Formel will Xiaomi erst Asien und dann die Welt erobern.

Das 2010 gegründete Unternehmen war im Herbst 2014 Marktführer in China und der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt - und zugleich mit einer Bewertung von knapp 50 Milliarden Dollar zeitweise das teuerste Start-up weltweit (nur der Fahrdienst Uber ist inzwischen vorbeigezogen). Doch nach Jahren mit märchenhaften Wachstumsraten scheint es mit dem stürmischen Wachstum zunächst vorbei zu sein: Derzeit stagnieren die Absatzzahlen von Xiaomi nicht, sie sind sogar im freien Fall, wie derBusiness Insider berichtet. Das Wirtschaftsportal beruft sich dabei auf Zahlen der Research-Firma IDC: Laut IDC hat Xiaomi im zweiten Quartal 2016 knapp 40 Prozent weniger Smartphones verkauft als im zweiten Quartal 2015.

Bereits im Vorjahr hatte sich das Wachstumstempo von Xiaomi verlangsamt. Das Unternehmen wollte 2015 zunächst 100 Millionen Smartphones verkaufen - bis Ende 2015 wurden es dann "nur" 70 Millionen. Auch bei den Umsatzerlösen spielte Xiaomi nur noch ein Plus von rund 5 Prozent gegenüber 2014 ein - zu wenig für ein Unternehmen, das mit seinem Konzept den Markt überrollen will. Nun deuten die jüngsten Zahlen von IDC darauf , dass es sich bei den Zahlen des Jahres 2015 nicht nur um einen kurzfristigen Wackler handelte - und dass die Wachstumsstory vom "Apple Chinas" zu implodieren droht.

Rivalen Huawei, Oppo und Vivo setzen Xiaomi in China zu

Laut IDC hat Xiaomi im zweiten Quartal in China nur noch rund 10,5 Millionen Smartphones verkauft - im Vorjahresquartal waren es noch rund 17 Millionen Smartphones gewesen. Das ist ein Minus von knapp 40 Prozent. Damit fällt Xiaomi auf dem chinesischen Markt hinter die Konkurrenten Huawei (19 Millionen), Oppo (18 Millionen) und vivo (14 Millionen verkaufte Smartphones) zurück - und hält sich mit einem Marktanteil von 9,5 Prozent nur noch knapp vor seinem Vorbild und US-Konkurrenten Apple Börsen-Chart zeigen, der in China auf knapp 8 Prozent Marktanteil kommt. Vor allem Oppo und Vivo haben ihr Wachstum im abgelaufenen Quartal enorm steigern können.

Schwacher Trost für Xiaomi: Auch Apple hat seit Monaten in China Schwierigkeiten. Trotz des jüngsten Umsatz-Einbruchs haben Investoren Apple noch nicht die Treue gekündigt, sondern stellen sich auf eine längere Zeit schwächeren Wachstums ein. Doch darauf kann Xiaomi nicht hoffen - das Unternehmen muss nach Einschätzung von Analysten alles daran setzen, auf dem heimischen Markt wieder die Spitze zu erobern.

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