Sky Bundesliga-App Steilvorlage

Der Bezahlsender Sky co-finanziert die Deutsche Bundesliga. Wenn er sich jetzt offenbar mehr Übertragungsrechte herausnimmt, als er einst vielleicht erworben hat, dürfte es dennoch schwer werden, ihn zu hindern. Wieder einmal heißen die gegnerischen Mannschaften: Springer gegen Murdoch.
Von Cornelia Knust
Wer hat das schnellste Bild? Sky-Kameramann bei einem Bundesliga-Spiel

Wer hat das schnellste Bild? Sky-Kameramann bei einem Bundesliga-Spiel

Foto: DPA

München - Es war ein "smarter move", aber Springer dürfte "nicht so amused" sein. Das sagt in seiner ihm eigenen Sprache und mit unverhohlener Bewunderung ein Finanzanalyst, der lieber nicht zitiert werden will. Doch in der Medienbranche herrscht ungläubiges Staunen darüber, dass der Münchner Bezahlsender Sky Deutschland (mehrheitlich bei der 21st Century Fox von Rupert Murdoch) ein paar Tage vor dem Saisonstart frech die Online-Bundesliga-Berichterstattung der "Bild"-Zeitung (Axel Springer AG) kaputt macht. Auch wenn der stets gut gelaunte Sky-Vorstandschef Brian Sullivan heute Beruhigungspillen ausgab: Hinter den Kulissen wird offensichtlich heftig gestritten.

Springer hatte 2012 für 20 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre Rechte von der Deutschen Fußball Liga (DFL) gekauft, wonach "Bild" seinen Online-Kunden des Angebots Bild-Plus eine Stunde nach Abpfiff jedes Bundesligaspiels Bewegtbilder und Zusammenfassungen auf ihren Rechner, ihr Telefon oder ihren Tablet-Computer schicken kann. Für diesen Service zahlen die Kunden Geld (3 Euro zusätzlich zu den 5 Euro für ihr Bild-Plus-Abo). Auch Sponsoren hat Springer gefunden (Volkswagen  , Vodafone . KiK ), deren Logos und Kurzwerbefilme auf den Anwendungen erscheinen.

Gleich nach Abpfiff auf Sendung

Doch der "exklusive Mehrwert für Bild-Plus-Kunden", wie Donata Hopfen, Geschäftsführerin bei Bild digital den Service noch Mitte Juli angepriesen hatte, verlor seine Exklusivität vergangene Woche. Der Bezahlfernsehsender Sky Deutschland  stellte seine Bundesliga-Anwendung (App) vor, die jedem Fußballfan im Land für 4,50 Euro sofort nach Abpfiff eine Übertragung (Livestream) der wichtigsten Bilder und Kommentare aus allen Spielen im Internet und auf mobilen Empfangsgeräten wie Smart Phone und Tablet zugänglich macht.

Diese ist zwar nicht interaktiv und folgt keinem selbst gewählten Menü wie die Bild-Plus-Anwendung. Dafür ist sie eine Stunde früher verfügbar und ist billiger. Der Sender Sky (früher Premiere), der 2012 die Bundesliga-Fernsehrechte einschließlich Internet-Fernsehen von der DFL für die nächsten vier Saisons gekauft hatte (Kostenpunkt 1,9 Milliarden Euro), bietet seinen TV-Abonnenten schon länger das Produkt Sky Go für den Empfang von Fußballbildern unterwegs an. Doch nun dürfen alle, also auch Nicht-Abonnenten, für kleines Geld mitschauen.

"Wir sind sicher, dass das was wir tun, völlig in Ordnung ist", sagte Sky Deutschland-Chef Brian Sullivan auf der heutigen Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen. Die Apps von Springer seien komplett unterschiedlich. Dagegen bilde die eigene App eins zu eins den Kanal Sky Sports News HD ab.

Wichtiger Werbekunde

"Sky will die teuren exklusiven Rechte möglichst breit ausreizen", interpretiert ein Analyst das Vorgehen, das den Springer-Konzern seiner Meinung nach ganz schön ausbremst. Stefan Wimmer, Analyst beim Bankhaus Metzler, meint dagegen, die Sky-App sei nur auf Kundenfang aus und als Livestream keine Gefahr für "Bild": "Das ist für Springer nicht so dramatisch und für Sky nicht besonders relevant." Mit größerem Ärger zwischen beiden rechnet er nicht, zumal Sky ein wichtiger Werbekunde sei für "Bild".

Doch die Tonlage der Beteiligten ist unterschwellig aufgeregt. "Zu der aktuellen Diskussion gibt es nur soviel zu sagen, dass wir ein exklusives Recht erworben haben und dieses Recht Bestand hat", teilte ein Springer-Sprecher auf Anfrage mit. "Das ist dramatisch für Springer aus meiner Sicht", sagt Alexander Henschel, Managing Director bei dem Münchner Medien-Beratungsunternehmen Goetzpartners. "Nach den hohen Investitionen der Vergangenheit, nach dem Schritt in die Bezahlschranke für das Internet-Angebot von 'Bild' und dem zweiten Schritt in die Bewegtbildübertragung, bisher dort ja keine Kernkompetenz, ist das ein Tiefschlag."

Medienexperte Röper: "Kalkulation von Springer im Eimer"

Peinlich ist die Angelegenheit für die DFL. Sie schrieb schon am vergangenen Freitag in einer Pressemitteilung zu den Grenzen der Übertragungsrechte, die die jeweiligen Exklusivitäten sicherstellen sollen: "Diese Grenzen sind von allen Rechte-Inhabern einzuhalten." Doch nach diesem strengen Satz geht es wachsweich weiter: "Das Angebot einer separat buchbaren App, die möglicherweise unmittelbar nach Abpfiff alle Tore des aktuellen Spieltags beinhaltet, wirft in dieser Hinsicht einige Fragen auf." Dann folgt das Versprechen: "Die DFL wird in dieser Angelegenheit kurzfristig im Dialog mit den Beteiligten eine Klärung herbeiführen." Dieser Dialog läuft dem Vernehmen nach gerade - bisher ohne Ergebnis. Sullivan sagte heute, er sei zuversichtlich, alle Fragen mit den Beteiligten klären zu können.

"Ich glaube schon, dass Springer in den Ring steigt", sagt dagegen Berater Henschel von Goetzpartners. Das Thema sei einfach zu bedeutend, um das nicht auszukämpfen. Dass sich zu Beginn einer neuen Lizenz-Laufzeit die Anwälte träfen, sei aber auch nicht so ungewöhnlich. Da sei es früher regelmäßig zum Streit gekommen, zwischen Sky  und der Deutschen Telekom , zwischen Premiere und Arena oder auch mit den Erwerbern von Übertragungsrechten im Ausland.

Wackelbilder vom Chinesen

"Bei so hochrangigen digitalen Rechten müsste völlig klar sein, wer genau welche Rechte hat", sagt dagegen der Medienwissenschaftler Horst Röper von Dortmunder Formatt-Institut. Er vermutet, dass vom Lizenzgeber DFL da "etwas übersehen" wurde. "Doch das ist auch ein sperriges Thema, angesichts der heute vorherrschenden Vielzahl der Verbreitungswege", meint Röper. Er glaubt, dass die "Kalkulation von Springer im Eimer" ist.

Das von Sky inzwischen vorgebrachte Argument, man sende ja nur den Livestream oder bei einem 0:0 auch gar keine Bilder, hält Röper für schwach. "Ich weiß von meinen Studenten, dass sie sich Sky im Internet ansehen, weil irgendein Chinese den Code geknackt hat." Dass sie da Wackelbildern ertragen müssten, mache ihnen gar nichts aus. Auch beim mobilen Internet könne das so laufen, wenn der Preis nur stimme: "Ich denke, es gibt es eine große Interessengruppe, die solche Qualitätseinbußen hinnimmt."

Für Bild als "halbe Sportzeitung" sei die neue App dagegen sehr wichtig, um einen großen Teil der "Bild"-Klientel stärker an das Blatt zu binden und ihr weitere Kopplungsgeschäfte anzubieten. Aber auch die Leser der Sportteile überregionaler Zeitungen könnten sich für die "Bild"-App interessieren, meint Röper: "Es ist ja bekannt, dass der Anteil an Professoren an den Lesern bei der 'Bild'-Zeitung nicht geringer ist als bei der Konkurrenz."

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