Dienstag, 17. September 2019

Sky Bundesliga-App Steilvorlage

Wer hat das schnellste Bild? Sky-Kameramann bei einem Bundesliga-Spiel

Der Bezahlsender Sky co-finanziert die Deutsche Bundesliga. Wenn er sich jetzt offenbar mehr Übertragungsrechte herausnimmt, als er einst vielleicht erworben hat, dürfte es dennoch schwer werden, ihn zu hindern. Wieder einmal heißen die gegnerischen Mannschaften: Springer gegen Murdoch.

München - Es war ein "smarter move", aber Springer dürfte "nicht so amused" sein. Das sagt in seiner ihm eigenen Sprache und mit unverhohlener Bewunderung ein Finanzanalyst, der lieber nicht zitiert werden will. Doch in der Medienbranche herrscht ungläubiges Staunen darüber, dass der Münchner Bezahlsender Sky Deutschland (mehrheitlich bei der 21st Century Fox von Rupert Murdoch) ein paar Tage vor dem Saisonstart frech die Online-Bundesliga-Berichterstattung der "Bild"-Zeitung (Axel Springer AG) kaputt macht. Auch wenn der stets gut gelaunte Sky-Vorstandschef Brian Sullivan heute Beruhigungspillen ausgab: Hinter den Kulissen wird offensichtlich heftig gestritten.

Springer hatte 2012 für 20 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre Rechte von der Deutschen Fußball Liga (DFL) gekauft, wonach "Bild" seinen Online-Kunden des Angebots Bild-Plus eine Stunde nach Abpfiff jedes Bundesligaspiels Bewegtbilder und Zusammenfassungen auf ihren Rechner, ihr Telefon oder ihren Tablet-Computer schicken kann. Für diesen Service zahlen die Kunden Geld (3 Euro zusätzlich zu den 5 Euro für ihr Bild-Plus-Abo). Auch Sponsoren hat Springer gefunden (Volkswagen Börsen-Chart zeigen , Vodafone Börsen-Chart zeigen. KiK ), deren Logos und Kurzwerbefilme auf den Anwendungen erscheinen.

Gleich nach Abpfiff auf Sendung

Doch der "exklusive Mehrwert für Bild-Plus-Kunden", wie Donata Hopfen, Geschäftsführerin bei Bild digital den Service noch Mitte Juli angepriesen hatte, verlor seine Exklusivität vergangene Woche. Der Bezahlfernsehsender Sky Deutschland Börsen-Chart zeigen stellte seine Bundesliga-Anwendung (App) vor, die jedem Fußballfan im Land für 4,50 Euro sofort nach Abpfiff eine Übertragung (Livestream) der wichtigsten Bilder und Kommentare aus allen Spielen im Internet und auf mobilen Empfangsgeräten wie Smart Phone und Tablet zugänglich macht.

Diese ist zwar nicht interaktiv und folgt keinem selbst gewählten Menü wie die Bild-Plus-Anwendung. Dafür ist sie eine Stunde früher verfügbar und ist billiger. Der Sender Sky (früher Premiere), der 2012 die Bundesliga-Fernsehrechte einschließlich Internet-Fernsehen von der DFL für die nächsten vier Saisons gekauft hatte (Kostenpunkt 1,9 Milliarden Euro), bietet seinen TV-Abonnenten schon länger das Produkt Sky Go für den Empfang von Fußballbildern unterwegs an. Doch nun dürfen alle, also auch Nicht-Abonnenten, für kleines Geld mitschauen.

"Wir sind sicher, dass das was wir tun, völlig in Ordnung ist", sagte Sky Deutschland-Chef Brian Sullivan auf der heutigen Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen. Die Apps von Springer seien komplett unterschiedlich. Dagegen bilde die eigene App eins zu eins den Kanal Sky Sports News HD ab.

Wichtiger Werbekunde

"Sky will die teuren exklusiven Rechte möglichst breit ausreizen", interpretiert ein Analyst das Vorgehen, das den Springer-Konzern seiner Meinung nach ganz schön ausbremst. Stefan Wimmer, Analyst beim Bankhaus Metzler, meint dagegen, die Sky-App sei nur auf Kundenfang aus und als Livestream keine Gefahr für "Bild": "Das ist für Springer nicht so dramatisch und für Sky nicht besonders relevant." Mit größerem Ärger zwischen beiden rechnet er nicht, zumal Sky ein wichtiger Werbekunde sei für "Bild".

Doch die Tonlage der Beteiligten ist unterschwellig aufgeregt. "Zu der aktuellen Diskussion gibt es nur soviel zu sagen, dass wir ein exklusives Recht erworben haben und dieses Recht Bestand hat", teilte ein Springer-Sprecher auf Anfrage mit. "Das ist dramatisch für Springer aus meiner Sicht", sagt Alexander Henschel, Managing Director bei dem Münchner Medien-Beratungsunternehmen Goetzpartners. "Nach den hohen Investitionen der Vergangenheit, nach dem Schritt in die Bezahlschranke für das Internet-Angebot von 'Bild' und dem zweiten Schritt in die Bewegtbildübertragung, bisher dort ja keine Kernkompetenz, ist das ein Tiefschlag."

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