Dienstag, 25. Februar 2020

Umweltschützer protestieren Siemens steht stürmische Hauptversammlung bevor

Siemens-Chef Joe Kaeser: Geht er wie geplant oder wird sein Vertrag doch verlängert?
Hannibal Hanschke/ REUTERS
Siemens-Chef Joe Kaeser: Geht er wie geplant oder wird sein Vertrag doch verlängert?

Dem Industriekonzern Siemens Börsen-Chart zeigen steht eine stürmische Hauptversammlung bevor. Zum Aktionärstreffen am Mittwoch (10.00 Uhr) in München haben verschiedene Gruppen wie Fridays for Future, Extinction Rebellion, Campact und Greenpeace Proteste gegen den Dax-Konzern angekündigt.

Im Zentrum steht dabei die Kritik von Klimaaktivisten an der Siemens-Beteiligung an einem riesigen Kohlebergbauprojekt in Australien. Doch auch von Investoren wird sich Vorstandschef Joe Kaeser Einiges anhören dürfen. Zuletzt hatte Vera Diehl vom Fondsanbieter Union Investment den Auftrag für das Kohlebergwerk als "kommunikatives Desaster für Siemens" bezeichnet. Bei der Entscheidung, den Auftrag für das Kohlebergbauprojekt anzunehmen, machte Konzernchef Kaeser eine extrem unglückliche Figur.

Siemens befindet sich im Umbruch. Der Konzern will im Laufe des Jahres sein Energiegeschäft als "Siemens Energy" an die Börse bringen. Zudem läuft Kaesers Vertrag als Vorstandschef zum Jahresende aus. Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt sein Vize Roland Busch.

Siemens steht vor einem wichtigen Jahr. Der seit längerem im Umbau befindliche Konzern will 2020 seine Sparte Gas and Power, die unter anderem das Kraftwerksgeschäft enthält, ausgliedern und im September unter dem Namen Siemens Energy an die Börse bringen. In die neue Gesellschaft soll auch der Anteil von 59 Prozent an dem Windanlagenbauer Siemens Gamesa eingebracht werden. Mittelfristig will Siemens lediglich noch eine Sperrminorität halten. Der designierte Energy-Chef Michael Sen erhofft sich unter anderem "mehr Flexibilität in Strategieentscheidungen". Das Marktumfeld ist schwierig, der Preisdruck hoch, auch in der Windkraft. Es ist die größte Umwälzung seit Jahren, Siemens kappt einen Teil seiner Wurzeln.

Abschied vom Konglomerat

Siemens verabschiedet sich damit von seiner Konglomeratsstruktur. Das Kerngeschäft wird künftig aus dem Digitalisierungsgeschäft, der smarten Infrastruktur sowie dem Zuggeschäft bestehen, flankiert von der Medizintechniktochter Healthineers sowie Energy. Die Zugsparte soll zunächst im Konzern verbleiben, nachdem deren Fusion mit dem französischen Konkurrenten Alstom am Veto der europäischen Wettbewerbsbehörde gescheitert war.

2019 musste Siemens einen Gewinnrückgang hinnehmen. Vor allem in der zweiten Geschäftsjahreshälfte belasteten die kurzzyklischen Geschäfte, insbesondere in der Automobil- und Maschinenbaubranche. Der Druck dürfte vor allem in den ersten sechs Monaten weiter anhalten. Der Konzern geht von moderat sinkenden Märkten in Bereichen wie Software oder Automatisierung aus.


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Zudem hemmt weiter die Nachfolgediskussion um Chef Joe Kaeser. Der Vertrag des 1957 geborenen Niederbayern läuft Anfang 2021 aus, der Siemens-Aufsichtsrat hatte Technik-Vorstand Roland Busch zum 1. Oktober vergangenen Jahres zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt und damit quasi zum Kronprinz gemacht. Über die Nachfolge und deren Zeitpunkt soll in diesem Sommer entschieden werden. Das führt zu anhaltenden Spekulationen, Kaeser könne womöglich früher gehen. Aber auch das Gegenteil könnte theoretisch der Fall sein - dass der Manager womöglich doch noch einmal verlängert, um die Früchte seines Strategieprogramms zu ernten. Siemens betont immer wieder die "klare Nachfolgeregelung". Doch diese bekommt immer mehr den Charakter einer Hängepartie.

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