Samstag, 21. September 2019

Joe Kaeser bezeichnet US-Präsidenten als Rassisten Weltweites Aufsehen für Kaesers Trump-Kritik

Mischt sich immer öfter auch in politische Fragen ein: Siemens-Chef Joe Kaeser

Die rassistischen Hetzereien von US-Präsident Donald Trump gegen Politikerinnen der Demokratischen Partei haben Siemens-Chef Joe Kaeser am Wochenende zu einer ungewöhnlich undiplomatischen Reaktion veranlasst. "Es bedrückt mich, dass das wichtigste politische Amt der Welt das Gesicht von Rassismus und Ausgrenzung wird", schrieb er auf Twitter. Weltweit sorgte das in den Medien für Aufsehen: Der CEO eines Weltkonzerns attackiert den US-Präsidenten persönlich.

Es ist keineswegs das erste Mal, dass Kaeser sich über Twitter zu politischen Themen äußert:

  • Er konterte die hetzerischen Äußerungen der AfD-Politikerin Alice Weidel ("Lieber Kopftuch-Mädel als Bund Deutscher Mädel.").
  • Er protestierte gegen die Verhaftung der "Sea Watch"-Kapitänin in Italien Ende Juni ("People who save lives should not be arrested.").
  • Und er lobte zum Beispiel die als Trump-kritisch gewertete Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der diesjährigen Graduierungsfeier in Harvard ("Remarkable speech").

Kaeser begründet Positionierung mit Erwartungen auch an Vorstandschefs

Die Statements zeugen von den gewandelten Anforderungen an Spitzenmanager. Der Job des CEO sei heute komplizierter geworden, so Kaeser. "Gesellschaft und Stakeholder erfordern sehr viel mehr Aufmerksamkeit als früher. Es reicht nicht mehr, nur mit den unterschiedlichen Interessen von Kapital und Arbeit umzugehen", sagte er dem manager magazin. "Inzwischen rücken vor allem große Unternehmen immer stärker in die Mitte der gesellschaftspolitischen Debatte."

Für die Topmanager ist das ein komplizierter Balanceakt. Sie wollen weder Investoren, noch Mitarbeiter, noch Kunden, noch die Politik gegen sich aufbringen. Nicht selten manövrieren sie in Momenten von Zerrissenheit und Ohnmacht. Das macht den Traumjob CEO oft zu einem Albtraum (Wie die deutschen Topmanager damit umgehen, können Sie hier nachlesen.)

Kaeser ist einer der wenigen Unternehmensführer, die auch in politischen Fragen klare Positionen beziehen. "Die Gesellschaft fordert die Personifizierung von Verantwortung", erklärt er die Motivation. Das Risiko, etwas falsch zu machen, ist jedoch erheblich. "Wenn der Chef als Sender nicht die Welle des Empfängers trifft, dann wird es schwierig."

Auch Kaeser selbst hat das in der Vergangenheit zu spüren bekommen. Anlässe gab es genug. So lobte er Trump ausdrücklich für dessen Steuerreform, die öffentlich stark kritisiert wurde, weil sie vor allem den Unternehmen helfe. Er machte Wladimir Putin die Aufwartung, kurz nachdem der die Krim annektiert hatte. Und eine Reise zu einer Konferenz zu den "Blutscheichs" nach Riad sagte Kaeser 2018 erst nach öffentlichem Protest in letzter Minute ab.

Kaesers Rat an junge Frauen und Männer, die ins Topmanagement streben: "Seien Sie immer die Person, die Sie wirklich sind."

lhy

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