Gewinnsprung und Großaufträge Siemens hat endlich Spaß an der Windkraft

Deutschlands größter Industriekonzern hat seinen Gewinn deutlich gesteigert. Vor allem Großaufträge aus Ägypten und Großbritannien sorgen dafür, dass der Umsatz wächst und Konzernchef Joe Kaeser die Prognose für 2016 bestätigt. Auch die Kosten sinken rascher als erwartet.
Von mm-newsdesk
Schwarze Zahlen, Aufträge in Milliardenhöhe: Siemens bekommt Spaß an der Windkraft

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Dank guter Geschäfte mit Windkraft und Energietechnik sowie schnellerer Sparerfolge hat Siemens überraschend stark zugelegt. Das Ergebnis des industriellen Geschäfts kletterte im zweiten Quartal auf gut 2,1 Milliarden Euro, das sind 28 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie der Technologiekonzern am Mittwoch in München mitteilte. Analysten hatten hier lediglich im Schnitt 1,91 Milliarden Euro erwartet.

Vorstandschef Joe Kaeser sprach von einer überzeugenden Leistung und bekräftigte die Ziele für das Geschäftsjahr 2015/2016. Beim Umsatz setze sich der bereits in den Vorquartalen erkennbare Trend fort. In den vergangenen drei Monaten stiegen die Erlöse um fünf Prozent auf knapp 19 Milliarden Euro.

Beim Auftragseingang - und damit dem künftigen Umsatz - profitierte Siemens vor allem von Großaufträgen aus Ägypten und Großbritannien. Sie sollen im zweiten Geschäftshalbjahr Schub verleihen und über die erwartete Konjunkturschwäche hinweghelfen.

Neubestellungen für 3,1 Milliarden Euro, Auftragseingang fast verdoppelt

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In der umsatzstärksten Division Energieerzeugung (Power and Gas) gingen im zweiten Quartal Neubestellungen im Wert von 3,1 Milliarden Euro für Gas- und Dampfkraftwerke samt Serviceleistungen in Ägypten ein. Der Auftragseingang verdoppelte sich hier fast, der Umsatz kletterte wegen des Projektanlaufs in Ägypten um 27 Prozent.

Zugute kam Siemens auch das Ende beziehungsweise die Lockerung der Iran-Sanktionen: Die Münchner konnten alte, stillgelegte Aufträge wieder aufnehmen, was 130 Millionen Euro zum Spartengewinn beitrug. Insgesamt steigerte Power and Gas das Ergebnis um 40 Prozent auf 535 Millionen Euro. Für Personalabbau fielen Kosten von 33 Millionen Euro an.

Windkraftsparte schreibt schwarze Zahlen, Ordereingang wächst

Die Windkraftsparte schrieb einen Gewinn von 137 Millionen Euro, nach einem Verlust von 44 Millionen im Jahr zuvor. Der Ordereingang wuchs hier um gut die Hälfte auf 2,14 Milliarden Euro - allein ein Großauftrag für einen Offshore-Windpark in Großbritannien steuerte hier 1,2 Milliarden Euro bei.

Siemens-Chef Kaeser bekräftigte die Prognose, wonach der Gewinn im Geschäftsjahr 2015/16 nach Steuern bis zu 5,6 Milliarden Euro betragen soll. Im zweiten Quartal waren es unterm Strich 1,48 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies deutlich weniger, allerdings waren in den 3,9 Milliarden Euro vor Jahresfrist 3,0 Milliarden an Sondererträgen aus Verkäufen enthalten. Der Umsatz solle im Gesamtjahr währungsbereinigt moderat zulegen.

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Das Marktumfeld der renditestarken kurzzyklischen Geschäfte werde sich im zweiten Halbjahr möglicherweise nicht wesentlich beleben, merkte Kaeser an. Siemens gehe davon aus, dass sich die gesamtwirtschaftliche Situation im Geschäftsjahr 2016 weiter eintrüben dürfte. "Trotz anhaltender Herausforderungen im Marktumfeld werden wir unser profitables Wachstum konsequent fortsetzen", sagte Kaeser.

Zudem kommt der Konzern bei seinem Sparprogramm schneller voran. Insgesamt sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken. Waren bisher für dieses Geschäftsjahr 800 bis 900 Millionen Euro geplant, erhöht Siemens jetzt dieses Sparziel auf 850 bis 950 Millionen Euro.

la/dpa/reuters
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